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Muslimische Ärzte betreiben in Sarasota eine freie Klinik

„Die Menschen sollen wissen, dass wir der Gesellschaft dienen."

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Foto: UCC | Facebook

(Facebook|IZ). Zu den größten Zukunftsaufgaben muslimischer Minderheiten in Regionen wie Westeuropa oder Nordamerika gehört die Frage, ob und welche Angebote sie machen können und wollen. Nicht nur macht dies die veränderte Stimmungslage seit dem 11. September 2001 nötig. Auch erinnern sich in diesen Gegenden immer mehr gut ausgebildete und erfolgreiche Muslime und Musliminnen an die erfolgreiche Geschichte des muslimischen Engagements für die Zivilgesellschaft über die Jahrhunderte hinweg.

Dieses Bürgerengagement leitet sich aus den islamischen Quellen ab. Sein erstes Beispiel findet sich bereits in dem Waqf/Habous des zweiten Kalifen ’Umar ibn Al-Khattab. Dieser kam zum Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und fragte, was er mit einem Grundstück in einer bestimmten Oase tun solle, die sich in seinem Besitz befand. Der Prophet, Heil und Segen auf ihm, riet ihm dazu, daraus einen Waqf/Habous zu machen, dessen Erträge den Muslimen zugutekommen und auch denjenigen unterhalten sollten, der dafür verantwortlich ist.

Aus diesem scheinbar simplen Vorbild entwickelten Muslime zu verschiedenen Zeiten und unter abweichenden Gegebenheiten Antworten auf zivilgesellschaftliche Herausforderungen und Notwendigkeiten ihres Ortes. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Universal Crescent Clinic (UCC) im US-amerikanischen Sarasota (Florida). Die gemeinnützige und freie Klinik nahm Anfang Oktober ihren Betrieb auf. Sie wendet sich an nicht versicherte Patienten, denen sie jeden Samstag zur Verfügung steht.

Bereits am Tag der Eröffnung kamen mehrere Dutzend Klienten für die medizinischen Dienstleistungen. Ihnen wurden auch Essen und andere Dinge ausgegeben. „Mir war klar, dass es einen Bedarf gibt, aber es war sogar mehr, als ich mir vorstellen konnte“, berichtete Dr. Shahnaz Ahmed einer Lokalzeitung. Dr. Ahmed ist UCC-Mitbegründerin sowie medizinische Leiterin. Die Patienten seien mit Anliegen von Bluthochdruck bis Diabetes gekommen, einige mit relativ einfachen Dingen wie Allergien. „Hat man jahrelang keinen Arzt gesehen“, sagte die Ärztin, „ist es beruhigend, zu wissen, dass alles in Ordnung ist“. Das Angebot der engagierten Mediziner richtet sich an Menschen ohne Krankenversicherung und/oder ohne Dokumente. Da die Ärzte dies unentgeltlich tun, ist die Klinik vorerst nur samstags geöffnet.

„Viele Patienten, die zu uns kommen, haben keine andere Möglichkeit, an die sie sich wenden können“, berichtet Dr. Suhail Shariff. Der Experte für Familienmedizin ist einer der 12 Freiwilligen, die anfänglich bei dem Angebot in Sarasota mitmachen.

Foto: UCC | Facebook

Foto: UCC | Facebook

Das Projekt steht in keinem Zusammenhang mit irgendeiner religiösen Gruppe. Allerdings kommen die meisten Spenden bisher von einer lokalen Moschee, der Islamic Society of Sarasota-Bradenton (ISBB). Die Klinik nimmt derzeit Spenden entgegen, hofft zukünftig aber auf Vermächtnisse und Stipendien. „Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Ärzten“, fügte Shiraz Hassan hinzu. Hassan sitzt im Vorstand der Moschee.

Unter den Spezialisten, die sich für die freie Klinik verpflichtet haben, sind ein Psychiater, ein Kardiologe und ein Augenarzt. Ihre Räumlichkeiten verfügen über zwei Untersuchungsräume. Die Doktoren sind in der Lage, die meisten rezeptpflichtigen Substanzen zu verschreiben. Derzeit hat das UCC keine Einrichtungen für Zahnmedizin und aufwändigere Augenuntersuchungen. Einige der Fachärzte haben sich aber bereit erklärt, Patienten in ihren Privatpraxen zu untersuchen. Die Universal Crescent Clinic ist auch eine Kooperation mit einer Fachschule für Zahnmedizin eingegangen, in der die Hilfesuchenden Zahnersatzleistungen zu verbilligten Konditionen erhalten. Lokale Radiologiepraxen bieten Röntgentermine und andere Dienstleistungen zu reduzierten Preisen an.

Zu den Nutznießern dieses gemeinnützigen Projektes zählt beispielsweise Kim Henley. Sie atmet erleichtert auf. „Wir haben arbeitende Menschen, die es sich nicht einmal leisten können, zum Arzt zu gehen.“ Die 48-Jährige ist unversichert und wird von einer fünfstelligen Rechnung für den Aufenthalt auf einer Intensivstation verfolgt.

Es sind vor allem die sogenannten „working poor“ (die arbeitenden Armen), die dringend auf Angebote wie das UCC angewiesen sind. Es gibt Leute, die seit zehn Jahren nicht mehr bei einer Generaluntersuchung waren oder Geschäftsleute, welche sich die monatlichen Raten der Versicherungen nicht leisten können. Und für viele Familien ist es immer noch billiger, eine Strafe für die fehlende Gesundheitsversicherung zu zahlen, als eine solche abzuschließen.

Dies seien unter anderem die Menschen, an die sich die muslimischen Mediziner wenden möchten, sagte Mitbegründer und Klinikdirektor Ruta Jouniari. „Die Leute glauben, dass wir, weil wir eine freie Klinik führen, nur die Ärmsten der Armen behandeln würden. (…) Unser Interesse gilt aber mehr den Arbeitenden und auch Unternehmern, die sich immer noch keine Versicherung leisten können. Es ist diese Gruppe, um die sich niemand kümmert.“

Dr. Shahnaz Ahmed hat aber auch eine persönliche Mission: Barrieren für die muslimische Gemeinschaft niederzureißen. „Mein Muslimsein hat auch eine Wirkung auf unsere Mission“, sagt sie. „Wir wollen, dass die Menschen wissen, dass wir hier sind und dass wir der Gemeinschaft dienen.“

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