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Die jährliche Chance auf einen Neuanfang. Von Malik Özkan

Reflexionen über die Bedeutung des Ramadan

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(iz). Im kosmischen Geschick und seinem menschlichen Ausdruck, der Lebensweise des Islam, spielt der Ramadan eine entscheidende, wiederkehrende Rolle. In dieser unvergleichlichen Zeit, die ein Geschenk des Herrn der Welten ist, können sich die Anbetenden, die der Göttlichen Rechtleitung folgen, in einem gewissen Sinne neu erfinden. Das Befolgen des verpflichtenden Fastens, die zeitweise Enthaltsamkeit von weltlichen Einflüssen, die mit einer Verhaltensänderung einhergeht, fordert den Menschen bis ins Mark heraus. Wir werden mit inneren Ängsten und zeitgleich mit scheinbar materiellen Selbstverständlichkeiten konfrontiert. Durch das Fasten entheben wir uns dem Alltag und dem Zwang, den Neurosen unseres Selbst zu folgen. Nicht umsonst begegnen wir im Fasten unserer Angst vor dem Tod, da wir dem Selbst die scheinbar notwendige Nahrung vorenthalten. Im gewissen Sinne reifen wir zu Erwachsenen, weil wir den Zugriff der Nafs auf die Nahrung, das Ur-Erlebnis des Gestillt-Werdens, einschränken. Daher beschreiben große spirituelle Meister wie Imam Busairi (Autor der bekannten Burda) den Prozess der menschlichen Reifung als „Entwöhnung des Selbst“. Geschieht dies nicht, bleibt der Mensch im wesentlichen ein groß geratener Säugling. Die Erfahrung des Geistes, des inneren Geheimnisses (arab. Sirr) beherrscht jenseits der Norm den Körper. Nach Ansicht von Schiller ist es der Geist, der sich den Körper schafft.

Zum interessanten Aspekt des Fastens zählt auch, dass sämtliche Handlungen im Ramadan keine Metaphysik kennen. Der innere Zustand entspricht der äußeren Handlung. Hier werden beide Welten – das Sichtbare und das Unsichtbare – durch die im Grunde simple, aber doch so komplexe Handlung zusammengeführt. Nicht umsonst lässt sich das im Ramadan empfohlene Tarawih-Gebet auch mit „Vergeistigung“ übersetzen. Wie groß der Wert der Unterdrückung der materiellen Gelüste ist, zeigt sich im Versprechen Allahs, dass Er selbst die Belohnung des Fastenden ist.

Denn im Kern des Ramadans steht auch der Austausch mit Allah. Daher werden alle Dinge, die uns diesem Ziel näherbringen, durch die prophetische Lebensweise empfohlen: freiwilliges Gebet, das Lesen des Qur'an und der Dhikr. Durch den Ramadan wird erkennbar, wie im Islam das Leben vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Im Ramadan erleben wir eine Zeit des Wandels: Der Tag wird zur Nacht, der Körper wird dem Befehl des menschlichen Herzens, dass die Zufriedenheit seines Herrn sucht, unterstellt. Wie schon Herakles wusste, erfahren wir im Ramadan, dass alles im Fluss ist. Deswegen kann es in einem authentischen islamischen Erleben auch keine ideologischen Verfestigungen und daher keine Phantasien der Weltbeherrschung geben.

Der Abend des Ramadans, das gemeinsame Gedenken Allahs im freiwilligen Gebet ist die Feier des Anderen, da es nur durch die gemeinschaftliche Erfahrung möglich wird. In keiner anderen Zeit des Jahres wird diese soziale Komponente des Islam so deutlich wie im Ramadan. Wichtig ist dies insbesondere für muslimische Jugendliche, für die insbesondere die gemeinschaftliche Erfahrung und der Austausch mit Allah wichtig ist, um eine eigenständige muslimische Identität entwickeln zu können.

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