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Die Geschäftsleute gehören zu den erfolgreichen Muslimen

Ökonomie: Zu lange wurde die andere Seite des Islam vergessen

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Foto: NETU

(iz). Es gehört zum Phänomen der Moderne – insbesondere seit dem Ereignis des 11. Septembers und dem daraus folgenden Krieg gegen den Terrorismus –, die Muslime heute in erster Linie im Kontext des sogenannten politischen Islam wahrzunehmen. Islamische Geschichte stellt sich unter diesem Blickwinkel dar, als würde sie von Beginn an auf eine letzte Frage zulaufen: ihr Verhältnis zur Ideologie. Selbstredend interpretiert diese Sicht den Propheten vor allem in seiner politischen Wirkung.

Autoren wie Benedikt Kohler haben dagegen die herausragende Bedeutung der ersten islamischen Gemeinschaft für die Entwicklung des modernen Wirtschaftens unterstrichen. Der Begriff des politischen Islam hat die Vorstellung eines ökonomischen Islam allerdings bis heute beinahe vollständig verdrängt. Hier gilt es, im Sinne eines ganzheitlichen Verständnisses der islamischen Lebenspraxis, entgegenzuwirken.

Die islamische Zivilisation ist ohne das islamische Wirtschaftsrecht, seine ethischen Prinzipien, aber auch ohne die Einrichtung von Zakat, Markt oder Stiftungen nicht wirklich zu verstehen. Die qur’anische Maßgabe, „den Handel zu erlauben und Riba zu verbieten“, hat an ihrer Aktualität nichts verloren. Die Finanz- und Bankenkrise der letzten Jahre hat das Interesse an dieser, der vergessenen Seite der Offenbarung verstärkt. Das islamische Wirtschaftssystem beschränkt sich dabei nicht nur auf die „ethische“ Verurteilung von Gier oder Betrug, sondern setzt auch systemische Elemente fest, welche die Macht des Kapitals beschränken oder etabliert Gebote, welche die Freiheit der Märkte absichern.

Es passt in das Bild, dass heute muslimische Geschäftsleute und Händler, vielleicht mehr als Politiker, für die Erfolgsgeschichte der Muslime in Deutschland stehen. Sie haben Unternehmen gegründet, Tausende Arbeitsplätze geschaffen und sind aus dem Stadtbild unserer Großstädte nicht wegzudenken. Die obligatorische Pflichtabgabe, die Zakat, verpflichtet die Erfolgreichen zur Solidarität mit der Unterschicht der Gesellschaft. Für die Zukunft der muslimischen Community in Deutschland sind daher Rat und Tat der Geschäftsleute elementar.

In Zusammenschlüssen wie dem Berliner Netzwerk der Europäisch-Türkischen Unternehmer stehen diese Muslime auch zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. In den künftigen Organisa­tionsstrukturen der Muslime sollten sie eine viel wichtigere Rolle spielen als bisher. Das Vermögen, Stiftungen zu etablieren und sie im Interesse des Gemeinwesens dauerhaft aus politischen Machenschaften herauszuhalten, ist eine der bedeutenden Funktionen muslimischer Kapitalgeber in der Zivilgesellschaft.

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Kalil Breuer

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