IZ News Ticker

Die Kuppeln osmanischer Moscheen sind eine Metapher für den Himmel

Ein Schmuck und eine Erinnerung

Werbung

(TZ). In allen Zeitaltern waren die Himmel ein Rätsel und eine Quelle des Staunens für die Menschheit. Selbst heute fragen wir uns, was hinter ihnen ­liegen mag. Die Ausbreitung ihres Raumes verleiht uns einen Geschmack unserer eigenen Bedeutung. Der Himmel – über uns und jenseits unseres Zugriffs – wurde daher in vielen religiösen Traditionen der Welt mit dem Göttlichen gleichgesetzt.

Daher hat die Architektur os­ma­nischer Moscheen versucht, dies in Form von Kuppeln zu realisieren. Sie sind auch eine verkleinerte Version des Himmels über uns. Moschee­kuppeln repräsentieren diese und die Ewigkeit (genauso wie ein Kreis kein Ende hat). Ein Blick auf die Kuppel der Istanbuler Rüstem Pascha-Moschee zeigt – in ihrem Zentrum, den höchsten Punkt der Moschee – einen Vers der Sura Al-Fatir: „Allah hält die Himmel und die Erde, dass sie nicht vergehen. Und wenn sie vergehen würden, so könnte niemand nach Ihm sie halten. Gewiss, Er ist Nachsichtig und Allvergebend.“ (35, 41)

Dieser Vers zum Schmuck der ­Kuppel findet sich auch häufiger in anderen. Dazu gehören die Süleymaniye-Moschee, die in ihrer Nähe liegt, und die Yeni Camii, die große und bekannte Moschee bei der Galatabrücke.

Am Fuße der Kuppel finden sich acht Namen über dem äußeren Säulengang. Ihren Anfang nehmen sie mit dem Halbmond über der Minbar und bewegen sich im Uhrzeigersinn: „Allah, erhaben ist Seine Majestät“, „Muhammad, der Ge­sandte Allahs, Friede auf ihm“, „Abu Bakr, der Zeuge der Wahrheit, der Gottesfürchtige, möge Allah mit ihm zufrieden sein“, „‘Umar, der Unterscheidende zwischen Richtig und Falsch, der Gottesfürchtige, möge Allah mit ihm zufrieden sein“, „’Uthman, der Besitzer beider Lichter, der Reine, möge Allah mit ihm zufrieden sein“, „‘Ali, der Zufriedene, der Treue, möge Allah mit ihm zufrieden sein“, „Hasan, der Zufriedene, möge Allah mit ihm zufrieden sein“ und „Husain, der Märtyrer von Kerbala, möge Allah mit ihm zufrieden sein“.

Abu Bakr wird hier als „Zeuge der Wahrheit“ bezeichnet, weil er, als er gefragt wurde, ob er glaubte, dass der Prophet in einer Nacht von Mekka nach Jerusalem reiste, wie es der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, nach seiner Rückkehr berichtete, antwor­tete: „Wenn es der Gesandte Allahs so gesagt hat, dann glaube ich ihm.“

‘Umar ist bekannt als „der Unterschei­dende zwischen Richtig und Falsch“. Das ist ein Titel, der ihm vom Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, wegen seines gesunden Urteilsvermögen, seiner Ergebenheit zum Propheten, seiner Freimütigkeit und Gradlinigkeit verliehen wurde.

‘Uthman hieß auch „der Besitzer der beiden Lichter“, weil er zwei Töchter des Propheten heiratete – Ruqaija und Umm Kulthum. Der Prophet bot ‘Uthman die Hand von Umm Kulthum an, nachdem er sehen musste, wie tieftraurig ‘Uthman nach dem Tod von Ruqaija war, die an einer Krankheit verstarb.

‘Ali, der Neffe und spätere Schwiegersohn des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden gaben, war auch als „der Zufriedene“ bekannt, weil er den Göttlichen Ratschluss voll annahm, in allen Prüfungen und Schwierigkeiten standhielt, die er in seinem Leben zu bestehen hatte. Sein Ehrenname „der Treue“ war das Ergebnis der ­anhaltenden und starken Loyalität, die er gegenüber dem Gesandten Allahs während seiner Lebenszeit an den Tag legte. Am bemerkenswertesten war seine sofortige Annahme des Islam, nachdem der Prophet den Befehl erhielt, seine Familie dazu einzuladen. Das gleiche gilt für ‘Alis freiwilliges Angebot, den Propheten wäh­rend der ersten Nacht seiner Auswande­rung von Mekka nach Medina zu ersetzen; eine Nacht, in der sich die Götzenanbeter von Mekka verschworen hatten, den Propheten zu ermorden.

Hasan, der Sohn ‘Alis und Enkel des Propheten, entschied sich für ein Leben der Bescheidenheit und Sparsamkeit und wurde so als „der Zufriedene“ bekannt. Husain, Hasans jüngerer Bruder, wurde tragischerweise in Kerbala getötet. Beide Brüder waren bekannt für ihre moralische Tapferkeit und starke Betonung der Gerechtigkeit.

Alle Namen sind in schönster Kalligrafie, im Thuluth-Stil, auf unbezahlbaren Iznik-Kacheln geschrieben. Die Moschee gilt auch dank dieser Keramiken weltweit als eines der besten Beispiele überhaupt.

Weitere Kalligrafien finden sich ebenfalls über den beiden Fenstern der Frontseite. Zur Rechten und Linken des Mihrab gibt es zwei Verse der Sura Al-Dschinn: „Und die Gebetsstätten gehören doch Allah; so ruft neben Allah niemanden an“ (72, 18) und „Und als Allahs Diener [arab. Abdullah] aufstand, um Ihn anzurufen, hätten sie ihn (alle) beinahe erdrückt“ (72, 19). „Abdullah“ bedeutet wörtlich Diener beziehungsweise Sklave Allahs, aber es war auch ein Titel des Propheten. In diesem Vers kann es beides bedeuten.

Das „sie“ in dem Vers bezieht sich auf eine Gruppe Dschinn, die an diesen beiden Stellen der gleichen Sura erwähnt werden: „Sprich: Mir ist (als Offenbarung) eingegeben worden, das eine kleinere Schar Dschinn zuhörte. Sie sagten: ‘Wir haben einen wunderbaren Qurʾan ge­hört, der zur Besonnenheit leitet; so haben wir an ihn geglaubt, und wir werden unserem Herrn niemanden beigesellen. Und erhaben ist die Größe unseres Herrn. Er hat sich weder eine Gefährtin noch Kinder genommen. Und es pflegte der Tor unter uns etwas Abwegiges gegen Allah zu sagen. Und wir meinten, dass weder die Menschen noch die Dschinn gegen Allah jemals eine Lüge sagen würden‘“ (72, 1-5) und „‘Und unter uns gibt es Rechtschaffene, und unter uns gibt es solche, die weniger rechtschaffen sind; wir sind getrennte(n) Wege(n gefolgt). Und wir meinten, dass wir uns auf der Erde Allah niemals entziehen können und dass wir uns Ihm niemals durch Flucht entziehen können. Und als wir die Rechtleitung hörten, glaubten wir daran. Wer an seinen Herrn glaubt, der befürchtet keine (Lohn)Schmälerung und keine Drangsal‘“ (72, 11-13).

Die Verse zur Dekoration einer Mo­schee sind nicht zufällig ausgesucht. Sie wurden gewählt um die Macht Allahs und Seine Rolle in unserem Leben zu beleuchten, denn Er ist, wie wir im Qur’an erinnert werden, der Bewahrer der Himmel und der Erde. Die starke Betonung der Einheitslehre des Islam ist ein weiterer Punkt, der in den Versen zum Ausdruck kommt, die für den Schmuck von Moscheen ausgewählt wurden. Ähnliches gilt für das Thema das Gebetes. In der Rüsten Pascha-Moschee finden sich Beispiele für beides.

The following two tabs change content below.

Miralem Jakirlic

Neueste Artikel von Miralem Jakirlic (alle ansehen)

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen