IZ News Ticker

Die schlimmste Choleraepidemie der Welt

Zur Lage im Jemen: gemeinsame Erklärung von WFP, UNICEF und WHO

Werbung

Foto: WFP Büro Berlin

Aden/Sanaa (WFP). Der Exekutivdirektor des UN World Food Programme (WFP) David Beasley ist derzeit im Jemen. Auf seiner Reise wird er begleitet von dem Exekutivdirektor des UN Kinderhilfswerks (UNICEF) Anthony Lake und Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die drei UN-Vertreter machen sich vor Ort ein Bild der humanitären Krise, um die kooperativen Anstrengungen für die Hilfe im Jemen voranzubringen. Eine gemeinsame Erklärung:

Das ist die schlimmste Cholera-Epidemie der Welt inmitten der größten humanitären Krise der Welt. Seit April 2017 gibt es 400.000 Fälle mit Verdacht auf Cholera. Etwa 1.900 Menschen sind vermutlich schon wegen dieser Krankheit verstorben. Das gesamte Gesundheitssystem, die Wasserversorgung und die Sanitäranlagen sind in den mehr als zwei Jahren der Feindseligkeiten lahmgelegt und bilden den idealen Nährboden für die weitere Verbreitung von Cholera.

Jemen steht am Rande einer Hungerkatastrophe. Bereits heute wissen 60 Prozent der Bevölkerung nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommen soll. Etwa 2 Millionen Kinder sind akut unterernährt. Dadurch sind sie besonders anfällig für Cholera. Die Krankheit wiederum beschleunigt Unterernährung. Ein grausames Dilemma.

In einem Krankenhaus haben wir Kinder besucht, die mit letzter Kraft nach Luft ringen. Wir haben mit den Eltern gesprochen, die so sehr darunter leiden, dass ihre Kinder krank sind und sie die Familie nicht versorgen können.

Wichtige Infrastruktur des Landes, darunter medizinische Einrichtungen, Wasserversorgungs- und Sanitäranlagen, ist beschädigt und zum Teil zerstört. Inmitten der chaotischen Zustände sind rund 16.000 Freiwillige im Einsatz, die von Haus zu Haus ziehen, um Familien über Schutzmaßnahmen vor Durchfall und Cholera zu informieren. Ärzte, Krankenschwestern und Helfer arbeiten rund um die Uhr, um Leben zu retten. Mehr als 30.000 medizinische Angestellte haben seit über zehn Monaten kein Gehalt bekommen, doch viele erscheinen weiterhin zur Arbeit. Wir befürchten, dass ohne ihre Hilfe Menschen sterben müssen, die sonst die Chance hätten, zu überleben. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um diese hoch engagierten Menschen nicht nur finanziell zu unterstützen.

Wir haben auch die wichtige Arbeit der lokalen Gemeinden und NGOs gesehen, die von internationalen Organisationen, so auch unseren, unterstützt werden. Wir haben mehr als 1.000 Zentren für Cholera-Erkrankte aufgebaut. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird stetig erweitert. Medizinische Geräte und Krankenwagen sind auf dem Weg.

Wir arbeiten innovativ mit der Weltbank zusammen, um auf die Bedürfnisse vor Ort zu reagieren und lokale Gesundheitseinrichtungen aufrechtzuerhalten.

Es gibt Hoffnung. Über 99 Prozent der Menschen, die mutmaßlich an Cholera erkrankt sind und Zugang zu medizinischer Versorgung haben, überleben. Und die Zahl der Kinder, die von akuter Mangelernährung betroffen sind, wird in diesem Jahr rückläufig sein.

Dennoch bleibt die Situation katastrophal. Tausende Menschen erkranken jeden Tag neu. Es bedarf nachhaltige Hilfe, um die Ausbreitung der Cholera zu stoppen. Fast 80 Prozent der jemenitischen Kinder brauchen dringend humanitäre Hilfe.

Bei unseren Treffen mit Regierungsvertretern in Aden und Sanaa riefen wir dazu auf, humanitären Helfern Zugang zu den Gebieten zu geben, die von Kämpfen betroffen sind. Über allem steht eine rasche friedliche und politische Lösung des Konflikts.

Die Jemen-Krise erfordert eine beispiellose Reaktion. WFP, UNICEF und WHO haben sich mit der jemenitischen Regierung und anderen Partnern zusammengeschlossen, um die Hilfe neu zu koordinieren, um Leben zu retten und auf künftige Krisen vorbereitet zu sein.

Wir rufen die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Unterstützung für die Menschen im Jemen zu verdoppeln. Wenn uns das nicht gelingt, wird die Katastrophe, die vor unseren Augen ausbrach, weiterhin unzählige Menschenleben fordern und künftige Generationen sowie die Zukunft des Landes gefährden.

Von 28 Millionen Einwohnern im Jemen sind derzeit etwa 17 Millionen auf Ernährungshilfe angewiesen. Davon sind 3,3 Millionen akut von Hunger bedroht. Die deutsche Bundesregierung ist einer der wichtigsten Geber für WFP im Jemen. Erst vor Kurzem hat das Auswärtige Amt insgesamt 43,5 Millionen EUR für Ernährungshilfe und Logistik im Land zur Verfügung gestellt.

Zahlen und Fakten: Bevölkerung: 28,2 Millionen +++ Binnenvertriebene und Rückkehrer: 3,1 Millionen +++ Auf humanitäre Hilfe angewiesen: 18,8 Millionen +++ Auf Nahrungsmittel angewiesen: etwa 17 Millionen +++ Hunger leidend: etwa 6,8 Millionen +++ Akut unterernährte Kinder im Alter 6 Monate-5 Jahre: etwa 2,2 Millionen +++ Von WFP im Juli 2017 unterstützte Jemeniten: bis zu 6,8 Millionen.

WFP ist die größte humanitäre Organisation und bekämpft den Hunger weltweit. In Krisensituationen und bei Naturkatastrophen leistet WFP rasche Nothilfe. WFP-Entwicklungsprogramme helfen zugleich die Ursachen des Hungers langfristig zu beseitigen. WFP unterstützt jährlich etwa 80 Millionen Menschen in rund 80 Ländern.

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen