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Die Muslime werden durch viele Stellen an das Jüngste Gericht, und was danach kommt, erinnert. Von Schaikh Habib Bewley

Was ist der verhängnisvolle Schlag?

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Allah sagt in Seinem Edlen Buch: „Der verhängnisvolle Schlag! Was ist der verhäng­nisvolle Schlag? Und was lässt dich wissen, was der verhängnisvolle Schlag ist? Am Tag, an dem die Menschen wie flatternde Motten sein werden und die Berge wie zerflockte, gefärbte Wolle sein werden.“ (Al-Qari’a, 1-5) (iz). Der Qur’an ist voller Beschreibungen des Letzten Tages und des Jenseits. Beide zählen zu den wichtigsten Themen der Offenbarung. Darstellungen dessen und Erinnerungen an das, was auf uns zukommt, finden sich in sehr vielen Suren und auf fast jeder Seite des Qur’ans.

Aus gutem Grund, denn es gibt keine Ablenkung, die mit dieser Welt (arab. Dunja) vergleichbar wäre. Unser Selbst wird von ihr angezogen wie Motten vom Licht. Allah sagte im Qur’an: „Für die Menschen wurde die Liebe der weltlichen Leidenschaften in grellen Farben geschmückt: Frauen und Kinder, aufgehäufte Berge von Gold und Silber, und Pferde mit feiner Markierung, und Vieh und ­fruchtbares Ackerland. Aber sie sind bloß Freuden des diesseitigen Lebens.“ (Al ‘Imran, 14)

Die Dunja lässt uns vergessen und sie erzeugt den Eindruck, als ob es nichts anderes als sie gäbe. Sie scheint von Dauer zu sein, obwohl ihre Wirklichkeit doch nur flüchtig ist. Sie schleicht sich in unsere Herzen, wo sie sich – einmal angekommen – niederlässt und nur schwer zu entfernen ist. Abu Sulaiman Ad-Darani sagte: „Wenn die Akhira [das Jenseits] in jemandes Herzen ist, kommt die Dunja und versucht, sie hinauszudrängen. Aber wenn die Dunja in jemandes Herzen ist, versucht die Akhira nicht, sie zu vertreiben.“ Und der Prophet warnte uns: „Hütet euch vor der Dunja, denn sie ist magischer als Harut und Marut.“

Aber wie bei jeder Magie handelt es sich hier nur um Einbildung und Täuschung. Sie ist nicht das, was sie zu sein scheint. Daher kommt es auch nicht von ungefähr, dass die Dunja auch als Dar Al-Ghurur (Haus der Täuschung) bezeichnet wurde. Sie verspricht so viel, aber gibt so wenig, und alles in ihr vergeht am Ende.

Abu Huraira überlieferte, dass der Prophet ihn fragte, ob er die Gesamtheit der Dunja sehen wollte. Als er bejahte, brachte ihn der Gesandte Allahs zu einem Müllsammelplatz voller Schädel, Fäkalien, Lumpen und Knochen. Er, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Abu Huraira, diese Schädel waren einst Menschen, die sich nach dem sehnten, auf das auch du hoffst. Aber heute sind sie nur blanke Knochen und morgen nichts als Staub. Und diese Fäkalien waren einmal die verschiedenen Lebensmittel, nach denen euch gelüstet und die ihr in eure Mägen stopft. Aber heute sind sie etwas, dem die Menschen aus dem Weg gehen. Und diese Lumpen waren einst die Kleider und Insignien, die ihr trugt. Heute sind sie Lumpen, die der Wind verstreut. Und diese Skelette sind die Reste eurer Reittiere, auf denen ihr bis in die weitesten Ecken der Welt geritten seid.“

Dies ist die Wirklichkeit der Dunja. An einem Tag sind wir stark, gesund und in der Blüte unseres Lebens, am ­nächsten aber alt, schwach und senil. An einem Tag sind wir am Leben, umgeben von Familie, Freunden und den Verlockungen des Wohlstands, aber am nächsten tot, in unseren Gräbern, vollkommen allein und mit leeren Händen.

