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Die Reise ­meines Lebens

Über einen Besuch beim Propheten Muhammad sowie die kleine Pilgerfahrt nach Mekka

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„Oh du, der geradewegs Richtung Medina reitet, überbringe meine Grüße an meinen Geliebten Muhammad.“ Diese Verse werden Imam Al-Jazuli zugeschrieben.

Diesmal würde ich meine Grüße höchstpersönlich überbringen dürfen. Irgendwie surreal. Nicht zu fassen. Unfassbar, unsagbar, unbeschreiblich. Als mein Blick zum ersten Mal das Werbebanner zur Anmeldung für die Reise streift, fasse ich ohne Umschweife meine Absicht für ihren Antritt. Mir fehlt es zwar an den finanziellen Mitteln, aber nicht an Eifer. Meine Sehnsucht ist viel zu stark, als dass ein paar Münzen und Scheine mich von der Anmeldung abhalten können. Klick. Formular ausgefüllt. Abgeschickt.

Meine Pilgerfahrt beginnt.

Grüne Aussichten
Da steh’ ich nun. Meine Fußsohlen berühren den besten Fleck der Welt. Mein Körper steht vor der edelsten Grabstätte der Welt. Mein Blick fällt auf die schönste Kuppel der Welt. Da steh’ ich nun. Unfassbar, unsagbar, unbeschreiblich. Um mich herum funkelt es. Überall Lichter. Ob das Glühwürmchen sind, frage ich mich. Die grüne Kuppel erscheint mir so nahe, dass ich denke, ich könnte sie berühren. Dann wache ich auf. Es ist Ramadan. Ich lächle. Den ganzen Tag über. Die ganze kommende Woche lang. Freudig erzähle ich meinem Bruder von dem Traum.

Für mich ist klar, ich muss nach Medina. Ich muss, ich muss, ich muss.

„Da ist sie, da ist sie!“
Im Flugzeug. Es fliegt über Medina. Mein Bruder und ich kleben förmlich am kleinen Fenster des Flugzeugs. Unsere Gesichter nah beieinander. Wir suchen sie, die grüne Kuppel. Die Atmosphäre ist wie elektrisiert. In mir drin bebt alles. Dann sehen wir etwas leuchten, eine Fläche. Ich bin froh, dass das Fenster nicht zerbricht, denn unsere Gesichter drängen zunehmend gegen die Scheibe. Da ist sie, da ist sie! Ich halte die Hand meines Bruders und er hält meine. Das ist Verbundenheit, denke ich mir. Wir sind beim Geliebten. Augenblicklich beginnt mein Bruder zu singen an: Tala’al Badru ‘alaina – Der Vollmond stieg über uns.

Die schönste Busfahrt
Im Reisebus auf dem Weg zum Hotel. Gemeinschaftlich grüßen wir singend den Geliebten. Was für eine Busfahrt. Am Kultbezirk vorbei. Über tausend Mal schaue ich zu meinem Bruder. Unfassbar, unsagbar, unbeschreiblich. Wir sind in seiner Stadt. Ihn zu besuchen ist eine Pflicht der Liebe, sagt Habib Ali Al-Jifri. Ich muss häufig schlucken. Meine Augen fühlen sich feucht an. Ich versuche, cool zu bleiben, kann es aber nicht fassen.

Die grüne Hoffnung
Da steh’ ich nun. Meine Fußsohlen berühren den besten Fleck der Welt. Mein Körper steht vor der edelsten Grabstätte der Welt. Mein Blick fällt auf die schönste Kuppel der Welt. Da steh ich nun. Unfassbar, unsagbar, unbeschreiblich. Diesmal kein Traum. Ich stehe vor ihm, vor dem Menschen, dessen Rang so enorm ist, dass nur unser Herr die Wahrheit darüber kennt. Der ehrenwerteste Mensch, der jemals auf dieser Erde lief, ruht unter dieser wunderschönen grünen Kuppel, denke ich mir.

Allein die Tatsache, dass Allah Seinen Namen mit Muhammads Namen verband, nämlich innerhalb der Schahada, und mit der Schahada die Vollständigkeit des Glaubens von dieser Erwähnung ab­hängig machte, offenbart den außerordentlichen Rang vom geliebten Propheten. Diese Feststellung ist natürlich nicht von mir, sondern von Qadi Iyad. Und ich denke viel darüber nach, während ich mich in Medina aufhalte.

