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Die Schönheit der Zitronenhaine

Sizilien war eine brilliante Insel im Schnittpunkt der Kulturen. Von Samir Alkhateeb

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Foto: Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

„Sizilien ist ein außerordentliches Beispiel für eine verpasste Chance. Hätte sich das normannische Königreich länger gehalten, dann hätte der Prozess der kulturellen Verbindung eine Kultur hervorbringen können, die so reich und nachhaltig wie die von Al-Andalus gewesen wäre.“  Jeremy Johns

Soweit die historische Präsenz des Islam auf dem europäischen ­Kontinent betroffen ist, liegt der Fokus entweder auf der muslimischen Periode Spaniens (arab. al-andalus) oder bei den Osmanen, die sich seit den frühen 1300er Jahren nach Europa ausbreiteten. Üblicherweise werden dabei andere ­Gebiete und Phasen übersehen beziehungsweise marginalisiert.

Eine davon ist die Zeit der muslimischen Herrschaft über Sizilien, einer großen Insel vor der südlichen italienischen Küste. Hier regierten muslimische Dynastien mehr als 200 Jahre lang. Eine ­beträchtliche muslimische Bevölkerung bezeichnete die Insel als ihre Heimat.

Egal, ob es sich um „Il Padrino“, „Cine­ma Paradiso“ oder „Il Postino“ handelt, das cineastische Bild Siziliens erzählt die Geschichte einer rustikalen, unsterblichen Schönheit. Die Insel ­jedoch hatte immer – und immer noch – eine vielfältigere Geschichte, als sie ­bisher erzählt wurde. Als einstiges arabische Emirat und Außenposten des maurischen Reiches ist Sizilien eines der weniger bekannten, und doch attraktiven Ziele, dass vom Wind der islamischen Kultur erneuert wurde.

Ein Land, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, Ost und West, Christentum und Islam begegnen. Seine ­strategische Lage nahe der afrikanischen und europäischen Gestade hat die Insel zu einem kulturellen Schnittpunkt ­gemacht, der wegen dem Druck verschiedener Invasionen einer stetigen Ver­änderung unterworfen war.

Die Liste der Siedler beginnt mit den Griechen, die sich erstmals im 8. vorchristlichen Jahrhundert an der Ostküste niederließen. Ihnen folgten Römer, ­Vandalen, Araber, Normannen, Staufer, Franzosen und Spanier, bis Garibaldi 1860 die herrschende Bourbonen-­Dynastie stürzte.

Entscheidende Überreste der Vergangenheit sind geblieben. Moscheen, Amphitheater und Kirchen sind über das ganze Land verteilt, aber es finden sich auch direktere Hinweise auf die vielfältige Geschichte. Immer noch wird auf dem Land weithin ein eigener Dialekt gesprochen. Das Essen ist schärfer, wobei mehr Wert auf Fisch und Gemüse gelegt wird – im Gegensatz zu Fleisch und Pasta. Selbst die Haine voller Orangen, Zitronen, Oliven und Palmen sind ein Zeichen, dass die Insel ein bisschen anders ist.

Palermo entwickelte sich unter den kalbitischen Emiren zu einem Zentrum für Kunst und Kultur. Es wurde von Ibn Hauqal, einem irakischen Geografen, mit Córdoba unter den ‘Umaijaden ver­glichen. Unglücklicherweise wurde das kalbitische Palermo während eines ­Bürgerkrieges schwer in Mitleidenschaft gezogen und später durch die normannische Eroberung zwischen 1060 und 1091 unwiderruflich verändert.

Die Muslime durften unter der normannischen Herrschaft – unüblich für die damalige Zeit – ihr Eigentum, ihre Gesetze, ihre Bräuche und ihre Religion behalten. Zwischen 1130 und 1189 ­ermöglichten die Normannen eine ­bemerkenswerte multikulturelle Herrschaft, in der die Kulturen von Arabern, Griechen und Lateinern anerkannt waren. Öffentliche Dokumente waren dreisprachig. Kunst und Architektur waren vielfältig und weit verbreitet. Trotz dieser Duldsamkeit endete das normannische Königreich, und der muslimischen Gemeinschaft wurde ein Ende bereitet.

Das mit Recht schönste Beispiel der arabisch-normannischen Kunst Siziliens, die Cappella Palatina, liegt in der Nähe des Doms. Das perfekt erhaltende Beispiel des arabisch-normannischen Kunsthandwerks mit seinen atemberaubenden byzantinischen Mosaiken wird nur durch jene in Istanbul und Ravenna über­troffen. Palermo ist wegen seiner Paläste und Kirchen aus der Zeit der normannischen Könige bekannt, die im Stile des fatimidischen Ägyptens von Künstlern muslimischer und christlicher Herkunft gebaut und dekoriert wurden.

Sizilien ist eine schöne, lebendige und freundliche Insel mit einer unschlag­baren Landschaft, Stränden und Essen. Die übliche Annäherung für jene, die vom Festland kommen, ist die Über­querung der legendären Straße von Messina – entweder von Villa San Giovanni oder Reggio di Calabria. Eine andere Option ist es, Flüge aus Italien zu nehmen oder die eher seltenen aus anderen europäischen Städten.

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