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Vom spirituellen Nutzen der Pilgerfahrt nach Mekka

Die Bedeutung der Hadschrituale entfaltet sich in der Handlung

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Ahmed Mater|flickr

„Und rufe die Menschen zur Pilgerfahrt. Laß sie zu dir kommen zu Fuß und auf allen möglichen flinken Reittieren, aus den fernsten Gegenden. Damit sie Nutzen erfahren können.“ (Al-Hadsch, 25-26)

(iz). Abu Huraira sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs sagen: ‘Wer auf die Hadsch nur um Allahs willen geht und weder Geschlechtsverkehr hat noch Übles tut, der wird im gleichen Zustand zurück kehren wie seine Mutter ihn geboren hat.“ (al-Bukhari)

„Die Hadsch ist die Demonstration der Wirklichkeit, dass im Islam alle Wege zum Hause Allahs führen, wo Nationalität, Herkunft und unterschiedliche Doktrien hinweg geblasen werden. Die Hadschis kommen fliegend, segelnd und auf dem Landweg. Aber wer sie auch sein mögen, woher sie auch kommen und wie immer sie kommen, sie werden nur von einer Sache und nur zu einem Punkt angezogen: ihrem Verlangen, Allah an Seinem Haus anzubeten und die Rituale der Hadsch zu vollziehen. Von dem Augenblick, in dem der Hadschi seinen Weg mit der Absicht, die Pilgerfahrt zu vollziehen, beginnt, ist die Reise des Pilgers auf eine gewisse Weise nicht seine eigene, denn er macht die gleiche Sache wie Millionen andere auch. Und doch ist es wiederum seine ganz eigene, denn in dieser großen Versammlung wird er in der Entfaltung seines eigenen, ungeteilten Schicksals alleine im Angesicht seines Herren stehen. Er wird zu einem von vielen ­Elementen des Schmelztiegels Mekka, wo die große Gestaltung der muslimichen Gemeinschaft stattfindet, wo alle Teile unter den intensivsten Bedingungen zusammengeschmissen und vermischt werden, um dann schließlich wieder getrennt zu werden und anders nach Haus zurückzukehren, als sie es verlassen haben.“

Ich habe diese Worte aus einer Beschreibung eines meiner Freunde, ‘Abdalghadur Mould, entnommen, der sie 1976 nach seiner Rückkehr von der Hadsch geschrieben hat. Wir alle haben Leute nach deren Rückkehr von der Hadsch getroffen und werden unserer Erfahrung nach ‘Abdalghafur zustimmen, dass niemand unverändert zurück gekommen ist. Es ist genau diese Veränderung, in der der Nutzen liegt, von dem Allah ta’ala in dem zitierten Ajat gesprochen hat. Bei einigen Hadschis ist der Wandel nur oberflächlich und der Glanz verschwindet schnell und binnen kurzer Zeit sind sie genauso, wie sie vorher gewesen sind. Andere jedoch kommen vollkommen verändert wieder; ihr Leben hat eine neue und bedeutungsvollere Qualität erhalten. Dies sind diejenigen, die der Prophet meinte, als er von Neugeborenen sprach. Für sie ist die Hadsch wie ein neuer Anfang in ihrem Leben.

Der Unterschied zwischen beiden Gruppen liegt zuerst in dem, was wir vorher betrachtet haben: der Absicht. Zweitens in dem, was Allah in einem anderen Ajat sagt, nämlich dass es der Taqwa bedarf, um die Handlungen der Hadsch wirklich bedeutungsvoll zu machen. Es ist nicht ausreichend, nur passiv an den Riten teilzunehmen und mit der Menge wie der Samen der Pusteblumen fortgeweht zu werden. Ihr müsst etwas von euch selbst mitbringen und das ist die „Taqwa“ – furchtsames Bewusstsein von der Gegenwart Allahs. Die Rituale sind nicht magisch, d.h. dass sie nicht automatisch einen Nutzen für denjenigen haben, der sie vollzieht. Sicherlich gibt es große Baraka darin, die vom Alter diess Göttlichen Befehls [der Hadsch] stammen und von den Milliarden von Muslimen, die an ihr während der Jahrhunderte teilgenommen haben. Aber der Nutzen, den ihr selber daraus ziehen werdet ist direkt abhängig von der Menge eurer Taqwa, die ihr mitbringt.

Der Hadschi und Imam Dschunaid
Vielleicht die verständlichste Aussage, die jemals über die innere Dimension der Hadsch gemacht wurde, stammt von Dschunaid al-Baghdadi, dem großen Rechtsgelehrten und Sufi des dritten islamischen Jahrhunderts. Ein Mann kam zu Dschunaid und dieser fragte ihn, woher er gekommen war. Er antwortete ihm, dass er gerade von der Hadsch gekommen war. Dschunaid fragte diesen Mann: „Von der Zeit an, als du dein Haus verlassen hast, hast du auch alle falschen Handlungen hinter dir gelassen?“ „Nein“, antwortete der Mann. „Dann hast du sie nie wirklich hinter dir gelassen. Hast du bei jedem Halt eine weitere Stufe deines Weges zu Allah genommen?“ „Nein“ kam als Antwort. „Dann hast du dich nicht wirklich auf die Reise gemacht. Als du deinen Ihram [rituelle Bekleidung während der Hadsch] beim Miqat [dem festgelegten Ort, an dem der Hadschi in den Ihram geht] anlegtest, hast mit deiner normalen Kleidung auch die Eigenschaft deiner Selbstheit abgelegt?“ Wiederum verneinte der Mann die Frage. „Dann hast du nicht wirklich den Ihram angelegt. „Als du den Tawaf der Ka’aba gemacht hast, hast du die Schönheit von Allah in der Heimstätte der Reinigung bezeugt.“ „Nein, das habe ich nicht getan“, so der Mann. „Dann hast du nicht wirklich Tawaf gemacht. Als du den Sa’i gemacht hast, erreichtest du den Rang von Safa (Reinheit) und Muruwwa (Tugend)?“ „Nein.“ „Dann warst du nicht beim Sa’i. Als du dich auf den Weg nach Mina machtest, verringerten sich deine Muna (Begierden).“ Wieder verneinte der Mann die Frage. „Dann bist du niemals nach Mina gegangen. Als du in ‘Arafa standest, erlebtest du einen einzigen Augenblick der Ma’rifa (direktes Wissen) von Allah.“ „Nein“, entgegnete der Mann. „Dann hast du in Wirklichkeit nicht in ‘Arafa gestanden. Als du die Nacht in Muzdalifa verbrachtest, hast du deine Gelüste auf diese Welt aufgegeben?“ „Nein, das habe ich nicht“, sagte der Mann zu Dschunaid. „Dann warst du nicht wirklich in Muzdalifa. Als du die Dschamra gesteinigt hast, hast du alles von dir abgeworfen, was zwischen dir und deinem Herren steht?“ „Nein.“ „Dann hast du nicht wirklich gesteinigt. Als du dein Opfer machtest, hast du dein niederes Selbst Allah angeboten?“ Wiederum verneint der Mann. „Dann hast du nicht wirklich geopfert und die Wahrheit ist, dass du die Hadsch überhaupt nicht korrekt vollzogen hast. Kehre um und verrichte die Hadsch noch einmal auf die Art und Weise, die ich dir beschrieben habe, so dass du schließlich den Maqam von Ibrahim erreichen wirst.“

Offensichtlich können wir dies nicht wörtlich nehmen, aber auf was seine Worte sehr deutlich hinweisen ist, das es ein innere Dimension der Hadsch gibt. Zur gleichen Zeit ist es wichtig, darauf hin zu weisen, dass Imam Dschunaids Worte keinen Gegensatz zwischen Innen und Außen beinhalten bzw. irgend eine Art von innerer Bedeutung, die von der äußeren Form getrennt sein könnte. Sie zeigen eher, dass jeder äußere Akt bei der Hadsch eine korrespondierende und untrennbare innere Wirklichkeit besitzt, ohne die sie nicht als vollkommen betrachtet werden kann. Genauso wie ein Ei ohne Eiweiß und Dotter genau genommen kein Ei mehr ist, sondern bloß dessen Schale. Dies ist das Element des Ihsan, welches der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, als integraler Bestandteil des Din in seinem berühmten Ausspruch, der von ‘Umar ibn al-Khattab überliefert wurde, erklärte. Ihsan, so sagte er, ist ­„Allah anzubeten, als ob ihr Ihn sehen könnt, denn auch wenn ihr Ihn nicht sehen könnt, so sieht Er euch.“ Das Bewusstsein von Allah ta’ala, welches dem vorausgeht, ist genau jene Taqwa, die Allah von uns im Zusammenhang mit den Ritualen der Hadsch verlangt. Ohne dieses Element wird unsere Hadsch sicherlich mangelhaft sein und wir können die versprochene große Belonung nicht erwarten.

Der Ablauf der Hadsch
Wir haben bereits die notwendige innere Dimension der Handlung der Annahme des Ihram besprochen, der die Form jener Absicht annimmt, die auf alle folgenden Rituale projeziert werden sollte, so dass unsere Hadsch darin eingebettet ist. Nach dem Ihram hat Imam Dschunaid über den Tawaf, die Handlung der Umkreisung vom Hause Allahs, die ein weiterer essentieller Bestandteil unserer Reise ist, gefragt. Wenn man das große Rad bei Nacht und Tag betritt, welches ununterbrochen um die Ka’ba, der Fokus von denjenigen, die in aller Welt Allah wirklich anbeten, ist es nur zu leicht, abgelenkt zu werden von dem erstaunlichen Anblick, der sich einem bietet und von dem notwendigen Gedränge von Leuten, die sich auf begrenztem Raum bewegen und welches insbesondere in der Nähe des Schwarzen Steins stärker wird. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, auf sein Herz zu achten und der einfachste Weg dazu ist, einen einfachen Dhikr konstant zu wiederholen und sich entsprechend der prophetischen Anweisung daran zu erinnern, zwischen der jemenitischen Ecke und dem Schwarzen Stein das qur’anische Du’a zu sprechen. Der Kreis des Tawaf ist vielleicht der Ort der Hadsch, an dem man am meisten an sein Sein als Weltbürger erinnert wird. Ein weiterer Aspekt des Tawaf ist, dass das eigene Leben weniger als ununterbrochene Kette einer Entwicklung erscheint, sondern als Reihe von Kreisen, die einen immer wieder an den gleichen Punkt bringt. Was in unserem Leben wie beim Tawaf erstrebt wird, ist, dass dieses Kreisen nicht auf der gleichen Ebene verharren soll, sondern die Form einer aufsteigenden Spirale haben sollte, sodass wir uns immer mehr auf Allah zu bewegen. Unser Tawaf endet mit den zwei Rak’at [Verbeugungen] am Maqam von Ibrahim. Dies hat eine besondere Bedeutung für uns, denn im Gewühle des Tawaf müssen wir einen Ort für uns selber finden und dort einige Augenblicke in Ruhe und Konzentration verharren, in dem wir uns verbeugen und niederwerfen und uns der Anbetung unseres Herren widmen.

Nach dem Tawaf kommt der Sa’i, der mich auf eine gewisse Weise immer an den Feierabendverkehr in einer der großen Weltstädte erinnert. Eine scheinbar endlose Masse von Leuten fließt in einer paradoxen Mischung von Verwirrung und Ordnung unaufhörlich rückwärts und vorwärts. Der Sai’ ist die Nachstellung der verzweifelten Suche Hadschars, der Ehefrau von Ibrahim, als sie und ihr junger Sohn Isma’il im öden Tal von Bakka auf der Suche nach Wasser waren. Sie rannte zwischen den Hügeln von Safa und Marwa hin und her, und kletterte erst auf den einen und dann auf den anderen, als sie den Horizont nach Reisenden absuchte, die ihnen in ihrer Not hätten helfen können. Am Ende erschien, wie wir wissen, das, was sie suchte, mit dem Aufspringen der Quelle von Zamzam unter ihren Füßen. Wir alle eilen hierhin und dorthin auf der Suche nach Hilfe von diesem oder jenen. In der Regel vergessen wir dabei, dass Allah ta’ala sehr wohl um unsere Umstände weiß und dann erscheint Allahs Hilfe direkt vor unseren Augen, manchmal sogar in uns selbst und die Situation ist bereinigt.

Der nächste Halt bei der Hadsch ist der Zug nach Mina. Es ist vielleicht in Mina, wo die Wirklichkeit der muslimischen Ummah am klarsten beobachtet werden kann. Leute pflegten entsprechend ihrer geografischen Herkunft ihre Zelte aufzuschlagen, so dass in Mina alle Völker und Nationen des Islam mehr oder weniger ihre Unterschiede behalten und doch alle innerhalb einer bestimmten Fläche eng beiander sind. Für wenige wertvolle Tage haben Gemeinschaften, die tausende Kilometer von einander getrennt sind, Gelegenheit, sich Seite an Seite zu finden und in der freundlichen Atmosphäre der Hadsch findet die Brüderlichkeit im Islam ihren eigentlichen und Herz erwärmenden Ausdruck.

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Hadsch ist ‘Arafa“, d.h. das große Treffen der Hadschis auf der Ebene von ‘Arafa ist das Kernritual der Hadsch. Deshalb sind alle dorthin gekommen. Es gibt keinen Zweifel daran, dass dies auf eine beinahe ausgesprochene Weise die Vorwegnahme der letzten Versammlung ist, an der wir alle unausweichlich am Jüngsten Tag teilnehmen werden. Es ist in ‘Arafa, wo die Wirklichkeit des Zustandes des Ihram am deutlichsten wird. Die Existenz aller Anwesenden wird auf das nackteste Wesentliche reduziert. Alle Unterschiede werden entfernt. Reichtum und Armut, jede Art von Klassenunterschied, alle Dinge, die normalerweise die Menschen in ihrem Alltag trennen, werden an den Rand gedrängt und das was bleibt, ist die einfache Tatsache unserer Menschlichkeit. Was wir haben sind unsere Handlungen, die nichts mehr und nichts weniger darstellen, als das, was wir wirklich sind. Wir stehen dort, wie wir sind, nackt im Angesicht unseres Herren und durch nichts getrennt als den Schleier unserer Existenz. Es gibt dort nichts zu tun, als sich Allah in vollkommener Aufrichtigkeit zuzuwenden und Ihn anzuflehen, dass Er unseren Din nur für Sich macht. Wir hoffen auf Seine Vergebung, es verlangt uns nach Seiner Gnade und wir sehnen uns nach dem Anblick Seines edlen Gesichts. Es gibt sicherlich keine Zeit und keinen Ort, wo unsere Gebete mehr Annahme erwarten können.

Dschabir berichtete, dass der Gesandte Allahs sagte: „Wenn der Tag von ‘Arafa kommt, steigt Allah in den niedrigsten Himmel herab und preist die Menschen gegenüber den Engeln mit den Worten: ‘Schaut auf Meine Sklaven, die zu Mir gekommen sind, zerzaust, staubig und weinend in jedem tiefen Tal. Ich rufe euch zu Zeugen an, dass Ich ihnen vergeben habe.’ Die Engel wenden dann ein: ‘Aber mein Herr, dieser Mann und auch diese Frau haben dieses oder jenes getan.’ Allah, der groß und glorreich ist, antwortet: ‘Ich habe ihnen vergeben.’“

Die drei Rituale während des ‘Id in Mina sind die Steinigung der Dschamrat al-’aqaba, die Opferung eines Tieres und die Rasur der Köpfe. Alle sind sehr besondere Handlungen und auf eine Weise ist deren Bedeutung untrennbar mit ihrer eigentlichen Vollziehung verbunden.

Die Steinigung der Dschamrat wird oft als Steinigung von Schaitan bezeichnet, vor dem Allah uns gewarnt hat und uns eindeutig darüber unterrichtet, dass dieser unser Feind ist. Eine Lektion, die wir daraus ziehen können, ist, dass wir selbst an einem so gesegneten Tag wie den ‘Id al-Adha nicht sicher sind vor Schaitans Einflüsterungen und uns vor ihm schützen müssen.

Wie wir aus einem Ajat entnehmen können, sorgt sich Allah tabaraka wa ta’ala Selbst darum, dass wir verstehen, dass das wichtige Element im Ritual der Opferung das Bewusstsein von Ihm ist, welches mit dem physischen Akt einhergehen muss, damit es eine Bedeutung erhält. Wir sollten wissen, dass es die Erinnerung der Begebenheit ist, als Sajjiduna Ibrahim, möge Allah ihm Frieden geben, davon befreit wurde, seinen geliebten Sohn zu opfern und ihm stattdessen ein Bock zur Opferung gegeben wurde. Auf was diese Handlung hinweist, ist unsere Bereitschaft, um Allahs willen dasjenige zu aufzugeben, was uns am liebsten ist. Die Sache, die uns mehr als alles andere lieb ist, ist unser Selbst, unsere eigene, unabhängige Existenz. Damit steht das Opfer im höchsten Sinne für unsere Bereitwilligkeit, unseren eigenen Willen aufzugeben und unser Selbst vollkommen dem Willen unseres Herren zu widmen. Die Wahrheit ist, dass wir, indem wir das tun, nichts verlieren werden und gewinnen, was unser Herz ersehnt. Allah sagt in der Sura at-Tauba, 112: „Freut euch des Tauschhandels, den ihr abgeschlossen habt! Dies ist der große Sieg.“

Die bloße körperliche Erleichterung, den durch unsere Tage im Ihram angesammelten Staubes und Schmutzes los zu werden, ist in sich die passende Bedeutung des Aktes der Rasur des Haupthaares, der einem das Gefühl gibt, sein Leben neu zu beginnen. Es ist genau dieses Gefühl, welches die mehr symbolische Deutung bestätigt, dass mit dem Ritual der Entfernung der Haare man die eigene Vergangenheit hinter sich gelassen hat. Das Wachsen des neuen Haares erscheint wahrlich als Hinweis auf einen neuen Anfang in unserem Leben als Ganzes.

