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Die Eröffnende – ein Tor zum Qur’an

Bücher: Imam At-Tabaris Kommentar zur Sura Al-Fatiha jetzt in deutscher Übersetzung erschienen

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Foto: Shutterstock

(iz). Sie ist Muslimen fast schon so geläufig, dass sie ihr nicht immer die nötige Aufmerksamkeit schenken: So oft wird die Sura Al-Fatiha in ihrem Alltag rezitiert – ob leise oder laut. Mindestens siebzehn Mal am Tag, soweit die fünf täglichen Gebete betroffen sind, sprechen Muslime sie leise oder hörbar aus. Neben den rituellen Gebeten ist sie oft und gerne gewählter Bestandteil der verschiedenen Bittgebete (arab. Du’a) und spirituellen Litaneien (arab. Aurad). Wegen ihrer alltäglichen Bedeutung wurde sie zu allen Zeiten auch von verschiedenen Gelehrten interpretiert und ausgelegt. Einer davon war der bekannte Kommentator des Qur’an Imam At-Tabari.

Imam Abu Dscha’far Muhammad Tabari zählte zu den bedeutendsten Kommentatoren des Qur’an. Sein Kommentar (arab. Tafsir) ist auch heute noch Ausgangspunkt für ein profundes Studium des Faches. Der Gelehrte persischen Ursprungs wurde 839 n.Chr. in der persischen Region Tabaristan geboren und starb 923 im irakischen Bagdad, der damaligen Hauptstadt des ‘abbasidischen Kalifats und einem führenden Zentrum islamischen Wissens.

Wie viele andere begann seine Suche nach Wissen mit der Offenbarung selbst, die er bereits mit sieben Jahren auswendig lernte. Ab dem zwölften Lebensjahr reiste er neben seiner Besuch bei lokalen Lehrern zu Zentren wie Ägypten, Syrien, Kufa und Basra. At-Tabari widmete sich auch dem Recht, welches er intensiv in der Schule der beiden Imame Malik und Asch-Schafi‘i studierte.

Er studierte bei zahlreichen Lehrern seiner Zeit, unter anderem ‘Abdallah ibn Humaid Ar-Razi, den er in seinem Geschichtswerk mehrfach zitiert. In Bagdad wollte er bei Ahmad ibn Hanbal studieren, der aber kurz nach seiner Ankunft in der Stadt – damals Hochburg der islamischen Gelehrsamkeit – starb. Nach seinen Studienreisen und der Pilgerfahrt nach Mekka und Medina kehrte er gegen 870 nach Bagdad zurück und widmete sich ganz seiner schriftstellerischen Tätigkeit.

Solange er seine Existenz sichern konnte, vermied er es, ein allzu wohlhabendes Leben zu führen und lehnte es ab, als gut bezahlter Beamter tätig zu werden. Aus diesem Grund fand Imam At-Tabari genug Zeit, zahlreiche Werke zu verfassen und sich mit Geschichts-, Rechts-, Hadith- und Qur’anwissenschaften sowie mit Poesie, arabischen Dialekten, Lexikografie, Grammatik, Ethik und sogar Medizin zu befassen.

Seine Stellung als Kommentator des Qur’an (arab. Mufassir) ist weitestgehend unangefochten. Sein Kommentar „Dschami’ Al-Bajan“ (auch bekannt unter dem Namen „Tafsir At-Tabari“) ist allgemein anerkannt. Der ägyptische Universalgelehrte Dschalaluddin As-Sujuti, selbst Autor eines wichtigen Kommentars, bezeichnete At-Tabari als das „Haupt der Qur’anexegeten überhaupt“. Imam An-Nawawi, der anerkannte syrische Lehrer, sagte über den Perser At-Tabari: „Es gibt einen Konsens in dieser Gemeinschaft, dass es keinen zweiten wie At-Tabari gibt.“

Auf dem ansonsten leider immer noch dünn gesäten deutschsprachigen Markt jenseits der islamischen Fachliteratur fehlt bisher eine Gesamtübersetzung seines Qur’antafsirs. Anfang dieses Jahres hat der Übersetzer Alper Soytürk einen Anfang gemacht und At-Tabaris Kommentar der Sura Al-Fatiha  im Eigenverlag veröffentlicht.

Die wörtliche Bedeutung des arabischen Wortes „Fatiha“, Name der ersten qur’anischen Sure, ist „diejenige, die eröffnet“. Dieser Name wurde ihr gegeben, weil sie das Buch von Allah eröffnet. Sie hat noch weitere zwanzig Namen. Darunter fallen unter anderem die folgenden: Eröffnung des Buches, die Essenz des Qur’an, die Heilung (Asch-Schafia) usw. Sie wurde in Mekka offenbart und umfasst sieben Verse, wobei die Basmala (die arabische Formel „im/mit dem Namen Allahs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen“) nach Ansicht von Imam Malik kein Vers der Fatiha ist.

Passend zum Stellenwert des Qur’ankapitels, das Muslime als erstes auswendig lernen, findet sich in der Einleitung eine Überlieferung des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, die von Abu Sa’Id ibn Al-Mu’alla weitergegeben wurde: „Der Gesandte Allahs sagte zu mir: ‘Soll ich dir nicht, bevor du die Moschee verlässt, die großartigste Sura aus dem Qur’an nennen?‘ So nahm er meine Hand, bis wir kurz davor waren, die Moschee zu verlassen, als ich sagte: ‘Oh, Gesandter Allahs, du sagtest, dass du mich die großartigste Sura im Qur’an lehren wirst…’ Er sagte: ‘Al-Hamdulillahi Rabbi‘l-‘Alamin… (der Beginn der Fatiha). Es sind die sieben zu wiederholenden Verse und der großartige Qur’an, der mir gegeben wurde.‘“

Von manchen, insgesamt zu verschmerzenden redaktionellen und typographischen Unebenheiten abgesehen, ist „Tafsir at-Tabari. Erläuterung der Sura al-Fatiha“ (bei Amazon als Taschenbuch und in der Kindle-Version verfügbar) ein wertvoller Begleiter. In dem relativ übersichtlichen Band wird interessierten Lesern ungeachtet ihres Hintergrunds eine klassische Quelle für Wissen von der Qur’aninterpretation zugänglich gemacht. Die entscheidenden Elemente der Fatiha werden in sprachlicher Hinsicht, mit Hilfe anderer Verse des Qur’an sowie anerkannten Überlieferungen des Propheten und von Wissenden wie Ibn Al-‘Abbas vorgestellt, erklärt und verständlich gemacht. Der vorliegende Text ist nicht nur eine Interpretation des qur’anischen Eröffnungskapitels, sondern auch ein Fenster in die Bedeutungen des Qur’an.

Auf der letzten Seite dieser „Erläuterung der Sura al-Fatiha“ findet sich ein Hadith Qudsi über die Bedeutung der Fatiha: „Wenn mein Diener sagt: ‘Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten’, sagt Allah, ‘mein Diener hat mich gelobt.’ Wenn der Diener, ‘dem Allerbarmer, dem Barmherzigen’ sagt, sagt Allah, ‘mein Diener hat mich gepriesen.’ Wenn der Diener, ‘dem Herrscher am Tage des Gerichts’ sagt, sagt Allah, ‘mein Diener hat mich gerühmt.’ Wenn der Diener, ‘Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe’ sagt, sagt Allah, ‘dies ist zwischen mir und meinem Diener, und mein Diener soll bekommen, wofür er bittet.’“

At-Tabari (übers. Alper Soytürk), Tafsir At-Tabari. Erläuterungen der Sura al-Fatiha, Selbstverlag, 120 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-1976746772, Preis: EUR 7,99 (als Kindle verfügbar)

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