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Die andere Seite der ­Geschichte

Foto-Essay: Erste Ausstellung über das muslimische Erbe Europas öffnet in London

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Foto: Tharik Hussain

(IlmFeed). Am 14. Juni eröffnete die erste Londoner Ausstellung ihre Tore, die die Tiefe des muslimischen Erbes in Europa entdecken will. Zeitlich fiel sie mit dem 21. Jahrestag des Massakers von Srebrenica zusammen.

Der Hauptteil des ausgestellten Materials von „Don’t Forget About Us; a Journey Through Europe’s Muslim Heritage“ stützt sich hauptsächlich auf die Bilder und Texte des preisgekrönten Fernsehmachers, Reiseschriftstellers und Fotografen Tharik Hussain sowie des bosnischen Fotografen Jasmin Agovic. Hussains Arbeiten sind die Früchte seiner Reisen durch ganz Europa, auf denen er in den letzten zwei Jahrzehnten das islamische Erbe Europas erkundete.

„Europa hat eine beinahe 1.400-jährige muslimische Geschichte. Und doch wird sein kulturelles Erbe vorrangig als jüdisch-christlich verstanden. Wir hoffen, diese Ausstellung wird die landläufigen Ansichten herausfordern. Nicht in einem Versuch, eine Art Triumph der muslimischen Kultur über den Anderen zu deklarieren, sondern, um ein Gleichgewicht zu suchen. Muslime und ihre Kultur sind nichts Neues in Europa. Sie gehören genauso dazu wie alle anderen Elemente“, erklärte Hussain. Bei dem Event in der East London Mosque wurde auch die European Muslim Heritage Foundation (EMHF) vorgestellt.

Foto: Tharik Hussain

Foto: Tharik Hussain

Die Ausstellung wurde vom London Muslim Centre, der East London Mosque, der Bosnia Heritage Fundation und IlmFeed mitgetragen. Auf Rahmenveranstaltungen sprachen auch „eingeborene“ europäisch-muslimische Redner. Hafiz Amin Vlajic und Mevludin Sahinovic sind Mitglieder einer der ältesten muslimischen Gemeinschaften. Sie sprachen darüber, wie sie die Schrecken des Krieges in Bosnien überlebten. Gleichzeitig erzählte Schaikh Ramadan Yaqoob, der Großmufti von Litauen, von der beinahe unbekannten Geschichte seiner Gemeinschaft von Muslimen, die konfliktfrei seit 618 Jahren im Baltikum lebt. Bei der Eröffnung stellte Mufti Yaqoob auch Stücke aus seiner eigenen Gemeinschaft vor.

„Meine Vorfahren sind Litauer seit 700 Jahren. Wie können Sie mir sagen, ich sei kein Europäer? Durch diese Ausstellung und durch die Stiftung hoffen wir, dass dies in der öffentlichen Wahrnehmung zur Normalität wird“, erklärte der Mufti. Er ist die erste Person, welche die Bedeutungen des Qur’an aus dem Arabischen ins Litauische übertrug.

Hussains Fotos zeigen Bilder aus europäischen Ländern, die so vielfältig sind wie Spanien, Bulgarien, Estland, Frankreich und England. Höhepunkte in diesem Segment sind das Foto eines mittelalterlichen Grabes auf dem Balkan, das heute von Muslimen wie Christen besucht wird sowie eine der Münzen aus dem 9. Jahrhundert, die in Estland gefunden wurden. Sie wurden vom ‘abbasidischen Kalifat in Bagdad geprägt. Außerdem gibt es die Abbildung eines Mannes, der in der Moschee betet, die die Heimat der frühesten einheimischen muslimischen Gemeinschaft in Großbritannien war. Gegründet wurde sie von viktorianischen Lords und Ladies.

Foto: Tharik Hussain

Foto: Tharik Hussain

Gleichzeitig erinnert Agovics Sammlung an die Schrecken des Genozids im bosnischen Srebrenica. Er nahm diese Bilder während seiner Zeit bei der internationalen Kommission für vermisste Personen auf. Sie dokumentierte und identifizierte die Überreste Tausender Opfer, die in Massengräbern verscharrt wurden.

Srebrenica sei auch ein wichtiger Teil des muslimischen Erbes in Europa, meint Hussain. Wenn auch eines seiner dunkelsten Kapitel. „Es ist wichtig, dass wir alles anerkennen. Das Gute, Schlechte und Schmerzhafte. Im heutigen Klima repräsentiert Srebrenica eine wichtige Erinnerung dafür, wozu Hass führen kann.“

Für Hussain sind die Ausstellung und die Stiftung der Anfang einer Reise, auf die er sich schon körperlich gemacht habe. „Ich erinnere mich, dass ich eigentlich auf dem Weg aus Europa hinaus war. Dass ich hier nicht hergehören würde. Ich wollte im Nahen Osten leben, da ich dachte, dass Muslime nicht aus Europa kämen.“ Und dann sei auf einem Zwischenstopp auf Zypern etwas seltsames geschehen. Es liegt am Rande Europas. „Ich stolperte über das Grab einer Gefährtin des Propheten Muhammad. Ich stand wundernd da. ‘Was zum Henker macht es dort? Und warum hat mir niemand gesagt, dass Muslime vor so langer Zeit nach Europa kamen?’“, erinnert sich Tharik Hussain.

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