Mein Bruder und ich sitzen vor der grünen Kuppel. Dank seiner roten Mütze entdecke ich ihn im Kultbezirk ziemlich schnell. Da sitzen wir nun. Vor der grünen Hoffnung, hoffnungsvoll und voller Hoffnungen. Er sagt etwas Malerisches. Im Wohnzimmer meiner Eltern hängt ein großes Bild von der grünen Kuppel. Das Bild kennen wir, seitdem wir denken können. Mein Bruder sagt, dass es so wäre, als seien wir (endlich) in dieses Bild gestiegen.

Sie überdacht die Krone der Schöpfung.
In schönem Grün ragt sie in den Himmel, ihr Strahlen strömt aus ihrem Innern.
An der vierten Säule stehst du ihm gegenüber, die Kuppel freudeströmend über unserem Führer.
Sie überdacht die Krone der Schöpfung.

Schwarz-goldener Kubus
Am Geburtshaus des Erwählten vorbei. Unfassbar, unsagbar, unbeschreiblich. Richtung Ka’ba. Wer weiß, wessen edle Fußsohlen den Boden berührten, auf dem ich laufe. Ich denke an Khadija. Und Fatima. Und Abu Bakr. Und … Mein Blick gesenkt. Ich halte die Hand meiner Seelenschwester. Ziemlich fest. Wir versichern gemeinschaftlich unsere Dienerschaft dem Herrn der Welten gegenüber und preisen vereinigt Seine Einheit. Herrlich. Schlichtweg herrlich. Nach einer kurzen Zeit, gefühlte 1000 Jahre, stehen wir nun in völliger Eintracht der verschleierten Ka’ba gegenüber. Ich hebe meinen Kopf. Öffne meine Augen. Und zerrinne regelrecht. Ich zerlaufe. Alles in mir vergeht. Nur jener Augenblick, er fühlt sich ewig an. Die Engel schreiben, denke ich. Sie schreiben, dass Ferdaus Hamouda gerade die Ka’ba betrachtet. Bei Allah, ich wünsche mir, dass meine Augen an jenem Tag, an dem jeder Bericht erstatten muss, freudig von diesem Zeitpunkt berichten.

Die große Liebe
Die besten Frauen der Leute im Paradies sind Khadija, die Tochter von Khuwaylid, Fatima, die Tochter Muhammads, Assiya, die Tochter Muzahims und Mariam, die Tochter ‘Imrans.

Laut dieser Überlieferung stehe ich vor einer Paradiesbewohnerin. Nicht „nur“ das, sie ist die beste von jenen Bewohnern. Sie erhielt den Friedensgruß unmittelbar vom Herrn der Welten. Nicht „nur“ das: Von Allah erhalten, übermittelt vom Offenbarungsengel Dschibril und schlussendlich mitgeteilt vom allerbesten Geschöpf Muhammad.

Vor dieser Frau stehe ich.

Runden des Abschieds
Wir laufen. Im Kreis. Sieben mal. Ich verabschiede mich, ahne jedoch, dass meine Seele bedingungslos hierbleiben wird. Genau wie sie in Medina blieb. Das alles, denke ich , ist ein großes Geheimnis der prophetischen Liebe. Ich bin in einem Ozean ertrunken, in dem es keine Gefahren gibt. Ich habe Reichtum empfangen, ohne dafür arbeiten zu müssen. Mir fallen noch hundert weitere Gleichnisse ein. Und doch, sie können nicht wirklich beschreiben, was ich erlebt und gefühlt habe. Meine Unzulänglichkeit ist kein Geheimnis, so frage ich mich, bei aller Unzulänglichkeit, was für Eröffnungen und Freuden die Freunde Gottes erleben?

„Ich muss an Staub denken. Sie, welche erkennen das Dorf der Himmlischen Hügel – Sie lassen Felder und Trennen, suchend Gott nahe zu sein. Sie, welche entstammen dem Dorf der Himmlischen Hügel, Sie rollen die Bücher zusammen, suchend Gott nahe zu sein. Wer nach dem Staube sich sehnt des Dorfes der Himmlischen Hügel, Geld und Gut er verlässt, suchend Gott nahe zu sein. Wer einmal den Duft empfing des Dorfes der Himmlischen Hügel, Er lässt das bunte Gewand, suchend Gott nahe zu sein. Das Dorf der Himmlischen Hügel: Wer es nur einmal gesichtet, der hat den Körper vernichtet, Suchend Gott nahe zu sein.“ (Schah Abdul Latif)

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Ferdaus Hamouda

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