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Die IZ-Reihe über den Alltag der Muslime in Deutschland. Von Yasin Alder

Wie im Ramadan fasten?

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(iz). Der Ramadan, der seit den frühen 1990er Jahren in die Winter- und Herbstmonate fiel (durch die Berechung nach dem islamischen Mondkalender verschiebt er sich jedes Jahr um 11 Tage nach vorne), rückt nun in diesem Jahr weiter in Richtung der Sommermonate. Die Hausfrau Khadidscha M. kann sich noch an die langen Fastentage im Sommer in den 1980er Jahren erinnern. „Die Zeit des Iftar [Fastenbrechens] war damals manchmal erst nach 22.00 Uhr, aber wir haben eigentlich ganz so gegessen und getrunken, wie sonst im Ramadan auch. Mit dem Segen und der Barmherzigkeit Allahs ist es auch kein Problem, das längere Fasten auszuhalten.“

Die Verse, in denen Allah im Qur’an den Ramadan erwähnt, sind wohlbekannt: „O, die ihr Iman [Vertrauen in Allah] habt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr Taqwa [Furcht und Respekt vor Allah in jedem Augenblick, die das gesamte Verhalten beeinflusst] habt. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten). Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es (nur) wüsstet! Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herab gesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.“ (Al-Baqara, 183-185)

Imam Muslim überlieferte von Abu Huraira, möge Allah mit beiden zufrieden sein, vom Gesandten Allahs, Allahs Frieden und Segen auf ihm, dass Allah sagte: „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein, und Ich werde ihn dafür entlohnen. Das Fasten ist ein Schutz. Wenn einer von euch fastet, soll er weder obszön noch zu laut sprechen, und wenn ihn jemand beleidigt oder herausfordert, dann soll er sagen: ‘Ich faste.’ Bei Dem, in Dessen Hand die Seele von Muhammad ist, der Atem desjenigen, der fastet, ist bei Allah genehmer als der Duft von Moschus. Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herrn gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.“

Ramadan bedeutet daher nicht nur zeitweiligen Verzicht auf Nahrungsaufnahme, es bedeutet auch, dass Augen, Ohren und Zunge sich enthalten. Man ist bewusster auch in seinem Verhalten, achtet genauer darauf, was man tut oder sagt. Ramadan ist ein sich Abwenden von unwichtigen Dingen und die Konzentration auf das Wesentliche.

Die Feinheiten und Tiefen der spirituellen Aspekte des Ramadan wären allerdings ein eigenes Thema für sich, ebenso wie eine detaillierte Darstellung der Fiqh-Regeln zum Fasten. Der vorliegende Text möchte stattdessen einige individuelle Erfahrungen mit dem Fasten im Ramadan, namentlich von jungen Muslimen und neuen Muslimen, aufgreifen.

Der erste Ramadan

Auch in diesem Jahr werden viele jüngere Muslime oder neue Muslime zum ersten Mal im Ramadan fasten. Allerdings halten viele jüngere Muslime, die noch nicht zum Fasten verpflichtet sind, es so, dass sie sich doch zumindest teilweise sich am Fasten beteiligen, gewissermaßen auf Probe also. Die 14-jährige Sara beispielsweise hat früher im Ramadan nur teilweise gefastet und fastet mittlerweile konsequent den gesamten Monat. „Wenn wir zum Beispiel Sport hatten, habe ich nicht gefastet. Jetzt faste ich aber den ganzen Ramadan durch, inscha Allah. Manche Lehrer sagen auch, ‚ihr müsst doch etwas trinken, wegen eurer Konzentration’, aber das geht auch so.“ Viele ihrer Lehrer könnten kein Verständnis für das Einhalten des Ramadans durch muslimische Schüler aufbringen, berichtet Sara. „Die sagen dann zum Beispiel, ‚ihr seid doch noch so jung’, oder warum wir das denn unbedingt so konsequent durchziehen müssten, wir sollten doch zumindest ab und zu auch mal was trinken. Wir haben ihnen dann halt gesagt, dass es auch ohne geht – es ist ja auch nicht das ganze Jahr über.“ – „Ramadan bedeutet für mich leckeres Essen“, sagt Sara lachend, „aber natürlich auch gute Absichten zu fassen und gute Taten zu machen und noch mehr darauf achten, Allahs Wohlgefallen zu erlangen als sonst“.

