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Was macht den Freitag eigentlich so wichtig für Muslime?

Dschum'a: Tag der Versammlung

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O, ihr die ihr glaubt! Wenn am Tag des Versammelns [Freitag] zum Gebet gerufen wird, dann eilt zum Gedenken an Allah und lasst den Handel ruhen, Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüßtet. (Al-Dschumu’a, 9)

Der Freitag ist zweifellos der wichtigste Wochentag im Alltag der Muslime. Er stellt den Tag der Zusammenkunft der Gemeinde und des besonderen, gemeinschaftlichen Gebets dar. Selbst die Muslime, die – wie hier in Westeuropa – in einer nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft leben, werden dem besonderen Charakter dieses Tages gerecht. Nicht selten unterhalten Betriebe und Arbeitgeber in Deutschland gesonderte Absprachen mit Muslimen, die ihre Schichten so legen, dass sie an diesem Tag die Moschee besuchen können. Dennoch ist die Bedeutung dieses Tages und des Freitagsgebets bei Nicht-Muslimen nur selten bekannt. Aber auch unter Muslimen gibt es ab und zu Diskussionen über die richtige Ausführung dieses Gebets.

Kommen wir zunächst zum Ursprung und zur Besonderheit dieses Tages. Der Freitag heißt bei Muslimen, der arabischen Sprache folgend, Dschumu’a. Das Wort „Dschumu’a“ kommt vom Wortstamm „Dscham’“, was so viel wie „zusammentragen, zusammenbringen und versammeln“ bedeutet. Dieser Wortstamm kommt in seiner Hauptform und in Ableitungen in einer ganzen Reihe an qur’anischen Versen vor, das Wort „Dschumu’a“ allerdings nur in dem Anfangs erwähnten Vers aus der Sura Al-Dschumu’a.

Der Freitag war auch schon vor der Verpflichtung zum Gemeinschaftsgebet der Tag, an dem die Muslime zum gemeinschaftlichen Mittagsgebet in Mekka zusammenkamen. Dieser Tag hat aber nicht nur wegen des Gebets eine besondere Bedeutung. Die prophetischen Überlieferungen (pl. Ahadith) belegen noch andere Besonderheiten. Eine dieser Aussagen lautet wie folgt: „Der beste Tag, an dem die Sonne aufgeht, ist der Freitag. Adam wurde an diesem Tag erschaffen, an diesem Tag ging er in Paradies und wurde wiederum an diesem Tag aus diesem verwiesen. Auch das Jüngste Gericht wird an diesem Tag anbrechen.“ (Imam Muslim)

In Anlehnung an die qur’anische Überlieferung, an die prophetischen Aussagen und die Übereinkunft der vier Rechtsschulen wird der Besuch des Freitagsgebets allgemein als verpflichtend angesehen. In der muslimischen Welt gilt dies bis heute. Dies ist auch der Grund, warum in den meisten der betreffenden Staaten der Freitag ein „freier“ Tag ist. Damit das Dschumu’a-Gebet verpflichtend ist, bedarf es Voraussetzungen – was für Muslime, die beispielsweise in Westeuropa leben, zur Folge hat, dass diese nicht immer gegeben sind. In der allgemeinen Verpflichtung sind sich alle Rechtsschulen einig, unterscheiden sich allerdings in der Definition der Verpflichtungen und Formen, die dieses Gebet für seine Gültigkeit bedarf. Zum Freitagsgebet ist jeder erwachsene Mann verpflichtet, der sich zu dieser Zeit nicht auf einer Reise befindet (Muqim), und keine der sonstigen erlaubten Entschuldigungsgründe vorweisen kann. Frauen steht die Teilnahme am Gebet frei. Zur Zeit des Propheten Muhammad, und auch heute noch, nehmen Frauen an diesem Gebet teil.

Damit das Freitagsgebet verpflichtend ist, muss es beispielsweise eine Stadt oder eine feste Siedlung in erreichbarer Nähe geben. Muslime, die außerhalb dieser leben, sind nicht zu einer Teilnahme verpflichtet und auch Reisende verrichten es ebenfalls nicht. Was die notwendige Größe der Gemeinschaft betrifft, so unterscheiden sich die unterschiedlichen Schulen teilweise deutlich. Während bei der Lehre von Imam Abu Hanîfa, der die meisten türkischen Muslime in Deutschland folgen, drei Muslime außer dem Imam ausreichend sind, besteht die Schule von Imam Malik auf mindestens zusätzlichen zwölf männlichen Muslimen. Schafi’iten und Hanbaliten verlangen sogar vierzig weitere Anbetende für das Dschumu’a.

Einer der kritischsten Punkte, die beispielsweise bei uns zu umstrittenen Lösungen geführt hat, ist, dass nach Ansicht der Mehrheit der Gelehrten idealerweise nur eine einzige Moschee für das Freitagsgebet verwendet werden sollte. Augenblicklich verrichten die muslimischen Gemeinschaften der deutschen Großstädte, in denen es nicht selten mehrere Dutzend Moscheen und Gebetsräume gibt, jeweils gesonderte Freitagsgebete. Einige Gelehrte sind daher der Meinung, dass dadurch die Verpflichtung für das korrekte Freitagsgebet nicht mehr gegeben ist. Einigkeit besteht allerdings sowohl bei der Zeit des Gebets, welches zur Zeit des Mittagsgebets abgehalten wird, als auch darin, dass für das Dschumu’a eine zweiteilige Ansprache (Khutba) notwendig ist.

Der Ablauf des Dschumu’a-Gebets ist relativ einfach. Nachdem die Gläubigen durch den Gebetsruf (‘Adhân) zum Gebet aufgefordert werden, betritt der Imam, der die Ansprache hält (Khutba) und anschließend das Gebet leitet, die Minbar – eine Art treppenartiger Erhöhung), auf der er die zweiteilige Khutba erhält. Diese sollte eine Mindestmenge an Versen aus dem Qur’an und Lobpreisungen auf Allah und den Propheten enthalten.

Ebenso wichtig ist, dass Themen angesprochen werden, die für die Gemeinschaft vor Ort von Bedeutung sind. Nach dem Ende der Khutba ordnen sich die Gläubigen und anschließend wird das Gebet – mit zwei Gebetseinheiten – abgehalten. Da die Ansprache einen Teil des Gebets darstellt, sollen sich die anwesenden Muslime sich aufmerksam dem Imam zuwenden und sich nicht anderweitig beschäftigen.

Vergessen werden sollte auch nicht, dass das Dschumu’a nicht nur aus dem Gebet besteht, sondern auch der Begegnung der Muslime dient, die sich beispielsweise in der gegenseitigen Einladung zum Essen ausdrückt.

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