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Die britischen Muslime zählen zu den führenden Spendern in Europa. Von Ufuk Secgin

„Unsere größten Geber“

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„Die lokalen Wohltätigkeitsorganisationen müssen eine gute Balance zwischen Ausgaben in Übersee und im Innenland finden.“

(iz). Der Beitrag muslimischer Europäer zur Menschenliebe und Nächstenliebe, zu Hause oder im Ausland, ist beispielhaft. In Europa ist insbesondere Großbritannien ein Land der Geber und wird als eines der am meist entwickeltsten Wohlfahrtsstaaten in der Welt anerkannt. Das Ethos der ehrenamtlichen Arbeit unter den Briten, sei es mit Geld- oder Zeitaufwand, ist beneidenswert.

Die Muslime im Land sind Großbritanniens „Top-Wohltäter“ mit einer durchschnittlichen Spendensumme von fast 371 Pfund (471 Euro) jährlich. Sie spenden mehr für wohltätige Zwecke als alle anderen religiösen Gruppen. Die britische Tageszeitung „The Times“ berichtete, dass Atheisten im vergangen Jahr hingegen nur ca. 116 Pfund (147 Euro) spendeten. Die Umfrage des Forschungsinstitut IMC ergab, dass jüdische Spender durchschnittlich 270 Pfund (342 Euro), Katholiken knapp über 178 Pfund (226 Euro) und protestantische 202 Pfund (256 Euro) pro Person gaben. Farooq Murad, ehemaliger Generalsekretär des Muslim Council of Britain, sagte: „Die Fürsorge – nicht nur für die Gemeinschaft, sondern auch für die gesamte Menschheit und die Unterstützung nationaler Angelegenheiten – unterstreicht den wahren Geist und die Realität des Islam in Großbritannien.“

Der britische Premierminister David Cameron sagte in seiner Videobotschaft zum Beginn des Ramadan in diesem Jahr: „Hier in Großbritannien, sind die Muslime unsere größten Geber – sie geben mehr für wohltätige Zwecke als jede andere Glaubensgemeinschaft.“

Die dringende Notwendigkeit der Spende für gute Zwecke ist nun zunehmend überall zu spüren, wo die Zahl der Flüchtlinge in der Welt auf einem Allzeithoch ist; gemäß den Zahlen im „Global Trends“-Jahresbericht des UNHCR, „kommt die Zahl der gewaltsam vertriebenen Menschen weltweit auf erstaunliche 45,2 Mio.; etwa 28,8 Mio. Menschen wurden zwangsweise entwurzelt und in ihrem eigenen Land als Binnenflüchtlinge vertrieben“.

Die globale Ungleichheit und Armut ist im Laufe der Jahrzehnte stark gestiegen, teilweise durch eine lange wirtschaftliche Abschwächung. „Die Armut hat doppelt so viele britische Haushalte wie vor 30 Jahren getroffen. Während die britische Wirtschaft sich seit den frühen 1980er Jahren in der Größe verdoppelt hat“, stieg die Zahl derer, die unter-Mindestlebensstandards leiden, um das Zweifache an. Lebensmittelbanken sind in erschreckende Ausmaße gestiegen.

Laut EU-Kommission sind in den EU-Mitgliedsländern mehr als 120 Millionen Menschen (24 Prozent) von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, darunter 27 Prozent der Kinder, 20,5 Prozent der über 65-Jährigen und 9 Prozent der Erwerbstätigen. Beinahe 9 Prozent der Europäerinnen und Europäer leiden unter materieller Armut – das heißt, sie können sich keine Waschmaschine, kein Auto und kein Telefon leisten und haben auch kein Geld für Heizung oder unvorhergesehene Ausgaben. 17 Prozent der Europäerinnen und Europäer leben von weniger als 60 Prozent des in ihrem Land üblichen durchschnittlichen Haushaltseinkommens und erschreckende 10 Prozent leben in Haushalten, in denen niemand eine Arbeit hat.

