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Die IZ-Reihe über den Alltag der Muslime in Deutschland. Von Yasin Alder, Bonn

Wie Arabisch lernen?

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(iz). Arabisch ist im Islam unzweifelhaft die wichtigste Sprache und hat eine ganz besondere Stellung , allein schon weil es die Sprache ist, in der der Qur’an als letzte Botschaft des Allmächtigen Schöpfers an die Menschheit herabgesandt wurde. Alle Muslime beten täglich arabische Verse aus dem Qur’an, und ein absoluter Großteil der islamischen Literatur ist nach wie vor in arabischer Sprache. Um einen besseren Zugang zu diesen Quellen zu finden, an erster Stelle natürlich, um den Qur’an unmittelbar zu verstehen, sind viele Muslime bestrebt, die arabische Sprache zu erlernen.

Aber auch viele Nichtmuslime interessieren sich für diese Hauptsprache des Islams, die nach wie vor auch eine der wichtigsten klassischen und gegenwärtigen Zivilisations- und Weltsprachen ist, was sich daran zeigt, dass beispielsweise die Arabisch-Vorlesungen und Kurse an deutschen Universitäten in den letzten Jahren einen enorm gestiegenen Zulauf zu verzeichnen hatten. Daneben gibt es auch Menschen, die zum Beispiel aus beruflichen oder geschäftlichen Gründen Interesse am Arabischen haben.

„Als Muslim hat man, beziehungsweise sollte man ein großes Interesse am Erlernen der arabischen Sprache haben, auch wenn man es extrem schwierig findet, und für viele ist es schwierig, manchmal schon die Aussprache”, meint Dr. Asadullah Yate, studierter Islamwissenschaftler. „Aber da wir den großen ­Segen und die Belohnung dafür kennen, die es beispielsweise bedeutet, den Qur’an zu lernen, gibt es eine große Motivation, zumindest ein wenig Arabisch zu lernen. Diese Begeisterung bringt einen beim Lernen voran.” Es mache einen großen Unterschied, wenn man die Bedeutung islamischer Begriffe oder die Verse, die man im Gebet rezitiert, auch verstehe. Und es sei nicht das gleiche, wenn man die Bedeutung in einer Übersetzung nachlesen könne, oder unmittelbar verstehe, etwa bei der Rezitation im Gebet, so Dr. Yate.

Aber auch für Nichtmuslime sei ein zumindest teilweises Verständnis des Arabischen ein großer Vorteil, unter anderem weil die arabischsprachige Welt heute politisch und ökonomisch von großer Wichtigkeit sei. Auch dies könne eine Motivation sein, „und Motivation, Begeisterung, ist unerlässlich”, meint der Lehrer und Imam.

Praktische Hinweise
Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, hierzulande Arabisch zu lernen, von universitären Kursen über Volkshochschulen bis hin zu privatem Unterricht oder entsprechenden Angeboten in Moscheen und muslimischen ­Vereinen.

Mohammad Gharaibeh aus Bonn ist ebenfalls Islamwissenschaftler und ein guter Kenner der arabischen Sprache; er hat diese auch schon selbst gelehrt. „Mittlerweile ist das Angebot an Möglichkeiten zum Erlernen des Arabischen doch recht groß”, meint er. „Es gibt VHS-Kurse, verschiedene Angebote, die man im Internet finden kann – wobei ich über deren Qualität nichts sagen kann – und natürlich Kurse an Universitäten.”

An letzteren könne man auch mit einem Gasthörerschein teilnehmen, wenn man nicht an der Uni eingeschrieben ist. ­Mittlerweile gebe es hier auch Kurse in verschiedenen Sprachen, darunter Arabisch, auch außerhalb der entsprechenden Studiengänge, zur Entwicklung der allgemeinen Sprachkompetenz, so der Islamwissenschaftler.

Eine Sprache zu lernen ist für viele natürlich auch eine Zeitfrage, gerade wenn man beispielsweise berufstätig ist. Dann fallen Kursangebote, die tagsüber liegen, im Grunde von vornherein weg. Aber auch der erforderliche Zeitaufwand ist natürlich zu berücksichtigen. Selbstredend ist viel Motivation, Fleiß und Geduld erforderlich. „Es kommt dabei auch sehr stark auf den Unterricht selbst an, wie schnell im Unterricht vorangegangen wird und was sich der Sprachlehrer zu vermitteln vornimmt und in welchem Zeitraum”, meint Gharaibeh dazu. „Ein Kurs beinhaltet in der Regel mindestens zwei Stunden die Woche, wenn nicht mehr, bis zu sechs Stunden. Dazu sollte man noch einmal täglich mindestens eine Stunde zum Lernen einplanen, das wäre angemessen.”

Oft wird angenommen, dass sich Struktur und Grammatik des Arabischen stärker vom Deutschen unterscheiden als etwa andere europäische Sprachen. Bedeutet dies, dass Arabisch generell schwerer zu erlernen ist? Der Bonner sieht das nicht so: „Zumindest die Grammatik ist dem deutschen Lernenden doch sehr leicht zugänglich – sie ist ziemlich logisch aufgebaut und man kann sie gut nachvollziehen. Die Ausnahmen, die es von den Regeln gibt, sind auch nicht so zahlreich und auch sehr regelhaft. Es gibt zwar verschiedene Zeitformen, doch verändern sich die Verben abhängig von der Zeitform nicht so stark, sodass man gar nicht so viel auswendig lernen muss wie man vielleicht denkt. Es gibt bei den Zeitformen im Grunde nur die Gegenwart und die Vergangenheitsform, die Restlichen sind Kombinationen. Im Deutschen oder Französischen hat man dagegen mehr Zeitformen mit jeweils eigenen Verbformen, was wesentlich komplexer und schwieriger ist.” Das ­einzige, das aus Sicht von Gharaibeh deutschen Lernenden schwer fallen könnte – wenn auch nicht muss – sei die Aussprache, das Erlernen der Schrift und das Schreiben.

In der Universität sei der Arabisch-Unterricht seiner Erfahrung nach doch sehr akademisch, es werde fast ausschließlich die Grammatik beigebracht, während man sich den Wortschatz weitgehend und mühevoll selbst aneignen müsse. „Viele sind nach dem Grundstudium noch nicht einmal in der Lage, eine Zeitung zu lesen, geschweige denn klassische islamische Literatur. Begrüßen würde ich, wie dies heute auch im modernen Sprachunterricht von Französisch oder Englisch gemacht wird, den Unterricht in einem kommunikativen Rahmen zu gestalten, das heißt die Schüler aus der Kommunikation oder dem Textverständnis heraus auf grammatikalische Phänomene und dergleichen aufmerksam zu machen, statt diese vorher explizit zu benennen und dann Beispiele dafür zu bringen. Das führt zu einem besseren Behalten der grammatikalischen Regeln und ist nicht so trocken und vom Sprachgebrauch getrennt”, meint Gharaibeh.

Vor allem in arabischen Ländern noch heute verbreitete klassische Methoden, wie zum Beispiel Lehrbücher in Reimform, hält er hingegen für hiesige Lernende weniger geeignet: „Für Nicht-Arabischsprachige bietet sich das nicht an, da in diesen Werken vor allem die grammatischen Phäno­mene nähergebracht werden, und das auf einem sehr hohen Niveau, mit Feinhei­ten, mit denen selbst der arabische Muttersprachler kaum je Kontakt haben wird. Das ist nur für Fortgeschrittene interessant, die sich vertiefen möchten.”

Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Motivationen, Arabisch zu lernen? Das heißt, ob jemand vor allem den Qur’an und islamische Literatur verstehen möchte, oder eher modernes Arabisch zur Kommunikation, wobei für ­ersteres mittlerweile eigene Lehrbücher auf dem Markt sind und auch in so mancher Moschee Kurse angeboten werden, in denen die Sprache vor allem anhand des Qur’an und anderer religiöser Texte vermittelt werden soll. Das gesprochene Arabisch unterscheidet sich doch recht stark von der Schriftsprache, wie auch Gharaibeh bestätigt – von den vielen Dialekten mal ganz abgesehen. Die moderne Schriftsprache folge zumindest den Regeln der klassischen Schriftsprache, auch wenn das Vokabular teilweise ein anderes sei.

Die Grammatik bilde aber immer noch eine gemeinsame Grundlage. „Für den fortgeschrittenen Lernenden ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich auch mal klassische Texte vorzunehmen, da es leichter ist, vom Klassischen auf das Moderne zu schließen als anders herum.” Auch wer sich ausschließlich dem modernen Arabisch widmen wolle, werde schnell merken, dass er an gewissen klassischen Werken oder Formulierungen nicht vorbeikomme.

Welche Lehrbücher?
Ein gerade neu erschienenes Buch, dass versucht, arabische Sprachkenntnisse anhand des Qur’an zu vermitteln, ist „Al-Mulk. Einführung in das Koranarabisch anhand der Sure 67 ‘Die Herrschaft’” von Robert Breitinger (Verlag für islamische Bildung und Erziehung VIBE, ISBN 978-3-939808-03-9, erhältlich im IZ-Onlineshop). Es richtet sich insbesondere an Leser, die den Qur’an auf Arabisch verstehen möchten und will auch eine Einführung in die arabische Grammatik bieten.

Ziel ist, dass der Leser am Ende die im Buch behandelte Sure „Al-Mulk” auf Arabisch verstehen kann, aber auch Einblicke in die Struktur des qur’anischen Arabisch gewinnt. Zweifelsohne ein ­interessanter Ansatz, wenn auch die ­didaktische Umsetzung an dieser Stelle leider nicht beurteilt werden kann – das bleibt den Fachleuten oder den Lesern beziehungsweise Nutzern des Buches überlassen.

„Den Ansatz, anhand des Qur’an oder islamischer Texte Arabisch zu lehren, finde ich grundsätzlich gut, und wer sich mit der Terminologie und Grammatik des Qur’an vertraut gemacht hat, die ja auf einem sehr hohen Niveau ist, der wird dann auch nicht allzu viele Schwiergkeiten damit haben, zum ­Beispiel Hadithe zu lesen oder andere klassische Literatur. Vom Vokabular her braucht man dafür jedoch noch einiges mehr”, sagt Gharaibeh.

An Lehrbüchern seien die akademischen, auch wenn sie sehr steif seien, aus seiner Sicht noch immer am besten – jene von Fischer/Jastrow und Krahl/­Reuschel/Schulz wären hier zu nennen. Mohammad Gharaibeh empfiehlt, sich jene Bücher einmal vorzunehmen, sich einen Lehrer zu suchen, der einen auch an das Vokabular heranführt, und – natürlich – am besten einen Aufenthalt in einem arabischen Land oder einer dortigen Sprachschule. Hier gibt es natürlich auch verschiedenste Möglichkeiten, auch Schulen, die auf muslimische Lernende ausgerichtet sind.

Dr. Asadullah Yate empfiehlt als Hilfe für Muslime, die Arabisch lernen wollen, auch die tägliche Lektüre des Qur’an, weil dies das Verständnis sehr befördern könne. Ein reines Selbststudium sieht er eher skeptisch – ohne Lehrer gehe es nicht. Wer keinen Lehrer haben könne, solle sich zumindest an arabischen Muttersprachlern, die man in seinem Umfeld kennt, orientieren und von ihnen zu lernen versuchen.

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