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Die Muslime und der Markt

Essay von Mohammed Malayeri über den Kapitalismus

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Foto: David Stanley | Lizenz: CC BY 2.0

(iz). Es ist sehr interessant zu beobachten, dass viele Kritiker des Kapitalismus Teil unterschiedlicher Gruppen sind, verschiedene Ideen haben und sehr diversen Glaubenssystemen anhängen. Einige muslimische intellektuelle Denker argumentieren, der Islam sei dem Sozialismus wohl gesonnen und sehr antikapitalistisch. Doch tatsächlich ist dies nicht der Fall. Betrachtet man die Geschichte des frühen Islam, so zeichnet sich eine Gesellschaft ab, welche die Ideen des freien Marktkapitalismus unterstützte und diesem näher stand als dem Sozialismus.

Es gibt viele Theorien darüber, wo der Kapitalismus seinen Ursprung nahm. Laut dem Historiker Benedikt Koehler war er nicht erstmals in den italienischen Staaten des 14. Jahrhunderts anzutreffen, sondern entsprang tatsächlich dem alten Arabien. Dieser Standpunkt mag zwar nicht der Mehrheitsmeinung entsprechen, wird von Benedikt Koehler aber in seinem Buch „Early Islam and the Birth of Capitalism“ umfassend erläutert.

Die Stadt Mekka, mit ihrer zentralen Lage als Mittelpunkt des Islam, stellte ebenfalls ein Geschäftszentrum des freien Handels dar. Ein Hadith (Überlieferung des islamischen Propheten) gibt an, dass „neun von zehn Segnungen vom Handel stammen“, was die Wichtigkeit von Handel und Kapitalismus im Islam verdeutlicht. Der Qur’an beinhaltet eine Sure, Al-Baqara, welche die angemessene Methode beinhaltet, um Verträge zu schreiben – im Kapitalismus eine äußerst wichtige Sache. Auch in weiteren Lehren des Qur’an findet sich die kapitalistische Herangehensweise mit der Verwendung der Handelssprache wieder. Ebenso sind islamische Konzepte im Qur’an anzutreffen, die aussagen, dass das Recht auf Privatbesitz schützenswert und Ehrlichkeit im Handel wichtig ist. Ein Hadith umreißt sogar die Tugenden eines ehrenhaften Händlers. Der ökonomische Aspekt des Islam zeigt sich im Streben nach der Erlangung von Privatbesitz, wie es in der Sure An-Nisa zu finden ist, die das Erbschaftsgesetz beschreibt.

Neben den Kapiteln des Qur’an, die sich für den freien Markt aussprechen, ist klar zu sehen, dass der Islam einzigartig mit Blick auf den Propheten ist, der nicht nur ein erfolgreicher Kaufmann war, sondern während seiner Herrschaft in Medina und später in Mekka auch viele Richtlinien einführte, die das Konzept der freien Preisfindung auf dem Markt unterstützten. So dreht sich ein Hadith darum, wie Muhammad während der großen Hungersnot von Medina von der Gemeinde gebeten wurde, einzuschreiten, da Kaufmänner ihre Produkte zu einem Preis verkauften, den sie für inakzeptabel hielt. Der Prophet sah nicht nur davon ab, Preiskontrollen einzuführen, sondern sagte auch, die Preise lägen „in der Hand Gottes“, was verdeutlicht, dass Preise nicht von einer zentralen Autorität bestimmt werden können und daher nicht in seiner Macht lagen.

Die Aussage stellte das völlige Gegenteil dessen dar, wie Herrscher in diesem Teil der Welt für gewöhnlich agierten. So bestand die Tradition der arabischen Gesellschaft darin, dass die Herrscher sich beliebt machten, indem sie Kaufmänner bestraften, welche Produkte verkauften, die als zu teuer angesehen wurden. Diese radikale Veränderung wäre durch den österreichischen Ökonomen Friedrich August von Hayek unterstützt worden, der in seinem Buch „The Use of Knowledge in Society“ argumentierte, ein „zentrales Preisregister“ sei kontraproduktiv, denn Preise seien organisch und würden auf natürliche Weise durch den Marktprozess bestimmt werden. Hätte Hayek zu Zeiten des Propheten gelebt, so hätte er also nicht nur befürwortet, dass dieser nicht nach dem Begehren der Gemeinschaft handelte, sondern hätte sogar argumentiert, dass eine solche Richtlinie einen Anstieg der Produktivität bewirken würde. Hayek schrieb:

„Erstaunlich ist, dass Zehntausende von Menschen, deren Identität selbst nach monatelanger Ermittlung nicht feststellbar wäre, in einem Fall wie der Knappheit eines Rohstoffes ohne Befehl und ohne, dass mehr als eine Handvoll von ihnen den Grund kennen würde, das Material und die Produkte daraus sparsamer nutzen und sich somit in die richtige Richtung bewegen würden.“

Der berühmte Ökonom Adam Smith hielt es ebenso für wichtig, dass der Marktpreis anhand des Marktes statt durch eine zentrale Autorität bestimmt wird. Er glaubte, der Marktpreis würde durch eine unsichtbare Hand bestimmt – eine Phrase, die Muhammads Aussage, „in der Hand Gottes“, sehr ähnlich ist.

Diese Beispiele zeigen klar, dass die Ideen des Islam und seines Propheten eher mit jenen der Befürworter des freien Marktes wie Friedrich Hayek und Adam Smith und weniger mit den Ansichten von Denkern wie Karl Marx übereinstimmen. Leider wurden diese durch den Propheten praktizierten Ideen in vielen muslimischen Ländern ignoriert. Stattdessen können wir beobachten, dass sie die staatliche Intervention in den Markt unterstützen. Damit muslimische Länder wieder zu ihrem alten Ruhm zurückfinden, müssen sie freie Märkte, solides Geld, stabile Eigentumsrechte und starke Institutionen unterstützen. Neben wirtschaftlicher Freiheit, sollte auch die Wichtigkeit der persönlichen Freiheit nicht außer Acht gelassen werden, denn auch in dieser Hinsicht sind zahlreiche Reformen in den muslimischen Ländern notwendig.

Literatur:
– Koehler, Benedikt. Early Islam and the Birth of Capitalism. Lanham: Lexington, 2014. Print.
– Ahmed, Imad. “Islam and Markets.” ISLAM AND MARKETS. Minaret of Freedom Institute, n.d. Web. 22 Jan. 2017

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