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Die IZ-Blogger: Tarek Bärliner über Deutschlands Muslime und ihr Umgang mit der modernen Medienwelt

Eine Frage des Fragens

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(iz). „Unwissende werfen Fragen auf, welche von Wissenden vor tausend Jahren schon beantwortet sind“, sagte einst Goethe. An der Stelle könnte ich den Artikel auch beenden, oder kann sich nicht jeder seinen Teil denken? Aber ich schreibe nun mal so gerne.

Längst sind die Muslime in der modernen Medienwelt angekommen, jeder auf seine eigene Weise. Überall sind ihre welterklärenden Blogs. Was Amerikaner oder Briten vormachten, wird kopiert und hier und da entfalten sich auch Vordenker. Alles geht ums Fragen. Hinterfragen ist das neue Motto. Auf Fragen anderer gibt’s wiederum Fragen als Antwort, aber keine Antwort zu geben, ist verboten.

Der Mensch möchte Klarheit, er möchte verstehen und definieren können. Als Imam al-Ghazali erklärte, dass der Mensch das hinterfrage, was er nicht verstehe, meinte er das nicht positiv. Eher warnte er vor dem Leichtsinn des Menschen. Dass es nicht darum geht, daran zu arbeiten, neue Antworten zu finden, sondern die Fähigkeit zu stärken, das Gegebene zu verstehen.

Nicht nur für die Antwort bedarf es Bildung. Es gibt auch Fragen, die bestimm­tes Wissen voraussetzen. Wissen ist, wie man uns lehrte, nichts theoretisches, nichts niedergeschriebenes, ­durchdachtes oder ähnliches. Es ist etwas lebendiges, eine Eingebung des Schöpfers. Ist es nicht Hochmut, wenn man es als zwingend sieht, selbst Antworten zu geben, anstatt jene der Großen zu erlernen?

Nun stelle ich auch Fragen. Zu jenem Erlernen gehört jedoch auch, den Geist hinter den Worten zu verinnerlichen. Stattdessen schickt man fade Worte oder namenlose Geister in die Welt, getrennt voneinander, kann ja nicht schaden sich ein bisschen auszuprobieren. Nun, ich habe viel probiert und erkenne meinen pubertären Leichtsinn in aktuellen Aktivisten, Funktionären und Schreibern wieder.

Wir wollen Anerkennung, wollen Spuren hinterlassen, American Drama, Muslim Nightmare. Überall Diskriminierung, Vorurteile, Islamophobie – ist es nicht notwendig, dagegen einzutreten? Beispielfrage: abgehakt. Warum Kernthemen behandeln, wenn es auch mit Resultaten von Fragen der Ummantelung geht? Würde die Energie investiert in die nötige Bildung werden, also das Verinnerlichen der gegebenen Antworten, dann… Na ja, es wäre alles gut. Einfach gut, ohne Probleme.

Alles eine Frage des Fragens. Welche Fragen stelle ich? Wem stelle ich sie? Warum stelle ich sie? Doch die entscheidende Frage hierbei ist und bleibt: Will man mit seinen Fragen führen oder dienen? Ein selbsternannter Führer ist der Inbegriff eines Sklaven. Der aufrichtige Diener hingegen siegt in jeder Hinsicht.

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