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Die Stunde der Medien

Nachrichtenagenturen sollen Realismus, nicht Panik fördern. Von Dr. Ifeanyi Nsofor

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Foto: The White House

(IPS). Kürzlich sagte der New Yorker Bürgermeister Andrew Cuomo: „Wir haben eine Epidemie dank des Coronavirus, aber auch eine, die durch Furcht verursacht wurde.“

Diese Furcht wird dadurch verschlechtert, wie Nachrichtenagenturen über den Ausbruch berichten. Hier sind einige Beispiele: „Im Leichenschauhaus „häufen“ sich Leichen, während Iran einen Coronavirus-Stamm erlebt“ (CNN), „Der erste britische Virus-Tote wurde bestätigt, während die Fälle der Erkrankungen auf 115 stiegen“ (BBC) oder „Live Updates: Todeszahlen in Italien durch Coronavirus steigen auf 148“ (Al Jazeera).

Nachrichtenagenturen meldeten schnell die Anzahl der Infizierten und Todesfälle. Sie heben die Anzahl der Coronavirus-Überlebenden nicht so deutlich hervor. Dennoch gibt es viele Überlebende. Die Berichterstattung über das vollständige Bild des Ausbruchs gibt Hoffnung und stärkt das Vertrauen der Menschen, dass eine Infektion kein Todesurteil sein muss.

Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Adichie beschreibt diesen Akt, sich nur auf eine Seite eines Vorgangs zu konzentrieren, als „die Gefahr der einzelnen Geschichte“. In ihrem TED-global Talk bekräftigt Chimamanda, dass wir angesichts einer solchen verletzlich und beeindruckbar sind. Sie fuhr fort: Ein Volk immer wieder nur eine Sache darzustellen, führt dazu, dass es zu einem solchen wird.

Diese Coronavirus-Schlagzeilen der großen Nachrichtenagenturen sprachen von Tod, Finsternis und Verzweiflung. Unbewusst assoziieren Menschen Todesfälle nur noch mit dem Ausbruch des Coronavirus. Sie ergreifen extreme Maßnahmen und schließen Unternehmen und Bildungsstätten. Derzeit sind fast 300 Millionen Kinder aus Angst nicht mehr in der Schule.

Das muss sich ändern. In der Tat gibt die mediale Arbeit über das vollständige Bild des Ausbruchs Hoffnung und stärkt das Vertrauen der Menschen, dass eine Ansteckung kein Todesurteil ist. Im Gegensatz dazu erhöht die Fortsetzung der negativen Berichterstattung über COVID-19 die mit dem Ausbruch verbundene Hysterie, Angst und Panik. Es setzt die Erzählung fort, dass Menschen die Infektion nicht überleben. Glücklicherweise zeigen die Daten das Gegenteil.

Erstens müssen Nachrichtenagenturen die gesamte Geschichte schreiben und in ihren Schlagzeilen die Anzahl der Überlebenden angeben. Ihre Meldungen zum Ausbruch des Coronavirus sollten sowohl zielgerichtet als auch sachlich sein. Das Ignorieren Tausender, die die Infektion überdauern, ist ein großer Nachteil für die Überlebenden und zeichnet ein unvollständiges Bild.

Zweitens müssen Nachrichtenagenturen in ihrer Berichterstattung immer wieder vorbeugende Maßnahmen wiederholen. Die Menschen sollten wissen, dass solche das Ansteckungsrisiko verringern. Berühren Sie Augen, Nase und Mund nicht mit ungewaschenen Händen. Waschen Sie ihre Hände mit Seife unter fließendem Wasser. Husten oder niesen Sie in ein Taschentuch oder die Krümmung der Ellbogen, halten Sie einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern zu Personen ein und wenden Sie sich im Zweifelsfall an ihren Arzt.

Drittens sollten Nachrichtenagenturen bei der Art der Informationen, die sie der Öffentlichkeit mitteilen, vorsichtig sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) räumte ein, dass es derzeit eine Infodemie gibt – eine überwältigende Menge wahrer und falscher Informationen in sozialen Medien und auf Webseiten. Wenn die Öffentlichkeit nur mit Todesnachrichten überladen wird, kann dies dazu führen, dass Internettrolle solche verwenden, um Fehlinformationen zu streuen.

Um zu verhindern, dass sich die Angst schneller ausbreitet als das eigentliche Coronavirus, müssen Medienorganisationen sich unter Kontrolle halten und vollständig über den Ausbruch berichten. Das ist das ethisch angemessene Verhalten und es ist gut für das Allgemeinwohl und die öffentliche Gesundheit. (IPS)

Dr. Ifeanyi Nsofor ist Arzt, Direktor von EpiAFRIC und verantwortlich für Politik und Anwaltschaft bei Nigeria Health Watch.

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