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Düstere Politromane dominieren den Buchmarkt

Autoren befassen sich mit Extremisten jeglicher Couleur

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Foto: Metropolico.org | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Der Umgang mit politischem Extremismus beschäftigt auch Schriftsteller. Zahlreiche neue Bücher drehen sich um Terror, den politischen Einfluss von Populisten oder beunruhigende Aspekte der Digitalisierung

Frankfurt (KNA). “Man verheimlicht uns alles. Man sagt uns gar nichts“: Diese Chansonzeile zitierte der französische Schriftsteller Jerome Leroy in seinem dystopischen Thriller „Der Block“, der im Frühjahr für Furore sorgte. Darin ist eine rechtspopulistische Bewegung kurz davor, in Frankreich die Macht zu übernehmen. Leroy analysiert: „Genau dieses primitive Ressentiment treibt, unausgesprochen, den Durchschnittsfaschisten an.“

An Aktualität haben diese Zeilen seit Erscheinen eher gewonnen als verloren. Der französische Roman war auch in anderer Hinsicht wegweisend: Im laufenden Jahr erscheinen immer wieder Bücher, die sich mit Extremisten jeglicher Couleur befassen. Bis zur Frankfurter Buchmesse, die in der kommenden Woche stattfindet, hält diese Entwicklung an.

In „Endland“ entwirft Martin Schäuble ein ähnliches Faschisten-Szenario für Deutschland. Die fiktive Partei, die in diesem Buch für junge Erwachsene an Einfluss gewonnen hat, heißt Nationale Alternative. Anton, die Hauptfigur, sympathisiert mit ihr – kann aber nicht recht erklären warum. So konstatiert die Partei, die „Überlieferung des Christentums“ gehöre zur Leitkultur. „In der Kirche war ich zum letzten Mal bei meiner Kommunion“, sinniert Anton, „Christ bin ich aber trotzdem, irgendwie.“ Dass aus einem solchen Lebensgefühl des „Irgendwie“ diffuse Sorgen entstehen können, ist nicht zuletzt bei der Bundestagswahl deutlich geworden.

Neben Rechtspopulisten prägen vor allem islamische Extremisten die Schlagzeilen – und den Buchmarkt. Der „Zeit“-Korrespondent Yassin Musharbash hat mit „Jenseits“ seinen zweiten Roman rund um Terror und Radikalisierung vorgelegt. Im Mittelpunkt steht Gent Sassenthin, ein Medizinstudent, der sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ angeschlossen hat – und nun offenbar aussteigen möchte. Die Reaktionen einer überforderten Beratungsstelle, von abgebrühten Medienvertretern und Ermittlern, die sich in Kompetenz-Debatten verstricken, erscheinen in diesem Buch ebenso beklemmend realistisch wie die Kampfszenen in Nahost.

Auch Elnathan John weiß, wovon er schreibt. Der erster Roman des Nigerianers – „An einem Dienstag geboren“ – ist keine Dystopie im Wortsinn, kein düsteres Zukunftsszenario. Er spielt im Norden von Nigeria, in einer rohen, brutalen und allzu realen Welt. Die Hauptfigur Dantala wächst dort während politischer Unruhen auf. Der Glaube scheint das Einzige, das dem Jugendlichen Halt gibt. Zugleich interessiert sich Dantala für die weite Welt, lernt Englisch und will es nicht hinnehmen, wenn beispielsweise Spendengelder veruntreut werden. Sein Schwanken zwischen Extremismus und jugendlicher Neugier beschreibt der Autor eindrucksvoll; sein Roman stand auf der Shortlist für den Nigeria Prize for Literature.

Auch der deutsche Roman „Ich schwöre“ dreht sich um die Radikalisierung junger Muslime; ein Thema, das in den vergangenen Monaten immer wieder die Schlagzeilen beherrscht hat. Im Gegensatz zu bisherigen Jugendbüchern ist die Hauptfigur Lenny hier nicht derjenige, der Radikalen auf den Leim zu gehen droht – sondern seine beiden besten Freunde. Von der anfänglichen Beteuerung, der Libanon sei ihre wahre Heimat, bis hin zum Plan, in den Kampf nach Syrien zu ziehen, wird ihre Entwicklung nachgezeichnet – aus Lennys Perspektive. Im Mittelpunkt stehen seine Versuche, sie aufzuhalten, und die grundsätzliche Frage, wie weit man für seine Freunde gehen kann.

Der düstere Trend auf dem Buchmarkt stößt indes nicht nur auf Gegenliebe. Der britische Schriftsteller Salman Rushdie – der seinen eigenen neuen Roman „Golden House“ in der Tradition der griechischen Tragödie sieht. In „Golden House“ beschreibt er unter anderem den Aufstieg eines Despoten zum US-Präsidenten, also auch eine durchaus bedenkliche politische Situation. Aber er habe der Realität etwas Positives entgegen gesetzt, so Rushdie: “Ich wollte eine Art Sieg der menschlichen Natur am Ende.“

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