Das gilt für jeden: Arm oder Reich, Sklave oder König, jeder von uns verlässt diese Welt mit nichts. Nichts, was wir haben, kann uns dann noch nutzen, es sei denn, es handelt sich um Dinge, die wir für Allah getan haben.

Es wurde überliefert, dass [der ­Prophet] Sulaiman einst mit einer prächtigen Karawane reiste; mit Vögeln, die in Formation über ihm flogen, um ihm Schatten zu spenden, und eine große Armee von Männern und Dschinn, die neben ihm marschierte. Er kam an einem der Gläubigen der Banu Isra’il vorbei, der ihm zurief: „Sohn von Dawud, bei ­Allah, Allah gab dir ein immenses Königreich.“ Sulaiman hörte ihn und antwortete: „Ein einziges ‘Gepriesen sei Allah!’ in den Seiten der Gläubigen ist besser als alles, was dem Sohn Dawuds gegeben wurde. Denn das, was dieser erhielt, schwindet dahin, aber der Lobpreis Allahs bleibt für immer.“

Allah sagt im Qur’an: „Das irdische Leben ist nichts als Spiel und Ablenkung. Die Heimstätte des Jenseits – dies ist das wahre Leben, wenn sie es nur wüssten.“ (Al-Ankabut, 29)

Unsere, in dieser Welt verbrachte Zeit ist oft wie ein Traum. Träumen wir, scheint alles, was wir tun, sehen und berühren, lebendig und wirklich. Wachen wir auf, bleiben uns nichts als Erinnerungen und ein angenehmer oder unangenehmer Nachgeschmack. Aber auch dieser verblasst schlagartig.

Auch wenn wir sterben ist es so, das wir aufwachen. Wir erkennen dann die Welt als das, was sie ist – substanzlos und vergänglich. Blicken wir auf unser Leben zurück, scheint es zu sein, als wäre es in einem Augenblick vorüber gegangen und wir wären überhaupt nicht in dieser Welt gewesen. Im Qur’an heißt es hierzu: „Am Tag, an dem sich die ­Letzte Stunde erhebt, schwören die Übeltäter, sie hätten nicht länger als eine Stunde verweilt. Das ist das Ausmaß, in dem sie getäuscht wurden.“ (Al-Rum, 55) Der Prophet sagte: „Die Dunja ist ein Traum, aber ihre Einwohner werden belohnt oder bestraft für das, was sie getan haben.“ Wir können es uns nicht leisten, durch das Leben zu gehen, ohne diese Wirklichkeit wahrzunehmen. Wir müssen Meister der Dunja sein, und dürfen nicht zulassen, dass sie unser Herr wird. Wir müssen zu Leuten werden, die in dieser Welt für die nächste leben.

Die Frage, die jene, die die Wahrheit bedecken (arab. Kuffar) immer wieder an den Propheten stellten, war: „Wann wird die Letzte Stunde kommen?“ Aber dies ist die falsche Frage. Der genaue Zeitpunkt dieses Augenblicks ist unerheblich. Wir müssen nur wissen, dass er nahe ist, und zu einem Zeitpunkt kommen wird, an dem wir ihn nicht erwarten. Es reicht zu wissen, dass sie bereits zwischen den Himmeln und der Erde hängt.

Denn Allah unterweist uns in Seinem Edlen Qur’an: „Sie fragen dich nach der Stunde, für wann sie feststeht. Sprich: Das Wissen darüber ist nur bei meinem Herrn. Nur Er wird sie zu ihrer Zeit erscheinen lassen. Schwer lastet sie in den Himmeln und auf der Erde. Sie wird nur plötzlich über euch kommen.“ (Al-An’am, 187)

Dies bedeutet, dass sie in jedem Augenblick über uns kommen kann, und dass sie uns umgibt. Dabei handelt es sich nicht um etwas, das uns in einem unbestimmten Augenblick in der Zukunft treffen wird, sondern es beeinflusst uns hier und jetzt.

