IZ News Ticker

Eine besondere Phase des Jahres

Die Zeit vor dem Ramadan wurde mit besonderen Eigenschaften versehen

Werbung

(iz). Der Radschab, der siebte Monat des islamischen Kalenders, in dem wir uns derzeit ­befinden, zählt zu den vier heiligen Monaten im Islam. Allah sagt im Qur’an: „Wahrlich, die Zahl der Monate bei ­Allah beträgt zwölf, so sind sie im Buch Allahs festgelegt worden seit dem Tag, da Er die Himmel und Erde erschuf. Von diesen Monaten sind vier heilig. Das ist der beständige Glaube. (…).“ At-Tauba, 37

In einer Überlieferung vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, heißt es: „Wahrlich, die Zeit ist wiedergekehrt wie am Tage, an dem Allah die Himmel und die Erde erschaffen hat: Das Jahr hat zwölf Monate, von den vier geheiligt sind. Drei davon folgen aufeinander, und zwar: Dhu-l-Qa’da, Dhu-l-Hidscha und Al-Muharram; dann Radschab-Mudar, der zwischen Dschumada und Schaban ist“ (Überlieferung von Bukhari). Auf den Monat Radschab folgt der Monat Schaban, der ebenfalls ein besonderer Monat ist. Dem Schaban folgt der Fastenmonat Ramadan. Im Schaban ist es Sunna, möglichst viel zu fasten. In gewisser Weise kann man sagen, dass der Schaban und auch schon der Radschab eine Vorbereitung auf den Ramadan sind, denn auch im Rajab sollte man besonders viel Fasten. Alle drei Monate, Radschab, Schaban und Ramadan, haben gemeinsam, dass es in ihnen besondere Nächte gibt. Im Schaban ist dies die Lailat Al-Bara’a in der Mitte des Monats.

Fasten im Radschab
Gemäß auf den Propheten zurückgehender Überlieferungen ist der Radschab ein Monat, in dem es empfohlen ist, an möglichst vielen Tagen zu fasten, wie auch in den anderen heiligen Monaten. So überliefern Ibn Madschah und Ahmad einen Hadith, in dem der Prophet einem Mann, der ihm mitteilt, dass er noch mehr freiwilliges Fasten auf sich nehmen möchte, sagt: „Faste während der heiligen Monate.” Nach anderen Überlieferungen werden auch besondere, zusätzliche Gebete im Radschab empfohlen. Abdulqadir Al-Dschilani beispielsweise hat sich in seinem bekannten, umfassenden Werk „Ghunya At-Talibin“, das in seinem Aufbau und Inhalt dem Ihya Ulum Ad-Din von Al-Ghazali vergleichbar ist, in entsprechenden Kapiteln ausführlich den Besonderheiten der Monate Radschab und Schaban gewidmet.

Lailat al-Miradsch

Im Radschab befindet sich auch die Lailat Al-Miradsch, die 27. Nacht des Monats, die Nacht, in der der Prophet Muhammad, Friede auf ihm, in die Himmel aufgestiegen ist, wo Allah ihm vieles gezeigt hat und der Prophet so nah an Allah gekommen ist, wie es keinem Menschen sonst gewährt wird. Allah sagt im Qur’an: „Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen Moschee zu der fernen Moschee, deren Umgebung Wir gesegnet haben, hinführte, auf dass Wir einige Unserer Zeichen zeigten. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ Al-Isra, 1

Eines Nachts kam der Engel Dschibril zum Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, weckte ihn, und sodann bestieg der Prophet ein Wesen, Buraq genannt, auf dem er von der heiligen Moschee in Mekka zur fernen Moschee in Al-Quds, Jerusalem, ritt. Diese Reise wird Al-Isra, die Nachtreise, genannt. In Al-Quds betete er zunächst zwei Gebetseinheiten mit den anderen Propheten und dann unternahm er Al-Miradsch, die Himmelsreise. Dabei stieg er durch alle Himmel bis zum siebten Himmel auf, und Allah hat ihm viele Dinge mit deutlicher Klarheit gezeigt. Der Prophet hat dort alle Propheten vor ihm gesehen. Der Höhepunkt seines Aufstiegs war der Lotusbaum des äußersten Endes. Dieser Baum ist so groß, dass ein Reiter siebzig Jahre bräuchte, um seinen Schatten zu durchqueren, und ein einziges Blatt von ihm würde die ganze Schöpfung beschatten. At-Tabari sagte dazu in seinem Qur’an-Kommentar: „Der Lotusbaum wurzelt im Thron. Er markiert die Grenze des Wissens jedes Wissenden, sei er ein Erzengel oder ein Prophet oder Gesandter. Alles, was darüber hinausgeht, ist ein Geheimnis, das niemand außer Allah allein kennt.“ Dort erschien dem Propheten Dschibril in all seinem Glanz. Dazu sagt Allah Qur’an: „(…) darum stand er aufrecht da, als er am obersten Horizont war. Hierauf näherte er sich, kam dann nach unten, bis er eine Entfernung von zwei Bogenlängen erreicht hatte oder noch näher. Und er offenbarte Seinem Diener, was er offenbarte. Und dessen Herz hielt es nicht für gelogen, was er sah. Wollt ihr da mit ihm über das streiten, was er sah? Und er sah ihn bei einer anderen ­Be­­gegnung beim Lotusbaum am ­äußersten Ende, an dem das Paradies der Geborgenheit liegt. Dabei überf­lutete den Lotusbaum, was ihn überflutete. Da wankte der Blick nicht, noch schweifte er ab. Wahrlich, er hatte eines der größten Zeichen seines Herrn gesehen.“ ­An-Nadschm, 7-18

At-Tabari erklärt dazu, dass das Licht Allahs auf den Lotusbaum fiel und ihn einhüllte und alles, was um ihn war, und das Auge des Propheten schaute es ohne auszuweichen oder zu wanken. Beim Lotusbaum erhielt der Prophet das Gebot von 50 täglichen Gebeten für seine Umma. Beim herabsteigen traf er Musa, der ihn fragte: „Wieviele Gebete wurden euch auferlegt?“ Und als er hörte, dass es 50 waren, sagte er: „Das Pflichtgebet ist eine schwere Bürde, und dein Volk ist schwach. Geh zurück zu deinem Herrn und bitte Ihn, Er möge es dir und ihnen erleichtern.“ Und so ging es immer wieder, bis die Gebete auf fünf verringert waren, und der Prophet, Friede auf ihm, sagte: „Ich bin so oft zu meinem Herrn zurückgekehrt und habe Ihn so oft gebeten, dass ich mich schäme vor Ihm.“ In einem Hadith heißt es: „Dem Gesandten Allahs wurden drei Dinge gegeben: die fünf Gebete, die letzten Ayat von Sura Al-Baqara, und die Vergebung der schweren Sünden von allen aus seiner Umma, die Allah nichts beigesellt haben“; Überlieferung von Muslim. Nach der Mehrheit der Gelehrten ist es klar und deutlich, dass der Prophet diese Reise physisch durchgeführt hat, und dass es kein Traum war. Als er nach Mekka zurückkehrte, hatte er unterwegs die Karawanen, die auf dem Weg waren, gesehen und sie genau beschrieben, ja sogar gesagt, wann sie in Mekka eintreffen würden, und es stimmte genau.

Lailat Ar-Ragha’ib

Nach einer Überlieferung ist die Nacht des ersten Freitags im Radschab, die am Donnerstag Abend ­beginnt, die Lailat Ar-Ragha’ib, die Nacht der Wünsche. In dieser Nacht bitten die Engel Allah um Vergebung als Lohn für alle, die im Radschab ­fasten. Auch soll man in dieser Nacht, wie in allen besonders gesegneten Nächten, zusätzliche ­Gebete verrichten und Bittgebete ­sprechen. In Deutschland wird vor allem in den türkischen Moscheen in dieser Nacht das sogenannte „Regaib Kandili“ begangen. Das Wort Kandil, das auch für anderen besonderem Nächte gebräuchlich ist, hat eigentlich mit Lampen zu tun, und kommt wohl daher, dass die Moscheen in diesen Nächten, wie auch im Ramadan, mit zahlreichen Lampen und Lichtern kunstvoll beleuchtet wurden. Man trifft sichnach dem Abendgebet, wenn der erste Radschab anfängt, in der Moschee und es wird Qur’an rezitiert; häufig wird auch das Mevlüt, ein berühmtes Lobgedicht über die Geburt des Propheten gelesen, und im Anschluss hält der Imam eine Ansprache über die Bedeutung dieses Monats.

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen