IZ News Ticker

Die letzten zehn Tage

Laila Massoudi über das Siegel des Ramadans

Werbung

Foto: Ammar Asfour | The Eye in Islam

(iz). Inmitten des Wirbels an Erwartungen und Vorbereitungen hat der Ramadan begonnen. Und wir stürzen uns – je nach individueller Möglichkeit – in unsere Anbetung: Fasten, Qur’anrezitation, das freiwillige Nachtgebet (Tarawwih) sowie andere empfehlenswerte Taten.

Aber zu schnell erscheint der Vollmond am Himmel, der Monat ist schon halb vorüber und unsere Gedanken wenden uns seinen letzten zehn Tagen zu. ’A’ischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, die Ehefrau des Propheten, möge Allah ihn segnen und Frieden geben, berichtete von ihm, dass dieser sich in seiner Anbetung zu dieser Zeit mehr anstrengte als in jedem anderen Moment des Jahres. Dazu gehörten das Verbringen der Nächte im Gebet und I’tikaf. Dabei handelt es sich um den Rückzug in eine Moschee, um sich auf das Gebet, den Qur’an und die Erinnerung Allahs (Dhikrullah) zu konzentrieren. Der Gesandte Allahs rief die Muslime auf, es ihm gleich zu tun. Sie sollten nach der Lailatu‘l-Qadr suchen. Jener Nacht, die besser ist als tausend Monate. Aus der prophetischen Lebensweise wird deutlich, dass das letzte Ramadandrittel einen einzigen Fokus haben sollte: die Anbetung Allahs.

Heute jedoch, in dieser hektischen und allseitig stressigen Zeit, finden es viele Menschen schwierig, ein solch hohes Niveau den ganzen Monat lang durchzuhalten. Wenn die letzten zehn Tage eintreffen, kommt es vor, dass viele von uns nachlassen; unsere Entschlossenheit wird schwächer statt stärker. Das kann daran liegen, dass wegen der langen Tage das Fasten seinen körperlichen Preis fordert. Es kann auch sein, dass wir uns zu hohe Ziele gesteckt haben, und nun aus Enttäuschung über unsere vermeintlichen Schwächen nachlassen. Aus welchen Gründen auch immer, wir leiden nicht selten unter einem Mangel an Schwung.

So Allah will, muss dies aber nicht eintreten. Wir können auch den bewussten Versuch unternehmen, uns und unsere Anbetung in den letzten zehn Tagen und Nächten zu beschleunigen und zu intensivieren. Anbei einige mögliche Empfehlungen, die dabei helfen können, mehr aus diesen gesegneten Tagen zu machen.

Dabei ist es jedoch wichtig, zu verstehen, dass dies nur Vorschläge sind. Menschen leben in unterschiedlichen Situation und jeder hat seine oder ihre eigenen Möglichkeiten. Überhaupt müssen wir aufpassen, nicht dem modernen Trend der Selbstoptimierung anheimzufallen. Das Wichtigste im Ramadan ist das Fasten. Alles andere ist ein Extra. So gibt es beispielsweise die Meinung, dass zwei Gebetseinheiten nach dem Nachtgebet bereits als Tarawwih-Gebet betrachtet werden können. Wir dürfen niemals vergessen, dass Allah es uns leicht machen will.

Absicht (arab. nijja) – wie bei allen Handlungen im Islam ist auch die Absicht wichtig. Wir sollten uns an die Bedeutung der letzten zehn Ramadantage erinnern und den aufrichtigen Wunsch formulieren, uns verstärkt der Anbetung zu widmen. Indem wir uns dieses spezielle Ziel setzen, bereiten wir uns auf diese Bemühung vor und bekommen eine Belohnung für die gute, aufrichtige Absicht.

Die Dinge einfach machen – diese Phase ist nicht der Moment, in dem wir umfangreiche Iftar-Diners oder große Versammlungen planen sollten. In diesen wertvollen Tagen sollte alles möglichst vereinfacht werden. Jeder Augenblick sollte auf das Nötigste an weltlichen Dingen reduziert werden. Wer sich frei nehmen oder früher heimgehen kann, sollte das tun. Wer anstrengende soziale Verpflichten auf den Anfang oder die Mitte des Ramadan legen kann, sollte das ebenfalls tun. ­Hilfreich beim Kochen sind Eintöpfe oder große Mengen, die sich einfrieren und wieder auftauen lassen.

Den Stecker ziehen – das letzte Drittel des Fastenmonats sollte für die Anbetung und die wirkliche Essenz des Lebens reserviert werden. Alles andere sollte pausieren, das gilt insbesondere für belanglose Unterhaltungen, Entertainment oder nutzlose Dinge. Es mag eine gute Sache sein, sich von sozialen Medien wie Facebook, Instagram, Twitter etc. fernzuhalten. Und – bei aller Nützlichkeit – es kommt eine Zeit, wenn soziale Netzwerke aufdringlich werden. Und wenn Sie häufiger Ihren Twitter-Status checken als den Qur’an in die Hand zu nehmen, wird es Zeit für eine virtuelle Entgiftungskur.

Im Team läuft es besser – versuchen Sie nicht, das Ganze alleine bewältigen zu wollen. Fordern sie Hilfe und Unterstützung ihrer Familie (inklusive der Kinder) ein, wenn es um das Streben nach dem Jenseits geht. Diskutieren Sie miteinander, wie man sich gegenseitig helfen kann, um auf der Spur zu bleiben. Und weil nicht wenige in diesem Moment ein Absinken ihrer Kräfte erleben, ist die gegenseitige Erinnerung ein wichtiges Werkzeug. Das gemeinsame Iftar mit anderen Familien hilft, Zeit in der Küche zu reduzieren. Und Familien mit kleinen Kindern könnten gegenseitig Babysitterdienste übernehmen, damit das andere Paar zum Nachtgebet gehen kann. In der Ehe ist es jetzt wichtig, dass Ehemann und -frau sich eine gegenseitige Hilfe sind, damit beide möglichst viel von diesem Moment haben können.

Eine letzte Anstrengung – wenn Sie feststellen, dass Ihre Energie sinkt, während sich der Monat seinem Ende nähert: Jetzt ist der Augenblick für eine letzte Anstrengung. Wir alle kennen die Belohnung für diese zehn Tage. Und wir wissen nicht, ob wir den nächsten Ramadan erleben werden. Das kann Motivation genug sein, um gegen die Müdigkeit anzukämpfen und den Extraschritt zu gehen. Gerade jetzt ist eine gesunde Ernährung, die Energie gibt, eine wichtige Hilfe. Und ein Nickerchen kann dazu dienen, am Tage die Kraft zu sammeln, die wir für das Nachtgebet brauchen. Wenn wir diese Dinge umsetzen, können wir bei Ankunft des neuen Monats entspannt in dem Wissen ruhen, dass wir unser Bestes getan haben.

The following two tabs change content below.

Folgt uns für News auf:
https://www.facebook.com/islamischezeitungde

und:
https://twitter.com/izmedien

Noch kein IZ-Abo? Dann aber schnell!

Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen