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Wie mache ich eigentlich die Hadsch?

Die IZ-Reihe über den Alltag der Muslime

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Die Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka, ist eine der Fünf Säulen des Islam, und jeder Muslim und jede Muslimin sollte sie, soweit man dazu materiell und gesundheitlich in der Lage ist, einmal im Leben absolviert haben. Sie findet in diesen Tagen statt und endet ca. Mitte November mit dem ‘Id Al-Adha (auch ‘Id Al-Kabir). Die Zeit für die Hadsch ist genau festgelegt und mit dem Opferfest zeitlich verknüpft. Im Unterschied zu dieser „großen Pilgerfahrt“ kann man eine ‘Umra jederzeit durchführen. Bei ihr wird allerdings nur ein Teil der bei der Hadsch zu verrichtenden gottesdienstlichen Handlungen durchgeführt. Auf die Handlungen und Bestandteile der Hadsch kann an dieser Stelle nur in einem kurzen Überblick aus rechtlicher Sicht behandelt werden. Details sind in den einschlägigen Rechtswerken zu finden. Nahezu alle Hadsch-Reisegruppen werden von einem kundigen Führer, oft auch einen Imam, geleitet, der für eine korrekte Durchführung der Hadsch sorgt und für Fragen der Pilger zur Verfügung steht; manche Moscheen bieten auch Vorbereitungskurse an. Auf jeden Fall ist es ratsam, sich schon vorab mit den Regeln und dem Ablauf vertraut zu machen.

Grundbestandteile
Die wichtigsten Bestandteile sind: Das Fassen der Absicht, das Eintreten in den Ihram-Zustand (bei Männern verbunden mit dem Anlegen des Pilgergewandes), der Tawaf Al-Ifada (das siebenmalige Umschreiten der Ka’ba am Ende der Hadsch-Riten), das Laufen zwischen den Hügeln Safa und Marwa (Sa’i), das Stehen auf der Ebene von ‘Arafa zur Zeit der Hadsch, und – wobei die Meinungen dazu verschieden sind – das Steinigen der Säulen von ‘Aqaba. Nach dem Anlegen des Ihram gelten besondere Verhaltensregeln, um den Zustand des Ihram nicht zu brechen. Dazu gehört zum Beispiel, dass Männer keine genähte Kleidung tragen und den Kopf nicht bedecken dürfen, man als Schuhwerk höchstens leichte Sandalen tragen darf, weder Haare noch Fingernägel geschnitten oder gekürzt werden dürfen, kein Parfüm benutzt, keine Tiere getötet oder Pflanzen abgebrochen oder ausgerissen werden, und kein Geschlechtsverkehr durchgeführt werden darf.

Es gibt drei Arten der Verrichtung der Hadsch: Hadsch Al-Ifrad, wobei nur die Hadsch-Riten vollzogen werden; Hadsch Al-Qiran, die die Hadsch Al-Ifrad mit einer ‘Umra verbindet, wobei man dazwischen den Ihram anbehält; und Hadsch Tamattu’, wobei man zuerst eine ‘Umra und dann die Hadsch verrichtet, dazwischen aber den Ihram ablegt. Die malikitische Rechtsschule bevorzugt die Hadsch Al-Ifrad, die hanafitische die Hadsch Al-Qiran. Bei der Hadsch Al-Ifrad entfällt das bei den beiden anderen Arten erforderliche Schlachtopfer. Die Sunna-Handlungen der Hadsch, die nach dem Vorbild des Propheten während dieser durchgeführt werden sollen, sind zu umfangreich, um hier vollständig dargestellt zu werden. Chronologisch läuft die Hadsch in etwa wie folgt ab: Beim Erreichen der Miqat, der geographischen Punkte, ab denen man in den Ihram-Zustand eintreten muss, fasst man die Absicht und betet zwei Gebetseinheiten. Männer legen das Pilgergewand an. Man beginnt mit dem Rufen der Talbija auf Arabisch („Dir zu Diensten, O Allah, Dir zu Diensten. Dir zu Diensten, der Du keinen Teilhaber hast, Dir zu Diensten. Dein ist der Lobpreis, Dein sind die Segnungen, Dein ist die Herrschaft. Du hast keinen Teilhaber.“) Nach der Ankunft in Mekka führt man die Umkreisung der Ka’ba (Tawaf) durch und verrichtet danach zwei Gebetseinheiten.

