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Durch das verpflichtende Fasten im Ramadan nähern sich die Muslime ihrem Herren an. Von Malik Özkan, Bremen

Angenehmer als der Duft von Moschus

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(iz). Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam, so wie es im Hadith des Gesandten Allahs heißt: „Islam basiert auf fünf Säulen: Der Bezeugung, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muhammad sein Gesandter ist, der Etablierung des Gebets, der Bezahlung der Zakat, der Hadsch zum Haus Allah und dem Fasten im Ramadan.“ (Buchari und Muslim von Ibn ‘Umar).

Allah ta’ala spricht in vielen Versen über das Fasten im Ramadan, vor allem in Sura al-Baqara: „Oh ihr Gläubigen! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht habt ihr Taqwa. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank oder auf einer Reise ist, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es (nur) mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. … Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also in dem Monat zugegen ist von euch, der soll in ihm fasten. … Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. ­Viel­leicht werdet ihr dankbar sein.“ ­­(Al-Baqara, 183-186)

Abu Huraira überlieferte vom Gesandten Allahs, dass Allah sagte: „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein, und Ich werde ihn dafür entlohnen. Das Fasten ist ein Schutz. Wenn einer von euch fastet, soll er weder öbszön noch zu laut sprechen, und wenn ihn jemand beleidigt oder herausfordert, dann soll er sagen: ‘Ich faste.’ Bei Dem, in Dessen Hand die Seele von Muhammad ist, der Atem desjenigen, der fastet, ist bei Allah genehmer als der Duft von Moschus. Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herren gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.“

Das Fasten im Ramadan ist keine Gesundheitskur, und der Grund dafür ist auch nicht, dass man dadurch die Lage der Armen und Hungernden nachempfinden soll. Dies sind lediglich Nebeneffekte. Muslime fasten im Ramadan, weil Allah es so befohlen hat, aus Taqwa. Allah sagt in Seinem Buch: „Oh ihr Gläubigen! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr Taqwa haben.“ Das Wort Taqwa kommt von „schützen“ oder „abschirmen“. Taqwa ist die richtige Handlung zur richtigen Zeit, im Bewusstsein der Anwesenheit Allahs, Dem auch die Zeit gehört. Mit Taqwa schützt der Muslim sein Selbst. Jemand mit Taqwa lebt sein Leben so, dass er bemüht ist, nur diejenigen Dinge zu tun, die Allah gefallen, und beschützt damit seine Stellung als Stellvertreter Allahs auf der Erde.

Das Fasten ist verpflichtend: für Muslime; für Erwachsene; für geistig und für körperlich Gesunde, Kranke müssen die Tage nach ihrer Gesundung nachholen. Alte oder sehr hinfällige Menschen haben, falls sie können, die Möglichkeit, stattdessen Arme zu speisen. Voraussetzung ist auch die Freiheit von Menstruation – Frauen müssen Tage, die wegen Regelblutung ausgesetzt wurden, nachholen. Reisende dürfen das Fasten brechen.

Grundlegende Pflichten

Erstens muss die Absicht zu Fasten gefasst werden, ohne die es nicht gültig ist. Die Absicht, den ganzen Ramadan zu fasten, muss vor dem ersten Tag des Monats gefasst werden. Es wird jedoch auch empfohlen, diese Absicht jedes Mal vor Anbruch eines neuen Tages zu erneuern. Zweitens muss man sich während der Zeit des Fastens aller Dinge enthalten, die das Fasten brechen können, wie Essen oder Trinken, sexueller Verkehr, Rauchen und erzwungenes Erbrechen. Falls man während des Fastens eine dieser Handlungen vollzieht, so entscheidet die Absicht über die Bewertung. Geschieht dies unbeabsichtigt, so wird der Tag weiter gefastet und man muss diesen einen Tag später nachholen. Wird das Fasten im Ramadan allerdings absichtlich gebrochen, so muss man zur Sühne entweder zwei Monate durchfasten oder 60 Bedürftige speisen. Sollte der Ramadan bereits angefangen haben und man hat den ersten Tag mit einer Mahlzeit begonnen, so beginnt man sein Fasten in dem Augenblick, in dem einem die Nachricht vom Beginn des Ramadans erreicht und muss dann einen Tag Fasten nach dem Ende des Monats nachholen. Das Verbot des sexuellen Verkehrs wird im Allgemeinen auch auf jegliche sexuelle Handlung ausgeweitet, die zur sexuellen Befriedigung führen könnte. Ein Erguss in den Stunden des Fastens zieht die gleiche Strafe der Kaffara (Sühne) nach sich wie absichtliches Essen oder Trinken, nämlich die Speisung von 60 Armen oder das Fasten von zwei Monaten. Selbstverständlich ist die sexuelle Beziehung von verheirateten Eheleuten wäh­rend der Nachtstunden gestattet.

Darüber hinaus gibt es einige Sunnan (Plural von Sunna) im Ramadan: Die Eile, das Fasten sofort nach dem Sonnenuntergang zu brechen (Iftar), das Essen vor dem Sonnenaufgang (Suhur) so spät wie erlaubt zu sich zu nehmen. Das Suhur soll rechtzeitig vor dem Fadschr beendet werden. Gibt es Zweifel über den richtigen Zeitpunkt, so soll man damit aufhören. Und, sehr wichtig, das Fernhalten von nutzlosem oder streitsüchtigem Gerede. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte, „Wenn sich jemand nicht der Falschheit in Wort und Tat enthält, dann liegt Allah nichts daran, dass er sich des Essens und Trinkens enthält.“ (Abu Huraira, Buchari). Wenn er sein Fasten brach, pflegte der Prophet zu sagen: „Der Durst ist verschwunden, die Blutgefäße sind feucht und die Belohnung ist sicher, wenn Allah will“ oder auch: „Oh ­Allah, wir haben für Dich gefastet, und wir haben unser Fasten gebrochen, mit dem, was Du uns gegeben hast. ­Wahrlich, Du bist der Hörende, der Wissende.“ ‘Abdallah ibn ‘Amr ibn al-’As überlieferte, dass der Prophet, Friede und Segen Allahs mit ihm, sagte: „Wahrlich, das Du’a desjenigen, der sein Fasten bricht, wird nicht abgelehnt.“

Ein besonderer Monat

Als Monat ist der Ramadan von größter Besonderheit, denn in ihm haben sich wichtige Gegebenheiten der Offenbarung und der ersten Gemeinschaft der Muslime ereignet. Am wichtigsten ist die Tatsache, dass im Ramadan der Qur’an herabgesandt wurde. Daher die Tradition, während des Ramadans den gesamten Qur’an mindestens einmal zu rezitieren.

Ein weiterer wichtiger Teil des Ramadan ist das gemeinschaftliche Tarawih-Gebet. Abu Huraira überlieferte, dass der Gesandte Allahs die Menschen aufmunterte, im Ramadan die Nacht mit Gebet zu verbringen, es aber nicht ausdrücklich verfügt hatte. Der Prophet, Frieden und Segen mit ihm, sagte, dass jedem, der die Nacht im Ramadan im Gebet mit Vertrauen und Erwartung in Allah verbringt, ­seine vergangenen Fehler vergeben werden.

In den letzten zehn Nächten des Ramadan kommt die Nacht der Macht, die Nacht des Schicksals (Lailatu’l-Qadr), von der Allah sagt, dass sie besser als tausend Monate ist. Es ist die Nacht, in der der Qur’an zum ersten Mal dem Gesandten offenbart wurde und die Engel von den Himmeln herabsteigen. Es ist gute Sitte unter den Muslimen, in dieser Nacht gemeinsam zu beten und Allah in Bittgebeten anzuflehen. Der Gesandte Allahs sagte, dass ein Du’a, welches in der Lailatu’l-Qadr gesprochen wurde, von Allah angenommen wird.

Eine Sunna des Gesandten war es, ‘Itikaf zu machen. In dieser Zeit, normalerweise das letzte Drittel des ­Ramadan, zog er sich für Gebet, das Gedenken Allahs und das Lesen des Qur’an in die Moschee zurück. Von außen wurde ihm Essen für die Nächte gebracht. Bedingung für die Gültigkeit eines ‘Itikaf ist es, dass es in einer ­Moschee stattfindet, und dass es ­mindestens einen Tag und eine Nacht andauert.

Ohne die Bezahlung der Zakat Al-Fitr und das ‘Id (Feiertags)-Gebet am Ende des Monats ist der Ramadan nicht vollständig und wird von Allah nicht angenommen. Wie der Beginn, so ist auch das Ende des Ramadan von der Sichtung des Neumondes abhängig. Dabei spielen mathematische Berechnungen keine Rolle. Wie am ­Beginn des Monats müssen die lokalen Verantwortlichen der Muslime zwei vertrauensvolle Personen des Ortes beauftragen, nach dem Mond zu schauen. Sollte dieser nicht gesichtet werden können, wird der Ramadan nach dreißig Tagen beendet.

Bedeutung des Fastens

Der Ramadan hat nicht nur äußere Aspekte, sondern findet vor allem im Inneren des einzelnen Muslims statt. Das Fasten bewirkt eine Erschütterung der Illusion des Getrenntseins und der Eigenständigkeit des Selbst (Nafs), welches sich in den Verhaltensmustern der Erwachsenen zeigt. Es bringt den Menschen zurück zur Erinnerung seiner Kindheit, in der er – für ihn klar ersichtlich – von jemand anderem versorgt wurde.

Das Fasten ist ein Mittel, die untersten Strukturen der Nafs zu brechen – durch die Erzeugung des spürbaren Bewusstseins, dass es Allah ist, der uns versorgt.

Wenn jemand im Ramadan im Wissen und Vertrauen auf die Belohnung von Allah fastet, werden ihm alle vergangenen schlechten Taten vergeben. So hat das Fasten innerhalb der Schari’a eine Bedeutung, die ohnegleichen ist. Deshalb hat Allah dem Fasten ein eigenes Tor im Garten gegeben. Die Fastenden werden durch dieses Tor – das „Tor der Durstlöschung“ eintreten. Die Durstlöschung ist der höchste Grad des Trinkens, denn nachdem der Durst gelöscht wurde, verlangt es den Trinkenden nach nichts mehr.

Imam Muslim überlieferte in einem Hadith von Sahl ibn Sa’d, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, gesagt hat: „Es gibt ein Tor im Garten, welches das „Durstlöschende“ (Ar-Rajjan) heißt. Die Fastenden werden es am Tage der Auferstehung betreten. Niemand außer ihnen wird es betreten. Es wird gefragt: „Wo sind die Fastenden?“ und sie werden ­hindurchgehen. Wenn der Letzte von ihnen hindurch ist, wird es verschlossen und keiner wird mehr eintreten können.“

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