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Die wichtigste Reise im Leben (1)

Erlebnisbericht über eine Pilgerfahrt nach Mekka im Jahre 2004 - Von Horst Hamid Lebermann

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Das Leben an sich ist eine Reise. Man kommt mit der Geburt in diese Welt, verweilt eine Weile und verlässt diese mit dem Tod wieder. Aber auch während des irdischen Lebens besucht man so manchen Ort. Es gibt Menschen, die die verschiedensten und entlegensten Gebiete besuchen. Manche wiederum bekommen nur einmal in ihrem Leben die Möglichkeit, einen anderen Ort zu sehen. Andere sterben, ohne ein einziges mal in ihrem Leben verreist zu sein. Oft haben ihnen die Mittel für solche Vorhaben gefehlt. Das Reisen des Menschen ist von Allah erwünscht. Der Qur'an motiviert dazu, anderen zu begegnen und diese kennen zu lernen. Darin heißt es: „Wir haben euch zu Völkern und Stämmen erschaffen, auf dass ihr euch kennen lernt. Wahrlich! Der Edelste unter euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste.“ (Sura Al-Hudschurât,13). Auf dieser Welt gibt es jedoch einen Ort, an dem man, wenn man sich dorthin begibt, und sei es nur ein einziges Mal im Leben, Menschen aus aller Herren Länder trifft. Wer schon einmal in Mekka gewesen ist, weiß, wovon hier die Rede ist. Und so waren es auch in diesem Jahr Millionen, die sich auf diesem Stückchen Erde, Mekka genannt, versammelten, um Allah in der Art und Weise anzubeten, wie Er es von ihnen wünscht. Denn zu den Fünf Säulen des Islam gehört es, dass jeder Muslim, ob Mann oder Frau, einmal in seinem Leben die Pilgerfahrt nach Mekka, die Hadsch, verrichten soll, sofern er dazu gesundheitlich und finanziell in der Lage ist. Wer beide Voraussetzungen erfüllt, dieser Säule aber nicht nachkommt, muss sich dafür vor Allah rechtfertigen. Doch nur jemand, der den Sinn dieser Reise nicht begriffen hat, wird es ablehnen, Mekka zu besuchen. Wer dorthin kommt, darf sich glücklich schätzen und sich als Gast des Barmherzigen bezeichnen. Die Reisegruppe, mit der ich flog, bestand aus über zweihundert Teilnehmern. Wir trafen uns am Flughafen in Frankfurt, Halle C. Alle Formalitäten wie Ausweise verteilen, Check-In und so weiter gingen reibungslos vonstatten, sodass wir wenig später im Flugzeug der Saudi-Arabian Airlines saßen. Leider war der Flug jedoch alles andere als angenehm. Wir hatten das Gefühl, als ob das Flugzeug soeben aus einem Museum gekommen sei. Jeder, der größer als 1,60 m war, musste sich vorkommen wie ein eingepferchtes Hühnchen. Aber auch das Personal war nicht unbedingt besser als das Flugzeug selbst, da es einem das Gefühl vermittelte, eine Last zu sein. Nun, Allah prüfte unsere Geduld, bevor wir in Mekka ankamen. Überhaupt, das beste Gepäckstück, das man mitnehmen sollte, ist die Geduld. Alles andere ist möglicherweise notwendig, doch nicht so wichtig. Allah verspricht im Qur’an: „Wahrlich! Nach der Erschwernis kommt die Erleichterung.“ (Asch-Scharh, 6). Und tatsächlich, unser erster Aufenthalt war Medina, wo wir sieben Tage verbrachten. Sieben Tage voller Frieden und Harmonie. Man hat dort das Gefühl, als wandle der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, immer noch unter den Menschen. Denn die Ruhe, die in Medina herrscht, ist in Worten kaum fassbar. Wenn dann der Gebetsruf erklingt und man zur Prophetenmoschee geht, kann man es kaum erwarten, diese zu betreten. Wie ein Kind, dass sich auf die versprochene Schokolade freut. Und so sieht man viele Menschen dorthin eilen. Wenn man endlich ankommt und die Moschee betritt, ist das Gefühl der Freude noch schwieriger in Worten auszudrücken. Es sind sehr persönliche Momente, und doch bilden sie eine gemeinsame Erfahrung derjenigen, die schon einmal dort waren. Als wir Medina verließen, war der Abschied unheimlich schwer. Doch wir konnten uns damit trösten, dass nun Mekka auf uns wartete. Die Stadt, in der Muhammad, der Segen und der Friede Allahs seien auf ihm, geboren wurde. Die Fahrt dauerte etwa fünf Stunden, doch war sie recht angenehm, da wir in komfortablen und klimatisierten Bussen saßen. Und für die Beine gab es auch jede Menge Platz. Während der gesamten Fahrt wiederholten die Pilger die „Talbija“, eine Bezeugung der Einzigartigkeit Allahs. So kamen wir am Abend des siebten Dhul Hidscha an, einen Tag bevor die Zeit der Hadsch begann. Einige der Pilger machten sich sofort nach der Ankunft auf den Weg zur Ka'aba und kamen irgendwann mitten in der Nacht zurück. Die anderen legten sich zur Ruhe und warteten den nächsten Tag ab. Nach dem Frühstück ging es dann los, immer noch die Talbija aufsagend, bis die Ka'aba gesichtet wurde. Am frühen Nachmittag waren alle Hadschis mit ihrer ’Umra fertig. Wir warteten, gut gelaunt und voller Freude, dass wir die erste Etappe geschafft hatten, auf die Busse, die uns nach Mina bringen sollten. Dort verbrachten wir eine Nacht. Eine Nacht, die für viele, vor allem die Älteren unter uns, nur ein Vorgeschmack auf die vor uns liegenden Strapazen sein sollte. Wer keine Matte oder ähnliches dabei hatte, dem stand nur der ausgebreitete Teppich im Zelt als Unterlage zur Verfügung. Wie üblich in solchen Situationen, wenn viele Menschen auf engstem Raum nebeneinander schlafen wollen, kann es zu erheblichen Störungen. Entweder weil jemand schnarcht, oder andere sich noch unterhalten wollen und dabei die Anderen vergessen, oder einfach, weil sie ihr gemütliches Bett zu Hause vermissen. Dennoch wurde auch diese Nacht mit Allahs Gnade gut überstanden. Außerdem war die Vorfreude auf die nächste Station ziemlich groß.

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