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Die Gattin des Pharao – Vorbild für die Gläubigen

Eine Frauengestalt in der Tradition: Ahmet Inam stellt Asija vor

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Foto: Rashid el-Din

(iz). Asija wird im Qur’an (Al-Qasas, 9 und At-Tahrim, 11) nicht namentlich, sondern als „die Frau des Pharaos“ (imra‘ata fir‘awna) erwähnt. In dem Vers 11 der Sure At-Tahrim wird sie zugleich als ein Beispiel beziehungsweise Vorbild für die Gläubigen (odera des Glaubens) genannt: „Und ein Beispiel/Vorbild für die Gläubigen hat Allah in der Frau des Pharao aufgestellt. (Damals) als sie (ihres Glaubens wegen verfolgt) sagte: ‘Herr! Baue mir bei dir im Paradies ein Haus und errette mich von Pharao und seinem (bösen) Tun und von dem (ganzen) Volk der Frevler!’“

Der Name Asija taucht in einigen Überlieferungen als Asija bint Muzahim auf (Ibn Kathir; Ibn Athir). In einer Überlieferung wird sie zusammen mit Mariam als eine jener beiden Frauen erwähnt, welche die höchste Stufe erreicht haben; was nur wenigen Menschen vorbehalten ist. Es gibt zudem weitere Überlieferungen, in denen diese beiden vorbildhaften Frauen zusammen mit Khadidscha, der ersten Frau des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, und Fatima, der Tochter des Propheten, auf dieser Stufe erwähnt werden. In einigen Varianten wird auch Aischa dazu gezählt.

Der Name Asija kommt aus dem Verbstamm a-s-w oder a-s-j und bedeutet „pflegen, behandeln, Frieden stiften“. Dieser Name könnte aber auch eine Anspielung auf ihr Handeln und somit vom Propheten als ein Beiname gedacht sein.. Denn A-si-ja hat die Bedeutungen „betrübt, bekümmert, traurig sein“. Dies könnte eine Anspielung auf den seelischen Zustand von Asija im zitierten Vers sein, in dem sie unglücklich ist und Gott um ihre Errettung vor Pharao und seinem frevelhaften Volk bittet. Oder es ist eine Anspielung auf die Errettung Moses durch sie. Asija bedeutet nämlich auch „eine Wohltätigkeit üben, trösten, unterstützen“.

Über Asija sind im Qur’an wiederum wenige Informationen vorhanden. Sie bekommt im Hinblick auf zwei Themen eine kurze aber zugleich besondere Rolle: Erstens als die Frau des Pharaos, die Moses aus dem Wasser rettete und ihn aufnahm und zweitens als ein Beispiel für die Gläubigen. Während die Frau von Nuh (Noah) und die Frau von Lut (Lot) in der Sure At-Tahrim Vers 10 als Beispiele für diejenigen, die Wahrheit bedecken, beschrieben werden, gelten Mariam und Asija in den darauffolgenden Versen 11 bis 12 als Beispiele für die Gläubigen.

Beide Frauen weisen als Vorbilder für alle Gläubigen auf unterschiedliche Biographien hin. Während Mariam sich gegen ihre eigene Religionsgemeinschaft behaupten musste, Anfeindungen und Beschuldigungen ausgesetzt war, war Asija Teil eines Volkes, das gegen eine Religionsgemeinschaft feindlich agierte und dessen Führer allzu deutlich seinen Hass und Argwohn gegen diese Gemeinschaft zeigte, in der Verfolgung und Ermordung der Israeliten, die zugleich Sklaven waren. Als die Ehefrau eines Tyrannen hat sie mutig ihre Stimme gegen das Unrecht ihres Mannes, gegen einen Tyrannen, erhoben und musste dafür mit ihrem Leben bezahlen.

Nach den Überlieferungen und den qur’anexegetischen Werken soll Asija das oben erwähnte Gebet nämlich nicht während der Verfolgung ausgesprochen haben, wie Paret es in seiner Übersetzung andeutet, sondern während einer Folterung. Demnach soll der Pharao sie gepeinigt und dazu gezwungen haben, von ihrem Glauben abzulassen. Was ihre Annahme des Islam betrifft, so gibt es zwei Interpretationen: Sie soll entweder nach der Ermordung einer Palastdienerin, die als Gläubige entlarvt wurde, geschehen sein oder nach der Niederlage der Zauberer, als Moses die Wunder, die er von Gott bekam, zeigte, woraufhin nicht nur die Zauberer den Glauben fanden, sondern auch Asija.

Die Folterung Asijas geschah wiederum aus dem Grund, weil sie entweder ihren Glauben offen zeigte oder sich für die gläubig gewordenen Zauberer eingesetzt hatte, somit der Folter und Tyrannei ihres Mannes entgegentrat (vgl. Qurtubi). Sie blieb standhaft im Glauben und hielt weiterhin an den Gott von Moses und Aaron fest. Kurz bevor die Leute Pharaos sie mit einem gewaltigen Stein zerquetschten, soll Gott ihr das Paradies gezeigt und sie aus dieser Qual befreit haben (vgl. Tabari). Für den Exegeten Ar-Razi wird am Beispiel von Asija auf die höchste Stufe, die ein Mensch erreichen kann, nämlich jene der Gottergebenheit, hingewiesen – im Gegensatz zu den Herrschern auf Erden, die weltlich gesehen zum hohen Stand gehören, aber bei Gott auf der untersten Stufe stehen.

Dieser Vers soll des Weiteren gegen das Leid und die Qualen, welche die Muslime in Mekka zur Zeit der Prophetie Muhammads erleiden mussten, als eine Art Motivation herabgesandt worden sein. Die Frau Asija, die unter der Grausamkeit des Pharaos leben musste und zugleich auch gefoltert wurde, galt und gilt somit als ein Beispiel für die Frömmigkeit, Geduld und Standhaftigkeit.

In dem zweiten Vers, in der Asija erwähnt wird, heißt es: „Pharaos Frau sagte (als sie den Mosesknaben sah, zu ihrem Mann): ‘Ich und du werden an ihm Freude erleben. Bringt ihn nicht um! Vielleicht wird er uns (noch) von Nutzen sein, oder wir nehmen ihn als Kind an.’ Sie (ließen ihn am Leben und) merkten dabei nicht (daß sie sich einen gefährlichen Feind großzogen).“ (Al-Qasas, 9)

Aus Angst, dass Moses wie alle israelischen Jungen von der Horde des Pharaos getötet werden könnte, wurde Moses von seiner Mutter ins Meer ausgesetzt. Asija fand Moses und nahm ihn als ihr eigenes Kind auf. Es wird in den qur’anexegetischen Werken berichtet, dass der Pharao und seine Frau Asija keine Kinder hatten und er deshalb, aufgrund der Fürsorge und Liebe Asijas für diesen Jungen, Gnade hat walten lassen. Es gibt allerdings mehrere unterschiedliche Überlieferungen und Interpretationen hierzu: So soll Moses schon in der Lade als ein Israelit erkannt worden sein und der Pharao rief seine Leute zu sich, woraufhin Asija sich für Moses stark machte und sagte: „Bringt ihn nicht um! Vielleicht wird er uns von Nutzen sein, oder wir nehmen ihn als Kind an.“

Der Qur’anexeget Al-Qurtubi  erwähnt in seiner Exegese eine Überlieferung von As-Suddi wonach Asija das Kind Moses solange erzogen habe, bis dieser Laufen konnte (siehe Al-Qasas, 14). Als der Pharao etwas Heldenmut (oder Tapferkeit) in Moses sah, soll er ihn als einen Israeliten erkannt und seine Hand genommen haben. Als dann Moses am Bart des Pharaos zog, gab dieser den Befehl, Moses zu töten. Und hierauf soll Asija die obige Aussage gemacht haben. Weiterhin wird überliefert, dass sie selbst eine Israelitin war, zum Stamm von Moses gehörte und sogar seine Tante gewesen sein soll. Es gibt noch weitere Interpretationen zu diesem Vers, doch stimmen die meisten darüber ein, dass Asija sich für Moses einsetzte und somit sein Leben rettete. Mit ihrem Einsatz, ihrer Liebe und Fürsorge konnte Moses, der spätere Prophet, gerettet werden.

Zusammenfassend sei darauf hingewiesen, dass Asija dem Qur’an zufolge ein Beispiel für die Gläubigen ist; und das nicht nur für die Standhaftigkeit im Glauben oder als mutige Frau gegen die Tyrannei, sondern auch durch die Errettung von Moses als ein Beispiel der Fürsorge, Liebe und des Engagements gilt. Für die Muslime aus der Zeit von Muhammad, die viel Leid und Qual ertragen mussten, besaß die Erzählung Asijas sicherlich einen motivierenden Charakter. Und dies gilt nicht nur für jene Gemeinschaft, sondern für alle Muslime zu allen Zeiten.

Aus den Versen lassen sich freilich weitere Interpretationen aber auch Lehren für das eigene Leben gewinnen. Wir wollen uns mit diesem kurzen Beitrag, mit diesen Interpretationen, begnügen und schließlich darauf hinweisen, dass Gott uns im Qur’an neben den männlichen Vorbildern auch Frauen als Vorbilder für alle Gläubigen vorstellt – und das seit über 1.400 Jahren!

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