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Die Wohlklänge des Islam

Überall haben Muslime Musik als Medium ­genutzt, um ihrem Glauben Ausdruck zu ­verleihen. Von Nouria N. Asfaha

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Foto: Traveling Mipo, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 2.0

(iz). In den Versammlungen der Muslime wie dem Dschumu’a, zum Freitagsgebet in der Moschee, steht das Gebet beziehungsweise die Andacht und das Wort Gottes im Zentrum. In der Übermittlung der heiligen Worte Allahs ist die menschliche Stimme das wesentliche Element. Die Weisung des Propheten Muhammad, Allahs Segen und ­Friede auf ihm, den Qur’an in seiner bestmöglichen Stimme vorzutragen, reflektiert dabei den Anspruch, im respektvollen Wohlklang seiner Rezitation ebenfalls etwas von der Schönheit der Göttlichen Offenbarung widerzuspiegeln. Dies gilt nicht als Musik, sondern als „Lesen mit schöner Stimme“.

Der Anspruch des Propheten Muhammad, Dinge in der bestmöglichen Form zu präsentieren, ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass Worte und Handlungen nicht nur in ihrem Inhalt, sondern auch in ihrer Form und der Art, in der sie ­dargeboten werden, nichts Geringeres als das Beste reflektieren sollten. Dieses ­entspricht einer Qualität, die wir als Ihsan – „das gute von Allah in allen Dingen sehen“ – bezeichnen. Diese Qualität zum Ausdruck zu bringen entspricht einer ­Lebensführung mit dem Wissen, dass ­Allah in jedem Augenblick gegenwärtig ist und alles weiß und sieht, selbst wenn wir Seine Allgegenwärtigkeit nicht sehen können. Das ist das Bewusstsein, welches in all den großartigen künstlerischen ­Formen der muslimischen Welt in Erscheinung tritt.

Neben melodisch ausgeschmückten Qur’anrezitationen, ist der Gebetsruf in seinem Wohlklang bedeutsam. Von ­Minaretten überall auf der Welt erklingen zu den entsprechenden Tageszeiten der fünf Gebete und zum Freitagsgebet die sieben Elemente des Gebetsrufes (Adhan), welcher unter anderem die Wiederholung des Glaubensbekenntnisses enthält. In der Regel wird der erste Ausruf zum Gebet wenig ausgeschmückt, mit den Wiederholungen steigert sich die melodische Verzierung der Worte: „Allah ist Größer. / Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah. / Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes ist. /  Kommt zum Gebet. / Kommt zum Erfolg. / Allah ist Größer. / Es gibt keinen Gott außer Allah.“

In religiösen Zusammenkünften, vielerorts als Dhikr („Erinnern“) oder Sama’ bekannt (wortgetreu: „Hören“), versammeln sich Muslime – Männer wie Frauen – unter der Leitung eines Schaikhs, einem spirituellen Lehrer, um in gemeinsamer Andacht Göttliches Wissen auf traditionelle Weise zu vertiefen. Hierzu gehören Qur’an Rezitationen und der gesungene Vortrag von Qasiden (qasa’id): Gedichte mit festem Versmaß und durchgehendem Reim.

Sie beinhalten die heiligen Worte ­Gottes in poetischer ­Reflexion, von ­anerkannten Gelehrten gedichtet, und werden in schöner und eingehender Weise in einer Vielzahl der überlieferten und regional gefärbten ­Melodien rezitiert, welche dann von der gesamten Gemeinschaft in Lobpreisung Gottes mit den Worten La ilaha il Allah oder anderen bekannten Aussprüchen aus Qur’an und Sunna bestärkt werden.

Wer diese Art interaktiver Versammlungen mit seinen Gesängen und Klängen erlebt, spürt die herzerfrischende ­Lebendigkeit des Islam in der beseelten Überlieferung aus reinsten Quellen, die durch die Gelehrten von der ersten ­Generation des Islam bis zu jenen aus jüngster Zeit in die jetzige Zeit flossen und uns in verschiedensten kulturellen Ausprägungen die Botschaften aus Qur’an uns Sunna übermitteln. Die ­religiösen Andacht in melodischer ­Intonation (Makam) kann durch das Wohlwollen Allahs, Seine heiligen Worte in einer Weise beleben, die allein durch das Hören oder das Singen den Geist ­erfrischt und Heilung herbeiführt.

„Überall haben Muslime die Musik als Medium benutzt, um ihre Freude in ­ihrem Glauben auszudrücken, sodass die Musik zu den am stärksten kultiviertesten aller islamischen Künste wurde: Die ­heiligen Klänge von Java, Marokko, ­Usbekistan, der Swahili-Küste und dem muslimischen Balkan. Vielleicht ist es in der Musik, mehr als in jeder anderen ­kulturellen Form, dass der Islam seinen Universalismus und das Feiern der ­kulturellen Unterschiede ausdrückt“, sagt Dr. Timothy Winter, ein britischer ­Islamwissenschaftler, in seinem Buch „Muslim Songs of the British Isles“.

So haben sich in den verschiedenen ­islamischen Kulturkreisen unterschiedliche Musiktraditionen herausgebildet, die im öffentlichen oder familiären ­Rahmen stattfinden. Zum Beispiel wird das Id al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens, vielerorts mit musikalischen Darbietungen gefeiert. Und neben Gesängen gibt es eine Reihe von Musik- oder Schlaginstrumenten, die bei verschiedenen Gelegenheiten gespielt werden.

„Siehe, Allah und Seine Engel segnen den Propheten. Oh ihr, die ihr glaubt! Sprecht den Segenswunsch für ihn und begrüßt ihn mit dem Friedensgruß.“ (Al-Ahzab, 56) Mit diesen Worten werden alle Muslime dazu angehalten, stets Segenswünsche für den Propheten Muhammad zu sprechen. Die rituellen Gesänge der Muslime beinhalten immer Rezitationen zu Ehren des Propheten des Islam. ­Diesen zu preisen und zu verherrlichen, ihn zu erhöhen und ihn mit Würde zu behandeln, ist das Fundament der ­Lebensweise der Muslime.

Es gibt unzählige poetische Werke und einen umfangreichen Schatz von gesungenen Lehrgedichten, die in dieser lobpreisenden Absicht verfasst wurden und werden. Und sie erfreuen sich in der islamischen Welt einer großen Wertschätzung. Die weltweit wohl bekannteste Lobhymne auf den Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, ist die Qasida Burda, „Das Mantelgedicht“ des Gelehrten und Imams Muhammad al-Busayri.

Die Burda ist ­unbestritten das berühmteste Gedicht in der islamischen Welt und hat über viele Jahrhunderte nicht an Popularität ­verloren. Auszüge daraus gehören zum festen Repertoire der Poeten und Sänger und werden überall auf der Welt in einer Vielzahl von Sprachen, ebenso der ­Deutschen, rezitiert oder gesanglich vorgetragen.

Quellen:
Auszug einer Übertragung der Qasida Burda ins Deutsche von Nouria N. Asfaha
Dr. Timothy Winter, Muslim Songs of the British Isels. The Quilliam Press, 2005. S. 3
hamziyya-chants.de/dichtergaerten/burda/index.html
themen.miz.org/kirchenmusik/musik-im-islam-klebe

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