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Eigenes bewahren: Im Islam gibt es kein Konzept, dass Frauen nur für andere dasein müssen. Von Munira Lekovic Ezzeldine

Mütter, keine Märtyrerinnen

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Eine Mutter zu sein, ist sicherlich nicht einfach. Allah beschreibt ihre ­Aufgabe im Qur’an: „Seine Mutter hat ihn unter wiederholter Schwäche getragen, und seine Entwöhnung (erfolgt) inner­halb von zwei Jahren.“ (Luqman, 14) Diese Schwächen werden häufig mit Schwan­gerschaft, Geburt und der Stillzeit in Verbindung gebracht. Aber sie sind nur der Anfang…

(iz). Mütter verschanzen sich oft in den „Gräben“ des Alltags – wie dem Wechseln von Windeln, der Hilfe bei den Hausaufgaben, dem Kochen, er Abholung der Kinder etc. Diese täglichen ­Dienstleistungen können eine Mutter derart einspannen, dass sie ihr Gleichgewicht und ihre ­eigene Perspektive verliert. Entgleitet einer Frau die tiefere spirituelle Bedeutung der Mutterschaft, bekommt sie das Gefühl, dass Mutterpflichten ihr persönliches Opfer an die Familie sind, da sie die ­Bedürfnisse aller anderen ihren eigenen voranstellt. Aber das Tragen aller Lasten und Schwierigkeiten ist nicht der Weg, eine gute Mutter zu sein. Das erschöpft eine Frau und führt zum Gefühl von Ablehnung, wodurch die Vorstellung entsteht, dass Kinder und Familie ihr – als Lohn für ihr Martyrium – etwas schulden.

Vom Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden ­geben, erfahren wir: „Das Eigentum einer Person wird durch Sadaqa [wird manchmal verkürzend mit quasi christlicher ‘Wohltätigkeit’ ­übersetzt, meint aber eigentlich das richtige Verhalten zur richtigen Zeit] nicht verringert.“

Kann eine Frau eine bessere ­Sadaqa als die Hilfe geben, die sie ihrer Familie angedeihen lässt? Wie bei anderen Formen der Sadaqa besteht die Belohnung im Geben selbst, nicht in dem, was wir von den Empfängern zurückbekommen. Jede Form von Sadaqa, wenn sie richtig gege­ben wird, nützt ihren Spendern.

Mutterschaft ist eine Reise, die es uns erlaubt, das Wachstum eines Kindes – und auch das einer Frau – zu ­beobachten. Allah segnet Frauen mit Kindern, die ­Allah ein Versprechen abgeben, Kinder zu Erwachsenen zu erziehen. Im Verlauf der Elternschaft erkennen wir, dass es sich dabei um die Weitergabe einer aus­geglichenen und gesunden Lebensweise an die nächste Generation handelt.

Eine Mutter zu sein heißt nicht, zu ­einer Märtyrerin zu werden. Vielmehr besteht dieser Zustand im Respekt gegen­über dem Vertrauen und der Verantwortung in der Kindererziehung; aber auch im Selbstbewusstsein, zu einer starken Frau zu werden. Kinder achten ihre Mütter als Frauen, die ihren Familien um Allahs willen dienen.

Die Aufgaben als Mutter ­lassen eine Frau körperlich, geistig und spirituell wachsen, denn sie wird auf ­allen Bereichen ihres Lebens herausgefordert. So lernt sie, all jenen in ihrem Umfeld mit der endgültigen Absicht zu dienen, ­Allahs Wohlgefallen zu erlangen. Gleichzeitig muss sie sich nicht aufgeben. Eine Mutter sollte durch dieses Geben nicht ­schwächer werden, sondern stärker und ausgeglichener.

Es gibt sechs Dinge, mit deren Hilfe Mütter ihr Gleichgewicht finden ­können und durch die sie ihre Reise des Mutter­seins genießen können.

Die Zeit mit meinen Kindern ist wertvoll
Die Kindheit endet eines Tages und mein „Baby“ wird erwachsen sein. ­­Unse­re Kinder verändern sich jeden Tag und ­reifen zu Erwachsenen. Die Kindererziehung ist eine Feier jener alltäglichen Augenblicke, anstatt sich nur auf die „Meilensteine“ im Leben von Kindern zu konzentrieren. Am Ende erinnern wir uns an gemeinsame, sinnvolle Augenblicke mit unseren Kindern und das Geben jener Zeit, um sich mit ihnen auszutauschen und unser Leben zu teilen.

Die Aktivitäten des Alltags sind Wege, durch die wir jeden Tag mit unseren ­Kindern in Verbindung treten. Daher sollten wir dies eher als Erfahrungen ­einer Bindung ansehen, anstatt als bloße Aktivitäten, die wir abhaken müssen, bevor wir die nächste angehen.

Jetzt kümmere ich mich um mich selbst
Schenken wir den Kindern und Ehemännern dauernde – körperlich, geistig und spirituell – Aufmerksamkeit, verges­sen wir oft, uns um uns selbst zu kümmern. Wir missachten unsere Bedürfnisse und manche Mütter nehmen sich selbst gar nicht mehr wahr.

Aber wir können nur so viel geben, wie wir haben. Füllen wir unsere ­Vorräte nicht mehr auf, haben wir nichts mehr, das wir geben könnten. Die Pflege unserer Körper durch Übung ist entscheidend für unsere physische Gesundheit – aber auch für unsere Stimmung und ­unseren Energiehaushalt. Die dafür ­not­wendige Zeit ist nicht egoistisch, un­nötig oder überflüssig. Sie ist wichtig, damit wir unsere Aufgaben erfüllen können.

Die Pflege unseres geistigen und spiri­tuellen Selbst ist ebenso wichtig. Die Sorge um diese Aspekte ist von Bedeutung, denn unser Geist und unser Herz ­werden am stärksten in der Erziehung herausge­fordert und benötigen die meiste Kraft. Die Absicht in unseren täglichen Gebeten hilft bei der Fokussierung und Verlangsamung eines hektischen Lebens, insbesondere wenn wir Mütter sind. Da Frauen das „Herz“ ihres Haushaltes sind, müssen sie ihren inneren Frieden finden, damit die Familie ausgeglichen bleibt. Die Aufrechterhaltung unseres Selbstbewusstseins und unseres Glückes kann sich dann unseren Kindern und Ehemännern zeigen.

Keine perfekten Mütter
Viele muslimische Mütter haben sehr idealistische Ansichten zur Erziehung und hohe Erwartungen an sich selbst. Unsere Kinder brauchen nicht, dass wir perfekt sind und sie werden uns vergeben, wenn wir uns selbst unsere Fehler vergeben und unsere Mängel an den Tag legen. Wir müssen akzeptieren, dass wir Fehler machen. Sie stellen aber eine Gele­genheit für uns dar, zu wachsen und clevere „Mamis“ in zukünftigen Herausforderungen zu sein.

Wir müssen uns von der alltäglichen Bürde befreien, nach Vollkommenheit streben zu müssen. Wir sollten aus uns aber auch den Gedanken entfernen, dass unsere Mütter perfekt waren und alles richtig machten. Wir können nur das Bestmögliche mit dem tun, was wir haben und müssen uns auf die entscheidenden Dinge konzentrieren: die Beziehung zu unseren Kindern. Die Mahlzeiten sind nicht immer hervorragend, der Abwasch nicht immer gemacht und die dreckige Wäsche stapelt sich, aber wenn unsere Kinder Erwachsene sind, werden sie sich nicht daran erinnern. Stattdessen blicken sie auf die mit uns verbrachte Zeit und Gespräche zurück. Nicht vergessen, dass man verheiratet ist.

Kinder sind eine große Belastung für eine Ehe, insbesondere für die Mütter kleiner Kinder. Viele konzentrieren sich ausschließlich auf die Bedürfnisse des Nachwuchses und vernachlässigen die Beziehung zu ihrem Ehemann. Körperliche und emotionale Erschöpfung ­lassen Frauen kaum Energie übrig, die sie ­ihren Ehemännern geben könnten. Die Haltung des „nichts mehr zu geben haben“ kann zu Brüchen in einer Ehe führen. Es ist entscheidend, dass wir ein Gleichgewicht zwischen Ehe und Kindererziehung finden. Es ist nicht nur gut für unsere Kinder, Zeugen einer gesunden Beziehung zu sein, sondern auch für unsere eigene geistige Gesundheit.

Die Nähe zu unserem Partner ist von größerer Dauer als die Beziehung zu unseren Kindern – insbesondere wenn ­diese älter werden. Wir brauchen eine liebevolle Beziehung zu unseren Männern, damit wir gemeinsam alt werden ­können und auch noch miteinander verbun­den sind, wenn unsere Kinder erwachsen sind.

Das heißt, dass wir unsere Ehe nicht auf das „Abstellgleich“ abschieben ­dürfen. Vielmehr müssen wir in ­dieser anspruchs­vollen Phase das Band von Freundschaft und Liebe aufrechter­halten. Es ist sehr wichtig, dass wir gemeinsam mit unseren Männern Zeit alleine verbringen, sodass wir uns als Eheleute sehen und nicht ausschließlich als Bezugspersonen unserer Kinder. Das gemeinsame abendliche „Ausgehen“ und Wochenendausflüge als Paar sind wichtig für die Lebendigkeit einer ehelichen Beziehung.

Meine Freundschaften sind mir wichtig
Die Verbindung und der Austausch mit anderen Frauen hilft, das gemeinsa­me Element unserer Bemühungen zu ver­wirklichen. Freundinnen und Vertraute zu haben, macht uns stärker, da sie uns emotional stärken und hilft, den Stress unseres Lebens zu bewältigen. ­Unsere Freundinnen und Schwestern haben einen besonderen Platz in unserem Leben, den unsere Ehemänner weder ausfüllen oder ersetzen können. Sich Zeit für Freundschaften zu nehmen, macht glücklich und und gibt Kraft. Das Gespräch und gemeinsame Aktivitäten mit anderen sind wichtig, um die Beziehung zu anderen Frauen zu beleben.

Gemeinsam essen
Gemeinsame Mahlzeiten sind eine Möglichkeit zur täglichen Pflege der ­familiären Beziehungen. Die Schaffung wiederkehrender Routinen im Leben ­unserer Kinder bereitet ihnen ein tiefempfundenes Gefühl der Sicherheit. Gewohnheiten wie das gemeinsame Essen sind wichtig in unserem Alltag, denn dabei handelt es sich um eine Zeit, in der die Familie zusammenkommt und sich austauschen kann.

Untersuchungen belegen, dass Kinder, die regelmäßig im Kreise der Familie ­essen, häufiger die richtigen Entscheidungen treffen – wie beispielsweise das richtige Verhalten gegenüber Freunden, Drogen oder Sexualität. Die tägliche ­Begegnung aller Familienangehörigen schafft eine lebendigere und kommu­nikativere Dynamik. Die Tradition von Es­sen, Gesprächen und Freude ist eine Erinnerung, auf die jeder gerne zurückblicken wird.

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Munira Lekovic Ezzeldine

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