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Die verkaufte Braut

In Asien führt der Frauenmangel zu einem Anstieg des Menschenhandels. Von Tharanga Yakupitiyage

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Foto: IPS News

Ein Fehlen von Frauen hat in asiatischen Ländern wie China, Indien und anderen Staaten zu einem Handel mit erzwungenen „Bräuten“ geführt.

(IPS). Paradoxerweise stehen einige der bevölkerungsreichsten Länder der Welt vor einer Bevölkerungskrise: Frauenmangel. Und sie sind die Betroffenen, die den Preis für dieses Problem zahlen müssen. Jedoch haben ­Jahrzehnte der Geschlechterdiskriminierung, die vom Vorzug von Jungen ­geprägt ­waren, dazu geführt, dass in Indien und China jeweils 80 Millionen mehr Männer als Frauen leben. „Wenn Frauen gleiche Rechte fehlen und das ­Patriarchat tief verwurzelt ist, sollte es keine Überraschung sein, dass Eltern sich dafür ­entscheiden, keine Mädchen auf die Welt zu bringen“, meint Heather Barr. Sie ist leitende Beraterin in der Sektion ­Frauenrechte bei der NGO Human Rights Watch.

Die mittlerweile ungleichen Verhältnisse hätten nicht dazu geführt, dass Frauen mehr geschätzt würden, merkte sie an. Stattdessen sei es zu sehr schädlichen Konsequenzen gekommen. „Frauen wurden zu einer Ware gemacht, die heute stark nachgefragt wird. Daher werden die Leute Gewalt nutzen, um sie zu ­bekommen. Die Geschichten, die wir hören, sind wirklich unglaublich. Auch dann, wenn man viele Jahre mit Fragen der Menschenrechte verbringt“, sagte Barr im Gespräch mit IPS.

Dieser „Mangel an Bräuten“ hat den illegalen Menschenhandel angeheizt. ­Dabei werden Frauen unter falschen Gründen angelockt und als Bräute verkauft. Jenseits der chinesischen Grenze liegt die burmesische Provinz Kachin. Sie hat in den letzten Jahrzehnten viele Konflikte gesehen. Human Rights Watch hat dokumentiert, dass Menschenhändler oft in solchen Konfliktzonen auf die Jagd gingen. Sie bieten Frauen Jobs in den Ländern an, in die sie die Betroffenen schmuggeln. In China beispielsweise werden sie dann für 3.000-13.000 US-Dollars an Familien verkauft, die auf der Suche nach Frauen für ihre Söhne sind.

Sobald sie verkauft werden, so die Menschenrechtler, würden Frauen und Mädchen oft eingesperrt und vergewaltigt, damit sie schnell ein Kind für die Käuferfamilie zur Welt brächten. Häufig würden die Mädchen und Frauen sogar von Menschen verkauft, die sie kennen – manchmal auch von Familienmitgliedern.

In Indien sei diese Form der Kriminalität in nördlichen Bundesstaaten wie ­Haryana weit verbreitet. Hier kommen auf 1.000 männliche Säuglinge nur 830 weibliche. Eine Studie der UN-Agentur für Drogen und Verbrechen (UNODC) stellte fest, dass in über 10.000 Haushalten Frauen leben würden, die aus anderen Staaten gebracht wurden. Die meisten von ihnen kamen aus armen Dörfern in Regionen wie Assam, Westbengalen oder Bihar. Dort hätten ihre verzweifelten ­Familien Deals mit Menschenschmugglern geschlossen. Es gab auch Fälle, in denen Mädchen, die bereits einige Jahre in Zwangsehen leben mussten, weiterverkauft wurden.

Nach Angaben indischer Behörden seien im Jahre 2016 beinahe 34.000 Frauen und Mädchen zum Zweck der Ehe entführt worden. Die Hälfte von ihnen sei jünger als 18 Jahre gewesen. Während die unmittelbaren Konsequenzen der Verbrechen für die Betroffenen eindeutig sind, sind die langfristigen Folgen in Asien noch unklar. „Ein Grund, warum wir uns darüber Sorgen machen sollten, ist, dass wir einfach nicht wissen, was die langfristigen Konsequenzen sind. Wir wissen nicht, wie dies die Gesellschaft verändern kann, aber dies wird sich über Generationen hinweg auswirken“, sagte Heather Barr im Gespräch.

Sie fordert eine konzertierte Politik, bessere Vorbeugungsmaßnahmen sowie eine konsequente Strafverfolgung von Menschenhandel und Gewalt gegen Frau­en. Am Ende müssten die Regierungen aber mehr tun, um die Wurzel des Problems zu beheben: eine jahrzehntelange Diskriminierung von Frauen in einer fehlgeleiteten Bevölkerungspolitik. Obwohl Abtreibungen aufgrund des ­Geschlechts in Indien verboten sind, bleibe es eine häufige Praxis in dem Land. Schätzungsweise fünf bis sieben Millionen solcher Eingriffe werden jährlich in Indien vorgenommen.

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