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Die Welt zu einem besseren Ort machen

Wenn „halal“ nicht genug ist: Einführung in die Green Muslims. Von Sara Salmani

Foto: Paynes

(Mvslim.com). Seit geraumer Zeit machen Lebensmittel und Kosmetika, die nach islamisch-rechtlichen Regeln produziert werden, Schlagzeilen in aller Welt. Globale Marken wollen die muslimischen Märkte mit ihren zertifizierten Produkten anzapfen. Inmitten des – oft übertrieben – Hypes gibt es nun interessante Veränderungen unter jungen Muslimen. Markenmanager und Vermarkter dürfen diese nicht außer acht lassen. Es entsteht eine neue Bewegung „grüner Muslime“. Noch bedeutsamer: Die meisten von ihnen kommen aus dem Westen.

Mehr und mehr junge Muslime betonen den Aspekt des „Guten“ oder „Ganzheitlichen“ (das im Qur’an zusammen mit dem „Erlaubten“ erwähnt wird). Sie wollen sicherstellen, dass die gesamten Produktionsbedingungen von Konsumgütern ihren Werten entsprechen. Das „Gute“ oder „Ganzheitliche“ ist tief im islamischen Denken und seinen Prinzipien verwurzelt.

Jetzt, wo Models mit Kopftüchern über die Laufstege von New York wandeln, haben einige Marken ihre Möglichkeiten erkannt. Aber vielen fehlt es an einer klaren Botschaft, Position und Geschichten, welche die Herzen der modernen Verbraucher erreichen. Diese „Millenials“ wollen keine Chance zur kommerziellen Ausbeutung, sondern sehen, dass globale Marken ihre Sorgen ernst nehmen: Das Geschäft muss die Welt zu einem bessern Ort machen.

Heutige muslimische Kunden werden sich in zunehmenden Maße bewusst, wenn Marken sich ganzheitlich und sozial in ihrem Business engagieren. Und sie glauben, dass diese Werte jedem – nicht nur Muslimen – offenstehen.

Eine der einzigartigen Eigenschaften dieser Verbrauchergruppe ist, dass sie nicht länger an Traditionen und Kulturen ihrer Vorväter gebunden ist. Diese technikbegabten, jungen Muslime zerschlagen überkommene Formen und kreieren eine neue Kultur, die Muslime aus aller Welt umfasst.

Dabei wendet sich eine erhebliche Menge den grundlegenden Werten des Islam zu. Sie will ein Leben führen, dass sich auch um die Umwelt und einen ethischen Verbrauch sorgt. Dieser neue Bewusstseinswandel formt junge Muslime in den Gemeinschaften des Westens. Nicht wenige werden so kreative und starke Unternehmer. Seinerseits hat dieser Trend zu einer gestiegenen Nachfrage nach Lebens- und anderen Waren geführt, die nicht nur „halal“ bleiben, sondern auch gesund, nachhaltig, ganzheitlich und sozial bewusst sind. Was diese grünen Muslimen einzigartig macht, ist die Verbindung eines ökofreundlichen Lebensstils mit einem Antrieb aus dem Islam.

Vielen sind die Lebensmittel oder Kosmetika, die mit dem Etikett „halal“ verkauft werden, seit Längerem bekannt. Hier ist es wichtig zu wissen, dass die beiden qur’anischen Aspekte des „Erlaubten“ und „Ganzheitlichen“ alle materiellen Lebensbereiche betreffen. Wir müssen begreifen, dass beide Elemente untrennbar verbunden sind.

Bedauerlicherweise heißt das aber nicht, dass alle Beteiligten dies ebenso verstehen oder handhaben. Ein unglückliches Beispiel dafür ist, dass die meisten Produzenten von „Halal-Fleisch“ dies vergessen haben. Ihr Augenmerk liegt beinahe ausschließlich auf dem Schlachtvorgang. Die Green Muslims interessiert nicht nur die Tötung von Tieren, sondern auch ihre Haltung zuvor. Diese Denkrichtung lässt sich auf alle Produktionsprozesse anwenden – von Anfang bis Ende. Ressourcen müssen angemessen respektiert und Arbeiter dürfen nicht ausgebeutet werden.

So wie es die Hippies einige Zeit kostete, biologische Lebensmittel in den Mainstream einzuführen und bekannt zu machen, so mühen sich die öko-bewussten Muslime noch mit der Wahrnehmung ihrer Anliegen ab. Muslimische Mädchen reagierten ekstatisch, als bei H&M ein Model mit Kopftuch sehenswert in der Kampagne des Konzerns auftrat. Viele aber ignorierten die Verletzung von Arbeitsbedingungen, derer sich die meisten Modelabels schuldig machen.

Eine Verschiebung ins Grüne ereignet sich trotzdem. Am stärksten ist sie bei jungen Unternehmern zu sehen. Viele bauen Geschäfte auf, in denen organische und nachhaltige Lebensführung geschätzt wird. So bietet Abraham Organics Bio-Halal-Fleisch mit folgender Begründung an: „Gute Lebensmittel haben die Kraft, die Menschen zusammenzubringen. Wenn wir hier die richtigen Entscheidungen treffen, können wir positiv auf den Planeten einwirken, auf dem wir leben.“

Junge Unternehmer kämpfen mit der Tendenz, den Markt junger, muslimischer Verbraucher nur als ein weiteres, interessantes Segment zu sehen. Der Ausgangspunkt dieser „Millenials“ ist eine islamische Identität. Alles Weitere muss sich in diese integrieren. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Ideale dieser Altersgruppe ihrem Wesen nach auch universalen Charakter haben und auch andere Menschen ansprechen können. Marketingfirmen und Manager sollten erkennen, dass sie so eine viel größere Gruppe ansprechen können. Die meisten Marken verstehen dies noch nicht. Das ist auch einer der Gründe, warum es ihnen bisher nicht gelungen ist, diesen schnell wachsenden Markt zu erreichen.

Die Bewegung bietet große Möglichkeiten für Unternehmen in vielen Geschäftszweigen. Während sich große Marken bisher vor allem auf die Masse muslimischer Verbraucher konzentrieren, bleibt die Bewegung der grünen Muslime eine Marktlücke, die darauf wartet, gefüllt zu werden.

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