Yahya Schröder (18) aus Potsdam ist erst im letzten Jahr Muslim geworden und hat im letzten Ramadan zum ersten Mal gefastet. „Früher hatte ich gedacht, das wird schwierig, wie soll man das schaffen, ohne Essen und ohne Trinken. Dann kam der erste Tag des Ramadan, und es war gar nicht so schwer, auch wenn es etwas anstrengend war. Der zweite Tag war dann schon ganz einfach. Und da habe ich dann gemerkt, dass das daran liegt, dass man es für Allah macht und nicht für seinen Körper oder um gut auszusehen. Wenn man etwas für Allah macht, dann fällt es leicht. Und dann wurde für mich der Ramadan zum schönsten Monat im Jahr.“ Wichtig dabei sei für ihn auch gewesen, jeden Abend im Kreise der örtlichen muslimischen Gemeinschaft zu verbringen. „Wir haben zusammen gegessen, auch ein bisschen Spaß gehabt, und dann gab es das Tarawih-Gebet und auch Einladungen.“ Auch in der Schule sei ihm das Fasten leicht gefallen. „Alle um mich herum hatten in den Pausen ihre Stullenbrote ausgepackt, und ich konnte darauf verzichten, das war auch ein neues Gefühl. Ich war gerade erst Muslim geworden und habe sehr viel über den Islam erzählt, und einige haben sich gefragt, warum tut der sich das an mit dem Fasten, einige haben auch ein paar Witze gemacht, aber nicht so schlimm. In diesem Jahr ist es anders, sie stellen sinnvolle Fragen, und ich kann ihnen noch mehr erklären.“ Auch Yahya spürt die Besonderheit des Ramadans. „Man nimmt alles viel mehr wahr, zum Beispiel Gefühlsregungen von sich selbst und anderen, man ist selbst ein bisschen sensibler. Und gerade wenn man in der Gemeinschaft ist mit anderen, die auch gefastet haben, gibt es einem Kraft.“ Sandra Orth-Dohdoh, deutsche Muslimin aus Köln, hat bereits vor ihrer Annahme des Islam im Ramadan gefastet, zusammen mit ihrem muslimischen Mann, um „zu gucken, was das heißt“. „Ich habe dann festgestellt, dass es zum einen überhaupt nicht so schwer ist, wie es sich anhört, und dass man zum anderen auch viele geistige Dinge erlebt. Man wird klarer und fühlt sich insgesamt sehr viel besser.“

Wie man den Ramadan begehen kann

Der Ramadan ist natürlich ein Monat, in dem durch das gemeinsame Fasten, gemeinsames Fastenbrechen und gemeinschaftliche Anbetung, insbesondere in den Tarawih-Gebeten, der gemeinschaftliche Aspekt eine große Rolle spielt. Die Tradition der gegenseitigen Einladungen zum Iftar geht auf einen Ausspruch des Gesandten Allahs zurück, in dem er sagt: „Wer immer einem Fastenden etwas gibt, mit dem er sein Fasten brechen kann, erhält die gleiche Belohnung, ohne dass dies die Belohnung des Fastenden in irgend einer Weise verringern würde.“ (At-Tirmidhi)

Und Anas berichtete, dass der Prophet einmal bei Sa’d ibn ‘Ubada war, der ihm etwas Brot und Öl brachte, wovon er aß. Dann sagte der Prophet: „Diejenigen, die gefastet haben, haben das Fasten mit Dir gebrochen, und die Gottesfürchtigen haben dein Essen gegessen, und die Engel beteten um Segen für Dich.“ (Abu Dawud)

Bei aller Geselligkeit sollte immer die bewusste Ausrichtung auf Allah in diesem Monat im Vordergrund stehen und nicht in den Hintergrund geraten, auch an den gemeinsamen Abenden nicht. Sabine Orth-Dohdoh hat zum Aspekt der Gemeinschaftlichkeit im Ramadan eine bemerkenswerte Erfahrung gemacht: „Es ging immer sehr viel darum, was man isst und was man vorbereitet, und es wurde dann auch immer sehr viel gegessen. Ich fand, dass der Ramadan dann nicht mehr so richtig Thema war. Wir haben dann in den letzten Jahren bewusst den Ramadan mehr in der Familie verbracht und nicht mehr so viele Einladungen angenommen, uns statt dessen mehr auf die Gebete und anschließendes Qur’an-Lesen konzentriert. Dadurch war vieles auch intensiver“.

Auch in Ägypten, wo sie mit ihrem Mann eine Zeit lang gelebt hat, sei es ähnlich gewesen, zumindest unter den Frauen. „Die Geselligkeit dort hat mich eher ein bisschen abgelenkt, denn man hat nicht so viel über Allah gesprochen, sondern die Geselligkeit selbst stand im Vordergrund. Die Zeit, im Qur’an zu lesen, habe ich eher dann gefunden, wenn ich mich mehr zurückgezogen habe“, berichtet Sandra Orth-Dohdoh. Dennoch habe man sich vorgenommen, künftig wieder mehr mit anderen Muslimen gemeinsam den Ramadan zu begehen, die eine ähnliche Herangehensweise haben.

Was die Ernährung betrifft, so sei es ihr wichtig, keine zu großen Mengen zu essen. Statt dessen achteten sie und ihr Mann eher darauf, um so gesünder zu essen, etwa mit einem Müsli morgens zum Sahur, Milch oder Tee, und sich auch bewusster zu ernähren. „Am Abend achten wir darauf, nicht so fettig und nicht so reichhaltig zu essen, auch nicht so viele Süßigkeiten und keine Sachen, die einen am nächsten Tag durstig machen, wie Salziges zum Beispiel. Morgens essen wir schon Sachen, die den Tag über halten, wie Müsli oder Vollkornprodukte, warme Getränke und generell viel zu Trinken. Auch Eier, Obst oder Joghurt.“ Gerade morgens esse man bewusster, abends hingegen durchaus auch nach Geschmack. Natürlich kann es auch hier individuell andere Herangehensweisen geben – wer tagsüber schwer körperlich arbeiten muss, kann auch kräftiger und ausgiebiger essen.

„Auf jeden Fall ist man auch dankbarer“, so Sandra Orth-Dohdoh. In der Tat merken viele Muslime, dass man Versorgung in Form von Essen, die man von Allah erhält, im Ramadan mehr zu schätzen lernt und das Essen als solches bewusster und intensiver ist. „Der Rhythmus des Ramadan mit den festen Essenszeiten hat eine sehr schöne Struktur und spart Kraft und Zeit für gute Dinge. Am liebsten würde man diesen Rhythmus das ganze Jahr lang so durchhalten“, sagt sie.

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