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Die Stadt der Messen: Hannover hat wesentlich mehr zu bieten, als die meisten glauben. Von Selma Öztürk, Hannover

Ein Ort zum Entdecken

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(iz). Hannover ist eine Stadt im Norden Deutschlands, die relativ mittig zwischen mehreren anderen Großstädten liegt. So ist Berlin 300 km östlich, Köln 300 km westlich, Hamburg 150 km nördlich und Frankfurt 350 km südlich von Hannover entfernt. Hannover hat nicht nur eine recht zentrale geografische Lage, sondern auch eine zentrale Bedeutung in den Herzen ihrer Bewohner, der Hannoveraner. Hannover ist nicht nur bekannt als eine Kulturstadt, sondern auch als Messestadt.

Als Landeshauptstadt Niedersachsens hat Hannover eine Einwohnerzahl von rund 520.000 Menschen, von denen die Zahl der Muslime zur Zeit auf ca. 40.000 geschätzt wird. Zwar entstammten die ganz großen, berühmten Dichter und Denker wie Goethe und Schiller nicht aus Hannover. Dafür aber der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz – in Leipzig geboren, aber trotzdem als Hannoveraner bekannt – nach dem auch die Universität Hannover benannt ist.

Für Besucher bietet Hannover eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten; angefangen von den Herrenhäuser Gärten, dem riesigen Rathausgebäude mit der „grünen Kuppel“, dem Maschsee, der Altstadt mit der berühmten Marktkirche bis hin zu den zahlreichen Museen.

Hannover gewann unter anderem auch durch die Weltausstellung EXPO 2000 an weltweiter Bedeutung, wo die Stadt für einen Zeitraum von fünf Monaten Menschen aus aller Welt ihre Türen öffnete. Während der EXPO 2000 wurde in Halle 26 auch ein Islampavillon aufgebaut, in dem während der gesamten EXPO über den Islam Aufklärungsarbeit geleistet wurde.

Tagtäglich bekamen die Besucher die Gelegenheit, sich über den Islam zu informieren. Es wurden diverse Veranstaltungen und Vorträge durchgeführt. Zu den Angeboten gehörte unter Anderem, dass jeden Freitag ein Freitagsgebet mit Khutba in deutscher Sprache gehalten wurde und es regelmäßig die Möglichkeit gab, Qur’anrezitationen zu hören.

Darüber hinaus ist Hannover international vor allem als Messestadt bekannt; insbesondere die Computermesse Cebit sollte vielen ein Begriff sein. Verbunden mit der Messe darf natürlich die Erwähnung des Flughafens nicht fehlen. Der Flughafen Hannover gehört zu den zehn größten Flughäfen Deutschlands und wurde vor einigen Jahren deutlich erweitert. In beiden Flughafenbereichen wurde vor Jahren ein separater Gebetsraum für Muslime eingerichtet. Dort haben muslimische Besucher die Möglichkeit, zu jeder Zeit ihre Gebete zu verrichten. Sie sind mit einem kleinen Minarett ausgeschildert und leicht auffindbar. Die Universität wurde bereits erwähnt. Die Leibniz-Universität bietet den Studenten verschiedene Studienfächer und Fachrichtungen. Dabei ist insbesondere das Medizinstudium in Hannover erwähnenswert. Das liegt daran, dass die renommierte Medizinische Hochschule (MHH) ihren Sitz in Hannover hat. Die Zahl der muslimischen Studenten an der Universität ist stetig im Anstieg begriffen. Es gibt auch verschiedene muslimische Studentenorganisationen, wie die MJV und die BASN. Sie erstellen jedes Semester Programme und organisieren Vorträge und Veranstaltungen jeglicher Art.

Auch gibt es besondere sportliche Aktivitäten für ­Muslime, insbesondere für Frauen. Die Stadt Hannover bietet in zwei verschiedenen Schwimmbädern als öffentliche Einrichtungen einmal die Woche Frauenschwimmen an, wovon die muslimischen Frauen in großer Anzahl Gebrauch machen. Darüber hinaus treffen sich Frauen verschiedener Moscheegemeinden zu Aerobic-Kursen.

Das muslimische Leben in Hannover stellt sich bunt und vielfältig dar. Zur Zeit gibt es insgesamt 23 Moscheegemeinden, die über das gesamte Stadtgebiet Hannovers verteilt sind. Daher ist es für einen „mobilen“ Muslim auch kein Problem, unterwegs jederzeit eine Moschee aufzusuchen, um sein Gebet zu verrichten. Die Moscheegemeinden sind unterschiedlich strukturiert und organisiert. Wie auch in anderen Städten, haben einige einen „Tante-Emma-Laden“ für Lebensmittel, andere einen speziellen Jugendraum, in dem die Jugendlichen Spiel und Spaß genießen können. Die große Leinwand, auf der man die aktuellen Fußballspiele verfolgen kann, darf dabei natürlich nicht fehlen.

Von den Moscheen ist die Ayasofya Moschee, auch bekannt als die „Moschee am Weidendamm“ die einzige in Hannover, die eine – wenn auch nur kleine – Kuppel trägt und zwei – wenn auch nur unscheinbare – Minarette besitzt. Diese beiden äußeren Symbole der Moschee wurden vor wenigen Jahren nachträglich mit Erlaubnis der Baubehörde angebaut.

Im Fastenmonat Ramadan bekommen einige der hannoverschen Moscheen ein anderes Bild: Sie werden mit Lichterketten beschmückt. Im Zentrum der Stadt wurden in der Vergangenheit zeitweise Zelte für das Fastenbrechen aufgestellt. Es wurde seitens der hannoveranerischen Muslime versucht, jedes Jahr den Fastenmonat möglichst lebendig zu gestalten.

Auf dem Friedhof im Stadtbereich Stöcken gibt es einen speziell angelegten Bereich für Muslime. So haben Muslime in Hannover die Möglichkeit, ihre vom Leben geschiedenen Angehörigen in Hannover, in ihrer eigenen Stadt, in der sie leben, zu begraben und somit ihre verstorbenen Verwandten jederzeit zu besuchen. Noch wichtiger ist das freudige Ereignis, dass die Muslime in Hannover nach Vereinbarung der Friedhofsverwaltung mittlerweile auch das Recht besitzen, die Verstorbenen auch ohne Sarg, also nur mit dem Leichentuch, zu bestatten. Dies war zuvor nicht möglich, weil darin ein Verstoß gegen das Bestattungsgesetz vorlag. Diesen Erfolg haben die Muslime in Hannover der Schura Niedersachsen zu verdanken. Die Schura Niedersachsen ist der im Jahre 2001 gegründete Landesverband der Muslime. Gründungsanlass war damals die Notwendigkeit der Existenz einer islamischen Religionsgemeinschaft, um den Islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen gemäß Artikel 7 III GG beantragen zu können. Seither setzt sich die Schura Niedersachsen für die Belange der Muslime in Niedersachsen ein. Diesbezüglich steht sie in enger Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei und genießt die Unterstützung ihres Landesvaters, Ministerpräsident Christian Wulff. So gibt es den Runden Tisch mit dem Kultusministerium, der regelmäßig tagt, um den islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen und den Lehrstuhl an der Universität Osnabrück inhaltlich zu begleiten. Die enge Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium und dem Innenministerium bezüglich der Krankenhausseelsorge und den Justizvollzugsanstalten gehört ebenso zu einem der Arbeitsschwerpunkte der Schura Niedersachsen.

Und wenn man in Hannover mal ­“ausgeht“…? Hannovers Muslime können mit aller Ruhe und ohne jegliche Bedenken in ihrer Stadt ausgehen und Essen gehen. Hannover bietet seinen muslimischen Einwohnern auch diverse Möglichkeiten, an „Halal-Food“ zu kommen und „halal“ Essen zu gehen. So gibt es sogar in einigen Moscheegemeinden (zum Beispiel in der Weidendamm-Moschee) Restaurants, die eine Vielfalt von Speisen anbieten. Auch im Zentrum der Stadt gibt es zahlreiche Restaurants, in denen man „ohne Sorge“ und mit gutem Gewissen essen gehen kann. Gerade in der Innenstadt, am Steintor, sind die Dönerläden und Restaurants unübersehbar.

Interessant und vielen Muslimen wohl gar nicht bekannt ist, dass es in Hannover eine „kleine Grabstätte“ von osmanischen Soldaten aus dem 17. Jahrhundert gibt. Diese zwei Grabsteine sind unscheinbar und versteckt, sodass man wohl häufig an ihnen vorbei gehen wird, ohne sie wahrzunehmen, es sei denn, man weiß von ihrer Existenz. Und wenn die Muslime in Hannover doch einmal an diesen Gräbern vorbeigehen sollten, wäre es doch wünschenswert, dass sie an ihnen auch eine Fatiha rezitieren.

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