Besuch in Medina
Ein Aspekt der Reise in den Hidschaz, den wir bisher noch nicht erwähnten, ist der Besuch von Medina al-Munawwara. Dieser wird so stark empfohlen, dass er als Teil der Sunna der Hadsch betrachtet wird. Qadi ‘Ijad sagte darüber: „Der Besuch des Grabes des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, ist eine Sunna unter den Muslimen, über die Einigkeit besteht. Das ist eine Tugend, zu der ermutigt werden soll.“ Wenn Mekka der Schmelztiegel ist, in welchem der Hadschi entschlackt und gereinigt wird, dann ist Medina der See der Ruhe, in dem er Frieden und Erfrischung findet. Erinnern wir uns, dass es in Medina war, wo der Islam seine erste soziale Form erhalten hat und wo die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit des Dins von Allah seinen perfekten Ausdruck gefunden hat.

Über die Einwohner dieser Stadt sagte Allah Selber: „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen erstand.“ (Al ‘Imran, 110)

Man muss nicht weit gehen, um den spirituellen Nutzen eines Besuches von Medina zu entdecken. Welcher Segen könnte größer sein, als vom Gesandten Allahs begrüßt zu werden, denn er hat gesagt, dass dies jedem geschieht, der ihn an seinem Grab grüßt. In dem berühmten Hadith von Abu Huraira, welches von Ahmad, Abu Dawud und al-Baihaqi überliefert wurde, sagte er: „Es gibt niemanden, der mich grüßt, dass Allah meinen Ruh nicht zu mir zurück kehren lässt, damit ich seinen Gruß erwidern kann.“ Und sicherlich gibt es nur wenige Pilger, die nicht etwas von der Süße der prophetischen Gegenwart während ihres Besuches in Medina erleben.

Was ich mit dem Vortrag über dieses Thema erreichen wollte war, etwas von der inneren Dimension der Rituale der Hadsch zu zeigen. Aber am Ende, auch wenn solche Hinweise vielleicht ein oder zwei Türen zu einer tieferen Wahrnehmung der Hadsch geöffnet haben, zählt nur der eigene Geschmack dieser Handlungen selber. Nur die direkte Erfahrung der Hadschrituale macht die eigene Hadsch aus und nur die eigene Hadsch wird einem selbst gehören. Deshalb ist die Hadsch genauso eine innere wie eine äußere Reise und es ist diese innere Dimension, die die unbekannte Menge der äußerlich undefinierbaren aber unverzichtbaren Eigenschaft der Taqwa, die wir bei allen Ritualen mitbringen, die wir vollziehen. Nur davon wird die Menge des Nutzens der Hadsch und ihrer Annehmbarkeit bei Allah am Ende abhängig sein.

Der Prophet erklärte, dass eine der besten Handlungen für einen Menschen eine angenommene Hadsch ist und es ist daher zu hoffen, dass alle diejenigen, die sich auf den Weg dahin machen, mit sich die stärkste Absicht und die Menge an Taqwa bringen, damit ihre Hadsch Annahme bei ihrem Herren finden wird. Wenn sie diese finden, liegt der direkte Beweis in ihrem eigenen Dasein. Ich möchte mit denjenigen Ajats schließen, mit denen Allah die Sura beendet, die Er der Einrichtung der Hadsch gewidmet hat:

„Ihr, die ihr Iman habt, beugt euch und werft euch nieder und dient eurem Herren und tut Gutes, damit ihr erfolgreich seid. Und strengt euch auf dem Weg Allahs an, wie es Ihm gebührt. Er hat euch erwählt und hat euch im Din, dem Din eures Vorvaters Ibrahim, nichts Schweres auferlegt. Er hat euch Muslime genannt, schon zuvor und in diesem Buch, damit der Gesandte euer Zeuge sei und ihr Zeugen der Menschen sein möget. So richtet das Gebet ein und zahlt die Zakat und haltet fest an Allah. Er ist euer ­Beschützer – der Beste Beschützer, der Beste Helfer.“ (al-Hadsch 75-76)

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