In jedem Augenblick unseres Lebens werden unsere Bücher [in denen die ­Taten der Menschen verzeichnet sind] geschrieben. Der Garten ist in uns gegen­wärtig, wie das Feuer auch. So heißt es im Qur’an: „Sie wünschen von dir, die Strafe zu beschleunigen, doch wahrlich, die Hölle umfasst die Ungläubigen.“ (Al-Ankabut, 29)

Als der Gesandte Allahs einmal mit seinen Gefährten das Gebet zur Sonnenfinsternis verrichtete, griff er mit der Hand nach rechts und zog sie dann zurück. An einem anderen Zeitpunkt lehnte er seinen ganzen Körper von seiner linken Seite weg. Als die Leute ihn nach dem Grund fragten, entgegnete er ihnen, dass er im ersten Fall Trauben des Gartens sah. Er wollte sie pflücken, um den Leuten zu zeigen, was auf sie warten wird. Beim zweiten Mal sah er das Feuer und zog sich wegen der Intensität seiner Hitze zurück.

Der Din des Islam dreht sich um das Hier und Jetzt und nicht um die Zukunft. Alles, was wir wissen müssen, ist, dass ein jeder von uns sterblich ist. ­Jeder von uns eilt seinem eigenen Tod entgegen, wie Allah es auch gegenüber Seinem Propheten beschrieb: „Du wirst gewiss sterben, und auch sie werden sterben.“ (Az-Zumar, 39)

Da es jeden von uns betrifft, wird der Letzte Tag jener Tag sein, an dem wir diese Welt verlassen. Denn in diesem Moment sind wir von jeglicher Möglichkeit zu handeln abgeschnitten. Bis zu diesem Augenblick gibt es ausreichend Fragen, die sich uns stellen.

Dazu zählen beispielsweise: Bin ich bereit? Wenn dieser Augenblick kommt, habe ich alles Mögliche getan, um mich vorzubereiten? Habe ich Tauba [Abkehr von falschen Taten und Hinwendung zu Allah] für meine falschen Taten gemacht? Bin ich bereit, vor meinen Herrn zu ­treten?

Dies war der Weg der Aulija [arab. der Freunde Allahs] in Bezug auf ihr Leben. Sie betrachteten jeden Moment, als könnte dieser ihr letzter sein. Al-Qa’qa’ ibn Hakim sagte: „Ich habe mich dreißig Jahre auf den Tod vorbereitet. Wenn er jetzt kommt, dann gibt es nichts, von dem ich wünschte, ich hätte es verzögert oder etwas anderes getan.“ Dies ist die einzige Weise, sich dem Leben zu nähern: Im Augenblick zu leben und nichts auf das Morgen verschieben, was man heute tun kann.

Als Firaun (Pharao) sah, dass er ertrinken wird, rief er aus: „Ich glaube, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, an den der Stamm von Israel glaubt. Ich bin einer der Muslime.“ Aber dies war zu spät, denn wie Allah sagte: „Nicht aber ist die Annahme der Reue für diejenigen, die böse Taten begehen, bis dass, wenn sich bei einem von ihnen der Tod einstellt, er sagt: ‘Jetzt bereue ich’, und auch nicht für diejenigen, die als Ungläubige sterben. Für jene haben Wir schmerzhafte Strafe bereitet.“ (An-Nisa, 18)

Gehen wir auf die gleiche Art und Weise durchs Leben, verschleppen die Dinge und verschieben sie in der Hoffnung auf die Zukunft, wir hätten noch jede Menge Zeit, dann wird uns das gleiche Schicksal erreichen. Wir können Allah nur darum bitten, dass er uns zu Leuten macht, die im Jetzt leben und die bereit sind, ihrem Herrn zu begegnen. Wir müssen Allah darum bitten, uns ein gutes Ende zu geben und uns vor der Folter des Grabes zu bewahren. Er allein ist es, Der uns unter den Leuten der Taqwa (Gottesfurcht) an jenem Tag auferstehen lassen kann, wenn alle anderen Menschen einander Feinde sind. Wir müssen Allah darum bitten, dass Er uns in der Nähe des Propheten auferstehen lässt, dass wir von dessen Haud trinken dürfen und dass uns eine schnelle Überquerung des Sirat gegeben wird. Sind wir wirklich erfolgreich, dann gewährt Allah uns den Anblick Seines Edlen Antlitzes.

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