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Die arabische Halbinsel bereitet sich auf den heiligen Monat Ramadan vor. Von Burkhard Jürgens

Fasten unter Wüstensonne

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Bonn (KNA) In Arabien ticken die Uhren von Montag an wieder etwas anders: Dann beginnt der Ramadan, der Fastenmonat des Islam. In diesem Jahr stehen die Feiern und Predigten auch unter dem Zeichen des Arabischen Frühlings. Saudi-Arabiens König Abdullah forderte seine Landsleute auf, die Hunderttausenden von Pilgern auf die bestmögliche Weise aufzunehmen. Die Infrastruktur um die Heiligen Stätten Mekka und Medina wurde aufpoliert. Vorderhand beschäftigen sich Menschen und Medien vor allem mit den persönlichen Herausforderungen, die der Fastenmonat mitten im Sommer mit sich bringt.

So ergingen Warnungen an Kranke, die eigentlich vom Fastengebot ausgenommen sind, es aber doch nicht lassen können. Die Gesundheitsbehörden in Dubai appellierten an Diabetes-Patienten, vor einem ganztägigen Nahrungsverzicht einen Arzt zu konsultieren. „Wir versuchen eine kleine Minderheit zu überzeugen, nicht zu fasten“, sagt Mohammad Hamed Farooqi, Direktor des Diabeteszentrums in Dubai, laut nationalen Medien. Dies gelte vor allem für Hypoglykämiker, bei denen sich Alarmzeichen wie Benommenheit nicht einstellten.

Dabei ist die Frage, bei wem sich keine Benommenheit einstellt, wenn die Temperaturen 47 Grad erreichen und kein Tröpfchen den Durst löscht. Für die Arbeiter auf den Großbaustellen am Golf hat die Regierung deshalb bis zum 15. September verlängerte Mittagspausen verordnet. Zudem gab sie den 30.000 Beschäftigten der Branche eine Hilfestellung, wie sie ihre nächtliche Ernährung am besten gestalten, um über die Runden zu kommen. Ein eigens produzierter Videoclip fasst das Wesentliche in einem Lied auf Hindi zusammen.

Gefürchtet sind auch die Ramadan-Unfälle. Eine Ursache sind gereizte Autofahrer, die nach einem zermürbenden Tag nur noch eins wollen: so schnell wie möglich nach Hause zum Fastenbrechen. Die Verkehrspolizei in Abu Dhabi will deshalb bei Sonnenuntergang an den Straßen Snacks verteilen, damit niemand aus Hunger und Durst mit Bleifuß über rote Ampeln brettern muss.

Unterdessen haben sich Restaurantbetreiber und Lebensmittelläden in den nächsten Wochen verstärkt auf Besuch vom Gesundheitsamt einzustellen. Derzeit prüfen die Behörden genauer, ob eine Kühltruhe auch wirklich kühlt und zum Verzehr Bestimmtes frisch ist. In Abu Dhabi schauten die Inspektoren schon vergangene Woche in 50 Bäckereien vorbei. Das Ergebnis: Acht Kilo abgelaufene Ware, vier Bußgeldbescheide und 15 Verwarnungen. Für Feinbäcker und Metzger herrscht während der Ramadan-Nächte Hochsaison. Allein das Emirat Katar importierte 150.000 Schafe aus Australien, um den Mehrbedarf zu decken.

Besondere Erleichterungen erhalten Regierungsangestellte während des Ramadan: Praktisch in ganz Arabien senken die Behörden die tägliche Arbeitszeit auf fünf Stunden. Im privaten Sektor beträgt das Tagespensum in der Regel sechs Stunden – bei unverändertem Gehalt. Diese Vergünstigung gilt auch für Nichtmuslime.

Doch nicht zuletzt geht es im Ramadan um geistliche Ziele: die Beschäftigung mit dem Koran und Werke der Barmherzigkeit. Der saudische Monarch spendete 60 Millionen US-Dollar für somalische Flüchtlinge und einige Ladungen Datteln; am Freitag startete aus den Emiraten ein Frachtflugzeug mit 35 Tonnen Hilfsgütern für den Tschad, und 620 Häftlinge in Dubai dürfen sich über eine Amnestie freuen. Dubai veranstaltet auch wieder einen internationalen Koran-Rezitations-Wettbewerb. Bislang haben sich Teilnehmer aus 82 Ländern angemeldet – der jüngste ist ein achtjähriger Ire.

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