Aus dem 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (2013) geht hervor, dass die Armut in Deutschland in den letzten Jahren weiter angestiegen ist. Die Reichen werden immer reicher, die Ärmeren und der Staat hingegen immer ärmer. In Deutschland sind rund 13 Millionen Menschen von Armut bedroht, trotz sinkender Arbeitslosenquote und Wirtschaftswachstum. Hingegen gehört den vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens.

Es ist nicht nur die Armut, die Auswirkungen auf die Menschen in vielen europäischen Metropolen hat. Soziale Übel wie Drogen, häusliche Gewalt und antisoziales Verhalten fügen vielen Innenstadtbereichen starke Wunden zu und belasten die öffentlichen Kassen in extremer Weise. Der Wohltätigkeitssektor ist hier verstärkt gefragt und muss Ressourcen und Know-how einbringen, um dieses Leiden zu verringern; die lokalen Wohltätigkeitsorganisationen müssen eine gute Balance zwischen Ausgaben in Übersee und im Innenland finden. Im vergangenen Fastenmonat Ramadan waren die europäischen Muslime, wie Glaubensgenossen in der ganzen Welt, nicht nur gefragt, sehr lange (über 19 Stunden) zu fasten und freiwillig physischen Hunger und Durst nachzuempfinden, sondern auch ihre wohltätigen Taten und Spenden zu maximieren. Muslime betrachten diesen Monat als Segen und Gnade von Gott; mit Hingabe, Selbstprüfung und Spiritualität erhöhten sie ihre jährlichen pflichtmäßigen Almosen (Zakat) sowie ihre freiwilligen Almosen (Sadaqa).

Der Prophet des Islam gab eine sehr breite Definition von Nächstenliebe. Sie beinhaltet, was auch immer Gutes ein Individuum mit seiner/ihrer Energie, Zeit und Reichtum tun kann.

„In der Tat gibt es viele Tore zur Güte: Gott zu verherrlichen, ihn zu loben und zu sagen: ‘Es gibt keinen Gott außer Allah’, das Gute zu gebieten und vom Unrecht fern zu bleiben, das Entfernen von jeglichem Schaden von der Straße, die Führung der Blinden, den Bedürfnissen der Bedürftigen nachzukommen, dem Hilfsbedürftigen mit tiefer Sorge Beistand zu leisten, und die Lasten der Schwachen und Armen zu tragen. Dies sind alles Taten der Nächstenliebe.“ Und er fügte hinzu: „Und dein Lächeln in das Gesicht deines Bruders ist Nächstenliebe, dein Entfernen von Steinen, Dornen und Knochen von den Pfaden der Menschen ist Nächstenliebe, und die Führung eines irre geführten Menschen in dieser Welt ist Nächstenliebe für dich.“

In Anbetracht des bevorstehenden Opferfest (Id al-Adha), des zweiten islamischen Festes neben dem Fest des Fastenbrechens (Id al-Fitr) am Ende des Monats Ramadan verüben wieder Millionen von europäischen Muslimen Nächstenliebe und spenden Dutzende von Millionen Euro an europäische muslimische Hilfsorganisationen und Wohltätigkeitsvereine wie Hasene (IGMG Hilfs-und Sozialverein), Islamic Relief oder muslimehelfen und beauftragen diese Organisationen die Schächtung und Verteilung der Opfertiergaben in ihrem Namen an die Bedürftigen weltweit durchzuführen. Es ist für alle gläubigen Muslime eine religiöse Pflicht, zur Feier des Festes ein Tier zu opfern, wenn sie es sich finanziell leisten können.

In Sure Al Kauthar (108:2) heißt es: „So verrichte das rituelle Gebet für deinen Herrn und schächte!“ Das Fleisch des Tieres muss dann unter den Armen und Hungrigen verteilt werden. Millionen von Armen und Notleidenden auf der ganzen Welt werden somit wieder zumindest zum Opferfest eine Mahlzeit, die Fleisch beinhaltet, zu sich nehmen können. Der Vorsitzende von Hasene, Mesud Gülbahar, sagte zu Beginn der Opfertierkampagne: „Mithilfe der Opfertierkampagne werden wir weltweit in 83 Ländern Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Solidarität und Hilfsbereitschaft demonstrieren können und die langsam erschöpfende Hoffnung der Menschheit weiterhin am Leben erhalten.“

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