Die eigentliche Hadsch beginnt am 8. Dhul-Hidscha, an dem die Pilger sich von Mekka nach Mina begeben. Am 9. Dhul-Hidscha bricht man nach Sonnenaufgang nach ‘Arafat auf und verbringt dort den Tag mit Bittgebet und dem „Stehen vor Allah“. Nach Sonnenuntergang begibt man sich nach Muzdalifa, wo die Nacht verbracht und Steine für den nächsten Tag gesammelt werden. Am 10. Dhul-Hidscha zieht man wieder nach Mina, bewirft dort die große Dschamra, eine Säule, was auf die Geschichte des Propheten Ibrahim zurückgeht und die Zurückweisung des Schaitan symbolisiert, schlachtet – bei Hadsch Al-Qiran und Tamattu’ – ein Opfertier, kürzt oder rasiert das Kopfhaar und verrichtet den Tawaf Al-Ifada um die Ka’ba. Danach wird der Ihram abgelegt und der Ihram-Zustand verlassen, und man bleibt noch zwei bis drei weitere Tage in Mina, wobei dann auch auf alle drei Säulen Steine geworfen werden. Vor der Abreise aus Mekka wird nochmals ein Tawaf durchgeführt.

Abgesehen von den Regeln zur Durchführung hat die Hadsch natürlich auch eine Seite spiritueller und existenzieller Erfahrungen, die bei jedem einzelnen unterschiedlich sein können, je nach dem, was man von Allah bekommt. Auf verallgemeinernde Aussagen dazu soll daher hier verzichtet werden.

Vorbereitung auf die Pilgerfahrt
Eine intensive Vorbereitung auf die Hadsch ist außerordentlich wichtig. Dazu gehört, sich mit dem Ablauf der Hadsch vertraut zu machen und sich geistig, aber auch körperlich darauf einzustellen. Leider werde dies oft vernachlässigt, sagt Mevdudi Can vom Hadsch-Reiseunternehmen Merve Hac aus Köln. „Die Hadsch ist eben keine touristische Reise, sondern beinhaltet Verpflichtungen und Verantwortungen, die erfüllt werden müssen“, sagt Can. Um eine erfüllte Hadsch zu absolvieren, sei es besser, Erwartungen insbesondere bezüglich der Unterbringung, des Komforts, des Essens und dergleichen nicht zu hoch anzusetzen und auch bereit zu sein, eventuelle Abweichungen von gewohnten Standards hinzunehmen. Viel gefragt sei eine gute und kompetente Reisebegleitung, die sich intensiv um die Pilger kümmert und ihnen neben der Durchführung der Hadsch-Riten auch die Geschichte der islamischen Stätten erläutert und ihnen historisch bedeutsame Orte zeigt, wie den Berg Uhud, den Berg Hira und andere Orte, und die bedeutende Ereignisse erklärt. Während früher die Hadsch-Reisen überwiegend von Moscheen und islamischen Organisationen durchgeführt wurden, sind es heute oft Reisebüros. Der erfahrene Hadsch-Leiter Muhammad Siddiq Borgfeldt sieht dies allerdings gerade im Hinblick auf die religiöse Durchführung kritisch. Muhammad Siddiq leitet seit Jahren die Hadsch-Gruppe des Haus des Islam (HDI), die zu den beliebtesten Reisegruppen zählt, schon weil die Betreuung vollständig in deutscher Sprache gehalten ist.

