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Die bunten Staaten von Amerika?

Der neue US-Kongress spiegelt die Gesellschaft stärker wider

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Foto: Ilhan Omar for Congress, Facebook

Nach den Midterms sieht der neue Kongress mehr aus wie die US-Bevölkerung insgesamt. Er ist weiblicher, farbiger, jünger und religiös gemischter – und weicht stärker vom Klischee ab, dem Donald Trumps Wähler anhängen. Von Bernd Tenhage

Washington (KNA). Ilhan Omar (37) zeigte, wie ihr nach der historischen Wahlnacht zumute war. Die somalischstämmige Muslimin tanzte mit ihren Anhängern. Sie erinnerte ihre Landsleute in der Siegerrede nach ihrer Wahl in den US-Kongress daran, was Amerika wirklich großartig mache. „Ich bin die erste farbige Frau, die unseren Staat im Kongress vertritt; die erste Frau, die einen Hijab trägt; der erste Flüchtling, der in den Kongress einzieht, und eine der ersten muslimischen Frauen, die in den Kongress gewählt wurde.“ Unter dem Jubel ihrer Anhänger fügte sie hinzu: „Hier in Minnesota begrüßen wir nicht nur Einwanderer – wir schicken sie nach Washington.“ Omar wuchs in einem kenianischen Flüchtlingslager auf. Mit zwölf kam sie in die USA.

Sie hoffe, dass ihre Kandidatur anderen Menschen Mut mache, selbst ein Amt anzustreben, auch wenn sie glauben, von ihrer Herkunft nicht dazu befähigt zu sein, sagte die Mutter dreier Kinder in der Nacht. Allerdings steht die Muslima auch für einen Tweet vom November 2012 in der Kritik: „Israel hat die Welt hypnotisiert; möge Allah die Menschen aufwecken und ihnen helfen, Israels böse Taten zu sehen.“ Im Kongress dürfte sie Gelegenheit erhalten, ihre Position zu erklären.

Auch Rashida Tlaib (42) aus Michigan schrieb Geschichte. Die zweifache Mutter eroberte als erste Frau palästinensischer Abstammung einen Sitz im Repräsentantenhaus. Unter Tränen berichtete sie bei der Siegesfeier von ihrem Heimatdorf im Westjordanland, in dem ihre ganze Verwandtschaft die Wahlnacht am Fernseher verbracht habe. Beide Frauen werden dem linken Flügel der Demokraten zugerechnet. Sie fordern eine bezahlbare Gesundheitsversorgung für alle und unterstützen einen Mindestlohn von 15 Dollar. Der Einzug der beiden Musliminnen in den Kongress wird von vielen Analysten als Triumph der Zivilgesellschaft verstanden – hatte doch Präsident Donald Trump im Wahlkampf regelmäßig islam- und flüchtlingsfeindliche Töne angeschlagen. Das Echo blieb nicht aus: eine höhere Wahlbeteiligung, mehr Frauen und Junge an der Urne und so viele Kandidaten von Minderheiten wie noch nie.

Als Quittung für eine Politik gegen Minderheiten wird auch der Sieg zweier indianischer Politikerinnen gewertet. Sharice Davids (39) vom Stamm der Ho-Chunk sicherte sich in Kansas einen Sitz im Repräsentantenhaus, ebenso wie in New Mexico Deb Haaland (57), die dem Laguna-Pueblo-Stamm angehört.

Der Sieg der beiden Indigenen gilt als Hoffnungsschimmer für die Ureinwohner der USA, deren Anliegen in Washington nun lautstarke Fürsprecherinnen haben. „Heute Nacht haben wir Geschichte geschrieben“, twitterte Haaland, die als erklärte Homosexuelle gleichzeitig auch die LGBT-Fraktion im Kongress stärkt. Für ein weiteres Novum sorgte die erst 29-jährige Alexandria Ocasio-Cortez in New York. Sie geht als jüngste weibliche Kongressabgeordnete in die Annalen ein. Zusammen mit Ayanna Pressley aus Massachusetts ist sie auch die erste schwarze Abgeordnete für ihren jeweiligen Wahlbezirk. Schon vor den Midterms rückte Ocasio-Cortez in den Fokus, als sie bei den Vorwahlen in New York den hoch favorisierten Amtsinhaber Joe Crowley schlug. Politische Erfahrung sammelte die New Yorkerin als Organisatorin in Senator Bernie Sanders Wahlkampfteam 2015/16. Noch vor zwei Jahren verdiente die „demokratische Sozialistin“ ihr Geld als Kellnerin.

Der Reigen der Premieren auf dem Kapitolhügel lässt sich fortsetzen. Mit Veronica Escobar und Sylvia Garcia halten die ersten lateinamerikanischen Frauen Einzug ins Haus. Beide Demokratinnen holten ihre Mandate im konservativen Texas.

Mit mehr als 100 gewählten Frauen im Kongress gehen die Midterms 2018 als „Jahr der Frauen“ in die Geschichte ein. Nie zuvor war der Kongress so vielfältig und bunt wie diesmal. Mit Erfolg schalteten sich Muslime, Einwanderer, Latinos oder LGBT-Angehörige vor allem aufseiten der Demokraten aktiv in die Politik ein. Auch das eine Antwort auf die ersten beiden Jahre der Trump-Präsidentschaft. Er hatte im Wahlkampf gezielt an die Ressentiments weißer Männer appelliert.

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