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DITIB startet Imamausbildung in der Eifel

Bei dem Bildungsprogramm soll es vor allem praktisch zugehen

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Foto: DITIB-Akademie, Facebook

Das ist neu: Die DITIB bildet einige Imame nun in Deutschland aus – in einem Zentrum in der Eifel. Bisher kommt das religiöse Personal aus der Türkei. Von Yuriko Wahl-Immel

Dahlem (dpa/lnw/iz). Es ist ein viel beachteter Startschuss: Die bundesweit größte Moscheeorganisation DITIB bildet nach anhaltender Kritik jetzt erstmals einen Teil ihrer Imame in Deutschland aus. Die Türkisch-Islamische Union hat dafür im Eifel-Ort Dahlem ein neues Zentrum errichtet. Es handele sich um einen „Neuanfang“ mit zunächst 22 Teilnehmern, es sollen aber in einen dynamischen Prozess deutlich mehr werden, sagte der DITIB-Bundesvorsitzende Kazim Türkmen am Donnerstag zur Eröffnung. Er sprach von einer „historischen Entwicklung nicht nur für DITIB, sondern auch für Deutschland“. Gewinnt der Verband mit bundesweit gut 1.000 Moscheegemeinden damit wieder verlorenes Vertrauen zurück?

Bund und Länder fordern schon länger vehement eine Loslösung von der Türkei. Die Imame der DITIB werden bislang aus der Türkei entsandt und allesamt von der Religionsbehörde Diyanet in Ankara bezahlt. Von den 1.100 hierzulande tätigen Religionsbeauftragten sind laut DITIB gut 110 deutschsprachig. Nun sollen sukzessive die Imame „made in Germany“ hinzukommen. Vor einem Jahr hatte der Verband Reformen versprochen, war aber Belege dafür zunächst schuldig geblieben.

Jetzt also die neue Ausbildung – und der Bund reichte dazu am 9. Januar die ausgestreckte Hand. Staatssekretär Markus Kerber aus dem Bundesinnenministerium lobte: „Damit wird eine Alternative zur Entsendung der Imame aus der Türkei geschaffen.“ Es sei „ein wichtiger, aber nur ein erster Schritt“. Und ob er „historisch“ sei, müsse sich erst noch erweisen. Offen bleibe etwa: wo werden die Imame eingesetzt, werden sie zumindest mittelfristig von den Gemeinden in Deutschland selbst bezahlt – und nicht von Diyanet?

Wie sieht das neue Konzept aus? Erstellt hat es allein die DITIB-Akademie, wie deren Leiterin Seyda Can schilderte. Vor allem praxisorientiert soll es zugehen, also viel Einsatz in einer Moscheegemeinde. In Dahlem absolvieren die zwölf Frauen und zehn Männer ihre Theoriewochen, „überwiegend“ auf Deutsch, sagte Can. Es gebe auch externe Referenten und Dozenten deutscher Hochschulen.

Auf dem Programm stehen islamisches Recht, der Koran, deutsches Religionsverfassungsrecht, Redekunst und auch gesellschaftliche Themen wie antimuslimische Ressentiments – alles, was auf die Rolle des Vorbeters, Seelsorgers und Gemeindepädagogen vorbereitet. Die Ausbildung zahlt DITIB. Man sei auch offen für Absolventen der Islamischen Theologie aus deutschen Hochschulen, hieß es. Unter den ersten 22 Neuen hätten aber 18 in der Türkei studiert.

Von bisher rund 2.500 Imamen in Deutschland kommen rund 90 Prozent aus dem Ausland. Bundesweit wird die Zahl der Muslime auf rund fünf Millionen geschätzt, davon leben 1,5 Millionen in Nordrhein-Westfalen. Dort hat die DITIB nach längerer Eiszeit seit Sommer 2019 wieder über eine „Koordinierungsstelle Muslimisches Engagement“ einen Fuß in der Tür. Und demnächst mischt sie womöglich wieder beim Islamischen Religionsunterricht an NRW-Schulen mit – die Gespräche laufen.

Auch der Bund hatte die Zusammenarbeit mit der DITIB erheblich reduziert. Die Botschaft des Regierungsvertreters aus Berlin zur Eröffnung lautete: Die DITIB stehe vor einer Weichenstellung. „Will sie eine in Deutschland verortete Religionsgemeinschaft sein oder versteht sie sich als eine Auslandsorganisation der türkischen Religionsbehörde?“ Eine lange Bewerberschlange für die neue DITIB-Ausbildung gibt es bislang nicht, der Verband hofft aber künftig auf mehr Zulauf.

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