Man sollte die Entscheidung, zur Hadsch zu gehen, nicht kurzfristig, sondern möglichst lange im voraus treffen und sich Zeit für die Vorbereitung nehmen, insbesondere wenn man zum ersten Mal zur Hadsch fahre, rät auch Muhammad Siddiq. Nadir Moubarrid, seit mehreren Jahren Begleiter der Hadsch-Gruppe des HDI, ergänzt: „Wir erleben immer wieder, dass viele Leute zur Hadsch fliegen und keine Ahnung davon haben, was auf sie zukommt. Noch viel wichtiger allerdings ist es, Geduld mitzubringen, um auch in anstrengenden Situationen die Ruhe bewahren zu können.“ Immer wieder erlebe er, dass Pilger die Hadsch mit einer touristischen Reise verwechselten. „Das macht es sowohl den Leuten selbst als auch uns als Organisatoren schwer. Viele legen eine Konsumhaltung an den Tag und haben offenbar nicht begriffen, was der Sinn und Zweck einer Hadsch ist“, berichtet Moubarrid. Es könne durchaus passieren, dass nicht immer alles reibungslos klappe, was aber oft auch durch organisatorische Mängel auf saudischer Seite begründet sei, meint Nadir Moubarrid. Mevdudi Can betont besonders auch die körperliche Vorbereitung, die oft unterschätzt werde: „Gerade bei älteren Pilgern kann dies gravierend sein. Bei der Hadsch muss man teilweise viel zu Fuß gehen.“ Er empfiehlt, in den Wochen und Monaten vor der Hadsch möglichst jeden Tag 30-60 Minuten zu Fuß zu gehen. Eine Meningitis-Impfung vor der Hadsch ist obligatorisch. Die üblichen kleineren Hadsch-Erkrankungen, wie der berüchtigte „Hadsch-Husten“, sind bei einer Ansammlung so vieler Menschen und den in den Wintermonaten teils recht kühlen Nächten aber kaum zu vermeiden.

Weitere Ratschläge
Die Preise für Hadsch-Reisen liegen in Deutschland mittlerweile auf einem recht hohen Niveau zwischen 1.800 und 2.300 Euro pro Person, manchmal auch darüber, was vor allem an den gestiegenen Flugkosten liege, so Can. Reisende sollten sich vorher beim Veranstalter erkundigen, ob das Essen mit im Preis enthalten sei, ob die Hotels nicht zu weit von den gesegneten Stätten entfernt sind, und ob die gebotenen Leistungen dem gezahlten Preis entsprechen. „Es ist aber nicht so, dass ein teures Hadsch-Reisepaket besonders gut und ein günstiges schlechter ist“, meint Can. Es ist zu empfehlen, sich bei anderen Pilgern über ihre Erfahrungen mit einzelnen Reiseanbietern erkundigen, oder aber die Leistungen und Preise verschiedener Anbieter in Ruhe zu vergleichen.

Zumeist werden 2-wöchige und 4-wöchige Programme angeboten, die erstaunlicherweise preislich nur geringfügig auseinander liegen. Wem es zeitlich möglich ist, dem ist natürlich auf jeden Fall ein 4-Wochen-Programm zu empfehlen, allein schon deshalb, weil darin ein längerer Aufenthalt in Medina enthalten ist. Neuerdings gibt es auch 3-wöchige Programme. Eine Teilnahme von Kindern an der Hadsch empfiehlt Mevdudi Can erst ab etwa 12 Jahren. Auch Muhammad Siddiq rät davon ab, Kleinkinder mitzunehmen, da sie die Eltern doch zu sehr ablenken würden.

Manchmal träten auch zwischenmenschliche Probleme auf, wenn Menschen im Rahmen der Reisegruppe auf engem Raum miteinander auskommen müssen, oder es komme zu Diskussionen und Meinungsunterschieden unter Reiseteilnehmern oder zwischen Reisenden und dem Hadsch-Führer, dem Mutawwif, berichtet Can. Hier sei dann Diplomatie und gegebenenfalls Schlichtung durch den Mutawwif gefragt. „Denn bei der Hadsch steht die Erfüllung des Herzens an oberster Priorität, und der Hadsch-Führer sollte versuchen, dies den Pilgern zu ermöglichen.“

Eine gute Hadsch-Organisation, das bestätigen alle drei Befragten, zeichne sich dadurch aus, dass sie die Pilger von organisatorischen Dingen unbehelligt lässt und ihnen die völlige Konzentration auf ihre Hadsch ermöglicht.

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