IZ News Ticker

Die Art, wie der Ramadanbeginn festgelegt wird, sollte sich an islamrechtlichen Argumenten festmachen, meint Abu Bakr Rieger

Kommentar: Sichtung

Werbung

(iz). Für die Muslime beginnt die schönste und intensivste Zeit des Jahres. Wie so oft wird allerdings auch der korrekte Beginn des ­Ramadans diskutiert. Hierzu ist zweifellos die entsprechende Sichtung des Mondes und die Ausrufung des Ramadans durch eine islamische Autorität nötig.

In Deutschland kam es immer wieder zu der kuriosen Situation, dass in einer Straße muslimische Familien zu verschiedenen Tagen mit dem Fasten begannen. ­Geradezu offensichtlich war die mangelnde Autorität und fehlender Einfluss der bestehendn ­Dachorganisationen, die es nicht vermochten, alle Muslime zu einem Zeitpunkt zu sammeln.

Abhilfe soll nun ein neues Verfahren des KRM bringen, der sich nun auf eine – wenn auch zweifelhafte – Variante der Mondsichtung geeinigt hat. Grundsätzlich positiv und wichtig ist dabei die Absicht, möglichst alle Muslime zu einem einheitlichen und nicht offensichtlichen widersprüchlichlichen Verhalten anzuhalten. Das Argument ist so wichtig, dass es (auch für mich) zunächst eine gewisse Priorität hat. Gemeinsam muss man aber natürlich, nach wie vor, nach einer rechtlich einwandfreien Lösung streben. Die praktische Aufgabe des Anspruches, in der aktuellen Situation Recht zu haben, wäre natürlich fatal (wie können auch alle Recht haben?). Auf islam.de wird so argumentiert, das Verfahren behaupte nicht etwa, dass andere Methoden der Mondsichtung falsch seien, sondern man bevorzuge eben das Verfahren mit der größeren Planungssicherheit.

„Die Änderungen der Prinzipien hatten vor allem praktische und pragmatische Gründe: Festsetzung einheitliche Termine für die Muslime, um sie in die Lage zu versetzen in der Schule, beim Arbeitgeber und anderen Institution des öffentlichen Lebens verlässlich und planbare Zeiten einzurichten“, heißt es dazu über das „European Council for Fatwa and Research (ECFR)“. Zum Maßstab, rechtliche Prinzipien zu ändern, werden also „Verwaltungspraxis“ und „Pragmatismus“, die Anpassbarkeit an das technisch geprägte Leben erhoben?

Das Argument der „Planungssicherheit“ halte ich für absolut unsinnig. Es ist gerade das ureigenste Wesen des Verhältnisses zwischen dem Schöpfer und dem Menschen, dass es keine Planungssicherheit gibt (Planungssicherheit bräuchte man eher darüber, wann mit einer KRM-Repräsentanz in ­Berlin zu rechnen ist). Auch das Argument, jetzt könne man endlich Ramadankalender drucken, ist im Internetzeitalter schlichter Quatsch.

Die persönliche Sichtung des Mondes vor Ort (wir „sind“, existentiell betrachtet, nicht an jedem Ort der Welt) und die Ausrufung des Ramadans,ist eine der legitimen Handlungen islamischer Autorität. Sie schafft einen sozialen Bedeutungszusammenhang, in dem das islamische Leben „Sinn“ bekommt. Dazu gehört natürlich auch das Nehmen der Zakat. Ohne diese menschliche und persönliche Seite des Islam besteht die Gefahr der weiteren Verarmung und Erkaltung islamischen Lebens unter dem Duktus angeblicher „Wissenschaftlichkeit“.

The following two tabs change content below.
Abu Bakr Rieger

Abu Bakr Rieger

Abu Bakr Rieger

Neueste Artikel von Abu Bakr Rieger (alle ansehen)

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen