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Ein Abriss der bisherigen Geschichte der deutschen Koranforschung. Von Musa Bagrac

Beinahe wie ein Thriller

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“Sie möchten Gottes Licht auslöschen mit ihren Mündern, doch Gott wird Sein Licht vollkommen machen, auch wenn die Ungläubigen es hassen.” (Der Koran, 61:8)

(iz). Die Geschichte der deutschsprachigen Koranforschung liest sich wie ein atemberaubender Thriller voller fantasievoller Intrigen, so spannend wie der “Da Vinci Code” und “Indiana Jones” zusammen. Der Koran sei ursprünglich ein christlicher Text, der Prophet Muhammad habe gar nicht gelebt beziehungsweise besitze keine zentrale Bedeutung für die Entstehung dieser Schrift, sein Name stehe wahrscheinlich für Jesus und der Islam sei somit eine christliche Sekte. So könnte man die historische Koranforschung in Deutschland kurz resümieren. [1]

In vier Jahren wird die deutschsprachige Koranforschung ihren 100. Geburtstag feiern. Einst machte sich ein junger Pfarrerssohn namens Gotthelf Bergsträsser (1886-1933) mit einem militärischen Auftrag auf ins Osmanische Reich. [2]

Damals war gerade der Erste Weltkrieg ausgebrochen, und das Osmanische Reich zog an der Seite des Deutschen Reichs in den Krieg. Gotthelf Bergsträsser, der später ein sehr bekannter Orientalist werden sollte, bereiste in den fünf Jahren seines Nahostaufenthaltes Istanbul, Syrien, Palästina und Ägypten.

Worin bestand sein Auftrag? Nun, er war kein Stratege, der militärisch hätte von Bedeutung sein können. Aber er war ein Experte für orientalische Sprachen. Und sein Spezialgebiet war die Beschäftigung mit dem Koran. Bei seinen Reisen durch Europa, Nordafrika und den Nahen Osten machte der Missionsmann mit seiner Leica-Kamera etliche Fotos von Koranhandschriften aus unterschiedlichen Epochen der islamischen Geschichte und aus verschiedenen Gebieten der islamischen Welt. Unter der Leitung der Bayrischen Akademie der Wissenschaften wurde 1930 eine Korankommission gegründet, die zum Ziel hatte, einen “Apparatus Criticus zum Koran” zu erstellen, ganz in der Tradition der frühen Orientalisten Abraham Geiger, Ignaz Goldziher und Theodor Nöldeke. [3]

Abraham Geiger war der festen Überzeugung gewesen, dass die historisch-kritische Methode, die bei der Bibel angewandt wurde, auch beim Koran anzuwenden sei. [4]

Doch Bergsträsser starb, noch bevor er seine Studie umfassend auswerten konnte. Sein Kollege und Nachfolger Otto Pretzl (1893-1941), der mitunter auch im Auftrag des militärischen Geheimdienstes unterwegs war, setzte seine Forschungen fort. Auch er knipste mit seiner Leica-Kamera diverse Koranhandschriften ab. Bergsträsser und Pretzl wollten also den Nachweis erbringen, dass der Koran kein von Gott offenbartes, sondern ein weltliches Produkt sei, und zwar abgeschrieben von der Bibel. [5]

In verschiedenen Quellen ist die Rede von 12.000 bis 40.000 Manuskripten, die miteinander verglichen wurden. Die Auswertung indes sei eine bittere Enttäuschung gewesen, denn mit Ausnahme von einigen Abschreibfehlern konnte man keine Unterschiede zwischen den verglichenen Manuskripten ausmachen. [6]

Fast ein halbes Jahrhundert war man der Ansicht, dass der Koran als literarischer Text nichts mehr hergebe. Folglich verlagerte man den Schwerpunkt der Forschung nach 1945 auf das Leben und die Psyche des Propheten Muhammad, von dem es heiß, er sei der Autor des Korans.

Aus dieser deutschsprachigen Koran- und Prophetenforschung haben sich zwei vermeintlich konkurrierende Lager von Islamwissenschaftlern beziehungsweise Orientalisten herauskristallisiert: Die Gruppe der Saarbrücker und die der Berliner Islamwissenschaftler:

Die hauptsächlich dem katholischen Lager zuzurechnenden Saarbrücker wollten in dem Propheten Muhammad den Verteidiger eines authentischen Urchristentums sehen, der sich auf die Arabische Halbinsel zurückzog und dort seine Ansichten gegenüber den Lehren der Juden und der byzantinischen Christen verteidigte. Auf diesen Zug sprang auch der Münsteraner Professor Sven Kalisch auf, der dem Islam nach heftigen Kontroversen um die Existenz des Propheten Muhammads (die er zunehmend in Frage stellte) inzwischen den Rücken gekehrt hat. Die Saarbrücker Gruppe hat sich mit der Restaurierung und Katalogisierung von rund 35.000 alten Koranfragmenten aus dem Jemen einen Namen gemacht.

Die Berliner Islamwissenschaftler haben sich um die orthodox-christliche Wissenschaftlerin Angelika Neuwirth geschart. Ihrer Auffassung zufolge ist der Koran das Resultat von interreligiösen Debatten der im Orient ansässigen Religionen. Aus dieser interaktiven Kommunikation zwischen dem Propheten Muhammad und seiner Gemeinde auf der einen Seite sowie der Juden, Christen und Polytheisten auf der anderen Seite sei dann der Koran entstanden. Der Koran sei demnach nicht vom Himmel herabgesandt worden, sondern ein Produkt der spätantiken gesellschaftlichen Zustände und Rahmenbedingungen. Wenn man den Koran (als ein solches Produkt) verstehen will, müsse man den geistesgeschichtlichen Kontext der Spätantike (Ursache) erforschen. [7]

Doch was war eigentlich aus dem Gotthelf-Bergsträsser-Archiv geworden? Damit an die Öffentlichkeit zu treten, hatte man sich wohl nicht so recht getraut. Otto Pretzl starb 1941 bei einem Flugzeugabsturz, und der Zweite Weltkrieg tat sein Übriges. Die Weltöffentlichkeit beschäftigte sich damals mit anderen Dingen. Nach dem Krieg ließ man verlauten, alle Archive der Korankommission seien 1944 bei der Bombardierung von München zerstört worden. Die Forschung der beiden Orientalisten geriet in Vergessenheit – und mit ihr auch ihr peinliches Resultat: nämlich dass der Koran von heute tatsächlich mit dem Koran von damals identisch war. So ersparte man sich, vor einer Verheißung des Korans kapitulieren zu müssen: “Wahrlich, Wir, Wir Selbst haben diese Ermahnung (Koran) hinabgesandt, und sicherlich werden Wir ihr Hüter sein.” (15:9).

Lange Zeit schenkte man dem Mythos von den zerstörten Archiven Glauben. Doch über ein halbes Jahrhundert später, 2008, kam plötzlich die Wahrheit ans Licht, dass sich die Archive die ganze Zeit über in der Obhut von Anton Spitaler (1910-2003) befunden hatten, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Korankommission von 1930. 2002 machte ein anonymer Autor, möglicherweise jemand aus der Saarbrücker Gruppe, zum ersten Mal auf die Existenz der Archive aufmerksam. Rund sechs Jahre später gab Prof. Angelika Neuwirth zu, im Besitz der Archive zu sein. Spitaler, deren Schülerin sie war, habe ihr die Dokumente 1990 übergeben.

Weshalb Spitaler fast 50 Jahre zu diesen Archiven schwieg und warum er sie dann stillschweigend an seine Schülerin übergab, bleibt ungeklärt. Auch wissen wir nicht, weshalb Angelika Neuwirth die Existenz des Archivs über 18 Jahre lang (bis 2008) verschwieg. Eines aber ist dafür umso klarer: Aus den Trümmern dieser Archive ging 2008 der Corpus Coranicum hervor, ein Projekt, dass 10 Jahre durch öffentliche Mittel gefördert wird. Was einst an der Bayrischen Akademie der Wissenschaften begann, soll nun an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften fortgeführt werden.

Das damalige Ziel hat weiterhin Bestand: endlich einen historisch-kritischen Koran im Geiste von Abraham Geiger herauszugeben beziehungsweise einen Urkoran, wie ihn sich der Orientalist Günter Lüling einst gewünscht hatte. Ganz gleich, wie man zu diesem Projekt stehen mag, eines jedenfalls ist sehr verdächtig: Noch vor Abschluss der Studie, der für 2018 anvisiert ist, nimmt die Berliner Gruppe bereits wie selbstverständlich vorweg, dass der Koran ein durch die historischen Umstände determiniertes Produkt sei. [8]

Angelika Neuwirth unterstellt der Saarbrücker Gruppe politische Motive, kann sich aber selbst keineswegs davon freisprechen. Mit neutraler Forschung hat das wenig zu tun. Anscheinend hat sich die Motivation seit Geiger und Bergsträsser kaum verändert. Denn wie lässt sich von Objektivität sprechen, wenn sie schon heute Ergebnissen vorgreift, die sie doch erst 2018 – in 8 Jahren also – erbringen möchte, und wenn sie den Muslimen bereits im Voraus rät, ihren ontologischen Wahrheitsanspruch aufzugeben, so sie denn nicht unmündig bleiben wollen? Inwieweit eine solche Wissenschaft objektiv sein kann, ist mehr als nur fragwürdig.

Auf den ersten Blick scheinen sich die Saarbrücker und die Berliner Gruppe spinnefeind zu sein. Doch bei genauerem Hinschauen erkennt man, dass sie im Gegenteil gar nicht so schlecht aufeinander zu sprechen sind und dass durchaus gegenseitige Wertschätzung vorhanden ist. Die Thesen der Saarbrücker finden in den Arbeiten der Berliner Zuspruch und umgekehrt. In Münster konnte man sich unlängst im Rahmen eines Vortrages von Frau Neuwirth (11.07.2009) ein Bild davon machen, dass der Corpus Coranicum ein politisch motiviertes Projekt ist. [9]

Dort erklärte sie, die Sure Al-Ikhlas sei sozusagen eine schlechte Kopie des Nicäno-Konstantinopolitanums (Glaubensbekenntnis). Dies erkenne man – angeblich – an der Ungrammatikalität des Wortes Ahad (das eigentlich Vahid heißen müsste), die auf einen anderen (Ursprungs-) Text hinweise. Laut Neuwirth geht die gegenwärtige Koranforschung in die Richtung, gerade den gläubigen Muslimen eine Sprache anzubieten, die sich nicht auf einen ontologischen Wahrheitsanspruch beruft. [10]

Diese Sprache verspreche ihnen Mündigkeit. Nur stellt sich in dem Zusammenhang doch fast zwangsläufig die Frage, ob man den Koran wirklich verstehen oder ihm eine bestimmte Richtung zuweisen will. Schließlich stellt doch jede solche Richtungszuweisung einen Eingriff dar, der eine Veränderung des Forschungsgegenstandes zur Folge hat.

Daneben zeigt die christlich motivierte Koranforschung auch, welches Bild die hiesige Mehrheitsgesellschaft von ihrer muslimischen Minderheit hat und wie sie mit ihr umzugehen pflegt. Man kommt nicht umhin zu fragen, ob die deutsche Orientalistik/Islamwissenschaft mit einer solchen Koranforschung versucht, eine Art intellektuelle Autorität über die Muslime und den Orient auszuüben. Damit aber gar nicht erst der Eindruck westlich-christlicher Voreingenommenheit und Überheblichkeit entsteht, überlässt man die Ausübung dieser Autorität muslimischen Reformdenkern, denen mit dieser Forschung effektiv zugearbeitet wird.

Leider haben die deutschen Koranforscher der Saarbrücker und der Berliner Gruppe offenbar bislang übersehen, dass derzeit in der muslimischen Welt (unter der Leitung der Türkischen Stiftung für Religion und der OIC [Organisation der Islamischen Konferenz]) bedeutende Koranforschungen laufen, deren Ergebnisse seit September diesen Jahres in Istanbul auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Insgesamt wurden in den vergangenen 10 Jahren vier komplette Koranexemplare aus der Zeit der Kalifen Uthman ibn Affan (644-656) und Ali ibn Talib (656-661) mit Koranexemplaren aus späterer Zeit verglichen.

Von September bis Dezember werden in Istanbul im Museum für türkisch-islamische Künste 250 Koranexemplare und Manuskripte aus 1400 Jahren islamischer Geschichte ausgestellt. Zur Eröffnung am 4. September haben sich schon jetzt namhafte Forscher und Wissenschaftler u.a. aus dem Louvre, dem Metropolitan, dem British Museum und dem Museum für Islamische Kunst in Berlin angekündigt.

Es steht zu hoffen, dass die neue Generation deutschsprachiger Koranforscher in Zukunft weiter über den eigenen Tellerrand hinausschauen und die reichen Forschungen der muslimischen Welt mitberücksichtigen wird. Denn Thriller und Intrigen sind ganz bestimmt keine Prädikate, die einem Forschungszweig zur Ehre gereichen. [11]

Anmerkung der Redaktion:
Am 06. Oktober erreichte uns eine inhaltliche Replik seitens Michael Marx vom Berliner Corpus Coranicum, auf welches im obigen Artikel umfangreich Bezug genommen wurde. Da wir die IZ als “Forum” für eine sachliche Debatte begreifen, haben wir die Anmerkungen von Herrn Marx dem Artikel beigefügt.

Diese bedeuten keine inhaltliche Wertung beziehungsweise Kritik seitens unserer Redaktion, sondern dienen der Dokumentation einer aktuellen Debatte.

Nachdem wir die Replik von Herrn Marx veröffentlichten, nimmt nun der Autor des ursprünglichen Textes, Musa Bagrac, abschließend zu den folgenden Ausführungen Stellung: “Zunächst möchte ich mich für die aufwendige Replik zu meinem Artikel „Ein Abriss der bisherigen Geschichte der deutschen Koranforschung – Beinahe wie ein Thriller“ bedanken. Ich verstehe sie als eine offizielle Stellungnahme des Corpus Coranicum. Meine anfängliche Intention war zunächst, nur auf einen Punkt der Replik einzugehen, und zwar auf Punkt 8, den ich für den wichtigsten und wesentlichsten halte. Doch um jedem Missverständnis vorzubeugen, werde ich im Folgenden auch auf andere – meinem Erachten nach nebensächliche – Punkte (1-7 und 9-11) zu sprechen kommen.” Zur deutlicheren Lesbarkeit sind die Kommentare von Herrn Bagrac kursiv gehalten.

Anmerkungen
[1] Diese Zusammenfassung der deutschsprachigen Koranforschung der letzten beiden Jahrhunderte ist unrichtig und irreführend. Die Arbeiten von Abraham Geiger, Heinrich Speyer, Theodor Nöldeke, Gotthelf Bergsträßer, Otto Pretzl u.a. halten an der Historizität des Propheten und der ersten islamischen Gemeinde fest. Die Historizität des Propheten ist in den vergangenen Jahren in mehreren Publikationen von Prof. Karl-Heinz Ohlig bestritten worden. Ohligs These von „Muhammad als Name Jesu Christi“ werden von fast allen Arabisten und Islamwissenschaftlern in Deutschland abgelehnt. (vgl. auch http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,578513,00.html)

Zu 1: Ob jenes Resümee der historischen Koranforschung wirklich unrichtig und irreführend ist, sei einmal dahingestellt. Der interessierte Leser kann sich ja selbst ein Bild von der deutschsprachigen Koranforschung machen und sich eine eigene Meinung dazu bilden. Doch möchte ich eines klarstellen: Während für die Saarbrücker Gruppe der Prophet Muhammad nie gelebt hat, spielt der Prophet für die Koranforschung der Berliner Gruppe keine zentrale Rolle, da sie davon ausgeht, dass die geistigen Wurzeln des Korans in anderen Religionen liegen. Demzufolge haben die Gefährten des Propheten die Erzählungen, Figuren und Dogmen anderer Religionen aufgegriffen, sie mit dem Propheten diskutiert und anschließend daraus den Koran ‚konstruiert‘. (http://www.zeit.de/2008/29/P-Neuwirth)

[2] Worauf beruht die Aussage, dass Gotthelf Bergsträßer „mit einem militärischen Auftrag“ ins osmanische Reich zog? Aus den Materialien des Gotthelf-Bersträßer-Archiv haben sich bisher keinerlei Indizien für diese Hypothese eines militärischen Einsatzes gefunden.

Zu 2: Gotthelf Bergsträsser war laut dem Kirchenlexikon und der Neuen Deutschen Biographie im Osmanischen Reich im militärischen Auftrag unterwegs.
(1. Kirchenlexikon, Band I (1990) Spalte 520, BERGSTRÄSSER, Gotthelf von Friedrich Wilhelm Bautz. Online: http://www.kirchenlexikon.de/b/bergstraesser_g.shtml)
(2. Neue Deutsche Biographie, Band 2 (1953), S. 92-93).
Während viele deutschsprachige Quellen seinen militärischen Auftrag ganz verschweigen, datieren einige wenige ihn auf 1918. In französisch- und englischsprachigen Quellen hingegen erhält man großzügigere Informationen: Dort heißt es, dass er von 1915-1918 im Auftrag des Militärs im Osmanischen Reich unterwegs war. Schon eine simple Google-Suche erbringt eine große Fülle an Informationen dazu.
Meines Erachtens werden biografische Informationen wie die, dass so mancher Orientalist im Auftrag des Militärs und damit nicht gänzlich als freier Wissenschaftler unterwegs war, des Öfteren verschwiegen; denn eine Offenlegung dieser Tatsache würde ja den oft geäußerten und zumindest teilweise berechtigten Verdacht erhärten, dass Orientalisten „Hilfstruppen des Neokolonialismus“ waren/sind.

[3] Gotthelf-Bergsträßer begann seine photographische Dokumentation erst in den 20er Jahren, nicht in der Zeit des 1. Weltkriegs. Weshalb Bergsträßer im Artikel als „Missionsmann“ bezeichnet wird, bleibt unklar. Von Bergsträßers uns bekannten Schriften behandelt keine das Thema der christichen Mission. Gotthelf Bergsträßer war nach unserem Wissen nie an der Durchführung christlicher Mission beteiligt. Bergsträßer pflegte während seines Aufenthalts in Kairo 1929 und 1930 den Kontakt zu ägyptischen Gelehrten. Der Gelehrte az-Zinjânî läßt in seinem um 1935 erschienen Bandes Ta'rîkh al-Qur'ân dem Projekt von Gotthelf Bergsträßer Lob und Anerkennung zukommen. Bergsträßer war während seines Aufenthaltes in Kairo in die ägyptische Universität eingebunden. dass er das Ziel einer Mission verfolgte, läßt sich nach den uns vorliegenden und mir bekannten Quellen n i r g e n d s belegen.

Zu 3: Bergsträsser wurde in der Tat von mir als „Missionsmann“ bezeichnet. Im Nachhinein kann ich verstehen, dass diese Bezeichnung missverständlich war. Gemeint war, wie auch aus dem Kontext zu entnehmen ist, dass er ein Mann mit (militärischer) Mission (= Auftrag) war, und kein christlicher Missionar.

[4] Abraham Geiger hat in seinem 1832 erschienen Werk den Text des Korans an einigen Stellen mit Überlieferungen der jüdischen Tradition verglichen. Von einer „historisch-kritischen Methode“ spricht er n i e. Abraham Geiger gilt als Begründer der jüdischen Reformbewegung, die – lange Zeit vor Entstehung der zionistischen Bewegung – sich mit der Frage beschäftigte, welchen Platz die jüdische Tradition in der modernen Gesellschaft einnehmen solle. Aus Abraham Geigers Sicht gab es zwischen der jüdischen Tradition und der „Lehre Mohammeds“ verbindende Elemente. Der Islam enthielt aus der Sicht Geigers „jüdische Elemente“. Geigers Schrift hat mehr mit der jüdischen Reform zu tun als mit der Erforschung der Geschichte des Islams. Geigers Schrift war auf keinen Fall polemisch ausgerichtet (in Deutschland lebten im Jahre 1832 nur sehr wenige Muslime). Es darf nicht vergessen werden, dass die von Abraham Geiger gegründete Wissenschaftstradition (vgl. auch D.Hartwig u.a. (Hrsg.), „Im vollen Licht der Geschichte“ Die Wissenschaft des Judentums und die Entstehung der kritischen Koranforschung, Würzburg 2008) in der Geschichte des Islams bzw. in der Geschichte der jüdischen Minderheit in der islamischen Welt ein Vorbild gesehen hat, mit der die jüdische Erfahrung im europäischen Mittelalter und der frühen Neuzeit kontrastiert wurde.

Zu 4: Im Zusammenhang mit Abraham Geiger wird immer wieder die kritische Methode zitiert, die er ja zuvor auf die Bibel angewendet hatte. (Hans Liebeschütz (1977): Judentum und deutsche Umwelt im Zeitalter der Restauration, in: Das Judentum in der Deutschen Umwelt 1800-1850, S, 44 / Abraham Geiger (1926): Urschrift und Übersetzungen der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der inneren Entwicklung des Judentums, S. 423ff.) Wenn er sich nun – beispielsweise in seinem Werk „Was hat Mohammed vom Judenthume aufgenommen?“ – darum bemüht hat, die biblischen und nachbiblischen Traditionen im Koran zu identifizieren, dann erklärt es sich fast von selbst, dass die Anfänge der historisch-kritischen Koranforschung bei seiner Person zu suchen sind. (Angelika Neuwirth (2007): Studien zur Komposition der mekkanischen Suren, 2. erweiterte Auflage, S. 5f.)
Auch Frau Neuwirth betonte in ihrem Vortrag in Münster, dass Geiger der Gründervater der kritischen Koranforschung war. Zu dem gleichen Ergebnis gelangt man durch eine Internetrecherche verschiedener Seiten. (www.kulturradio.de/download/…/reformer__gelehrter.file.pdf, S. 11)
(http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc~E1F62B89E4FF7424ABB72957A2F1C7D87~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

[5] Bergsträßer und Pretzl erwähnen a n k e i n e m O r t, dass die das Ziel hatten, (Zitat) „den Nachweis zu erbringen, dass der Koran kein von Gott offenbartes, sondern ein weltliches Produkt sei, und zwar abgschrieben von der Bibel“. Uns liegt k e i n e Schrift von G. Bergsträßer und O. Pretzl vor, aus dem sich ein solches Ziel der Münchener Korankommission ableiten ließe.

Zu 5: Die historisch-kritische Methode klammert den Offenbarungszusammenhang des Korans gänzlich aus. Sie betrachtet ihn als einen weltlichen Text, determiniert durch die spezifischen Umstände von Zeit und Raum. Diese Haltung spiegelt sich in beiden Lagern der deutschsprachigen Koranforschung wider. Die Saarbrücker verstehen den Koran als einen urchristlichen Text, die Berliner hingegen als einen Text, der durch seinen jüdisch-christlichen Kontext historisch determiniert ist.

[6] Mir ist unklar, auf welche Quellen sich der Autor bezieht. Bei unserer noch laufenden Auswertung des Gotthelf-Bergsträßer-Photoarchivs haben wir festgestellt, dass es sich um ca. 450 Filme (Agfa-Film, mit jeweils max. 40 Bildern) handelt, insgesamt enthält das Gotthelf-Bergsträßer-Archiv (vgl. auch den Artikel in der Zeitschrift Trajekte 2009, M.Marx „The Qur'an according to Agfa“) ca. 12.000 (in Worten „z w ö l f t a u s e n d“) Bilder von Manuskriptseiten. Die im Artikel angegebene Zahl von „12000 bis 40000 Manuskripten“ deckt sich nicht mit unserem vorläufigen Befund bei der Arbeit am Gotthelf-Bergsträßer-Archivs.

Zu 6: In der Tat sollen ungefähr 12.000 Manuskripte im Gotthelf-Bergsträsser-Archiv lagern. Die Saarbrücker Gruppe allerdings spricht in ihren Forschungen von 35.000 Manuskripten. Wieder andere Quellen vertreten die Auffassung, einige Journalisten hätten die Anzahl der Manuskripte der Saarbrücker Gruppe mit der Anzahl der Manuskripte im Gotthelf-Bergsträsser-Archiv verwechselt. Englisch- und arabischsprachige Quellen sprechen sogar von 40.000 Manuskripten. Ich persönlich habe nicht die Möglichkeit, diese Angaben zu überprüfen, und für die Begründung meines Artikels war es auch völlig unerheblich, ob 1.000, 10.000 oder sogar noch mehr Manuskripte vorhanden sind. Deshalb nannte ich sowohl die Minimalanzahl (12.000) als auch die Maximalanzahl (40.000). Interessierte erhalten bis heute keinen Einblick in die Fotos der Manuskripte, sondern werden ständig auf das kommende Jahr vertröstet. Angeblich sollen sie nun 2011 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Woran die Veröffentlichung jedes Jahr von Neuem scheitert, bleibt unklar, zumal die UNO längst Bilder der Sana’a-Fragmente im Internet veröffentlicht hat (http://www.unesco.org/webworld/mdm/visite/sanaa/en/present1.html) oder auch die University of Birmingham Koranfragmente aus dem späteren siebten Jahrhundert (http://vmr.bham.ac.uk/Collections/Mingana/Islamic_Arabic_1572/table/).

[7] Ich kenne keinen Vortrag bzw. Schrift von Angelika Neuwirth, in dem gesagt bzw. geschrieben wurde, dass „der Koran nicht vom Himmel herabgesandt worden [sei]“. An dieser Stelle liegt ein bedauerliches Missverständnis vor. In der Tat betrachtet Angelika Neuwirth die Kommunikation zwischen dem Propheten und der ersten Gemeinde und hält sie für zentral bei der Deutung des Korans. Auch im Rahmen unseres Akademienvorhabens Corpus Coranicum interessiert uns dieser Ansatz, und in einem Bereich „Intertexte“ (den Nicolai Sinai und ich selbst als Projektdatenbank „Texte aus der Umwelt des Korans“ konzipiert haben, vgl. dazu Art.: M.Marx, „Corpus Coranicum“, in: D.Hartwig, „Im vollen Licht der Geschichte“…, Würzburg 2008) erforschen wir den spätantiken Hintergrund des Korans (vgl. dazu auch das im Oktober erscheinende Buch Angelika Neuwirths, Der Koran als spätantiker Text, Frankfurt/Berlin , Suhrkamp 2010). Vor den Dokumenten der Umwelt des Textes läßt sich das „Neue“ in der Botschaft des Korans bestimmen. Ob ich dieses „Neue“ als göttliche Offenbarung (oder nicht) bezeichne und deute, ist eine persönliche Frage, die wir im Rahmen des laufenden Akademienvorhabens zwar stellen, aber mit den Methoden der Wissenschaft nicht beantworten können. Innerhalb der konfessionell gemischten Gruppe unserer Projektmitarbeiter würde die individuelle Antwort sicherlich unterschiedlich ausfallen.

Zu 7: Frau Neuwirth sagte in ihrem Vortrag in Münster wörtlich: „Der Koran fiel nicht vom Himmel.“ Dass sie diesen Satz, der ursprünglich von Gerd-Rüdiger Puin (Saarbrücker Gruppe) stammt, gerne und häufig verwendet, lässt sich ebenfalls durch ein einfaches Googeln im Internet feststellen. Da meines Erachtens die Benutzung des Wortes „fiel“ im Zusammenhang mit dem Koran unangebracht ist und in den Ohren vieler Muslime obszön bis subversiv klingt, habe ich mich für das neutralere und weitgeläufigere Verwendung des Wortes „herabgesandt“ entschieden. (http://www.domradio.de/aktuell/artikel_45799.html)
Wenn der Replikverfasser die Mitarbeiter des Corpus Coranicum als konfessionell gemischt bezeichnet, sei hier die Frage gestattet, wie viele der am Corpus Coranicum arbeitenden Wissenschaftler muslimischen Glaubens sind.

[8] Das Akademienvorhaben verfolgt das Ziel einer Textdokumentation, nicht der Erstellung einer kritischen Edition. Für dieses Ziel dokumentieren wir in Projektdatenbanken, von denen ein Ausschnitt in den kommenden Monaten (spätestens Anfang 2011) online zugänglich sein wird. Neben Scans aus dem Bergsträßer-Photoarchiv enthält die Datenbank zahlreiche andere sehr frühe Textzeugen für die Überlieferung des Korans, z.B. die verschiedenen Lesarten des Textes in der islamischen Tradition. Zum Thema der Lülingschen Hypothesen vgl. die Rezension von Nicolai Sinai, „Günter Lülings apokalyptische Koranphilologie“, NZZ 2004. Die Lülingschen Hypothesen von den christlichen Strophenliedern und ihr Einfluss auf dem Koran spielen innerhalb unseres Vorhaben nur eine wissenschaftsgeschichtliche Rolle. Wir nehmen diese Thesen zur Kenntnis, denken aber, dass die Evidenz beim derzeitigen Stand der Dinge, Lülings Thesen sehr unwahrscheinlich bzw. unmöglich macht.

Zu 8: Nun kommen wir zum wohl zentralen Punkt meines Artikels, und zwar auf die Frage, welches Ziel das Corpus Coranicum Projekt verfolgt. Die Worte des Replikverfassers: „Das Akademienvorhaben verfolgt das Ziel einer Textdokumentation, nicht der Erstellung einer kritischen Edition“ sind nach eindeutiger Quellenlage halbwahr und irreführend. Denn sie widersprechen diversen Quellen. Von der Zeitung Die Tagespost nach dem Ziel des Projektes befragt, antwortet zum Beispiel Frau Neuwirth: „Wir werden eine dokumentierte Edition und einen historisch-kritischen Kommentar erstellen.“ (http://www.die-tagespost.de/2008/index.php?option=com_content&task=view&id=100040713&Itemid=3)
In einem Anfang 2010 verfassten Artikel von Nicolai Sinai, einem Mitarbeiter des Corpus Coranicum, werden die Ziele des Projekts folgendermaßen dargestellt:
„[…] die Forscher [arbeiten] weiter, wo der Pionier Bergsträßer wegen eines tödlichen Bergunfalls 1933 aufhören musste – und gehen mit ihren drei Zielen über seinen Ansatz hinaus:
1. die mündliche und schriftliche Überlieferung des Korantextes zu beschreiben,
2. eine Datenbank „Texte aus der Umwelt des Koran“ zu erstellen, die inhaltliche und sprachliche Überschneidungen mit Texten dokumentiert, die den spätantiken Hörern des Koran bekannt waren; außerdem
3. einen historisch-kritischen Kommentar zum Koran zu verfassen.“
(Quelle: Sinai, Nicolai; Kaiser, Helga: Das Projekt Corpus Coranicum. Der Entstehung des Korantextes auf der Spur, in: Welt und Umwelt der Bibel, Ausgabe 1/2010, S. 1-7) Online abrufbar: www.weltundumweltderbibel.de/img/reportage110.pdf

Diese Worte sprechen eine eindeutige Sprache. Umso verdächtiger erscheint der Versuch des Replikverfassers, die Zielsetzung des Projektes zu verschleiern, obwohl man sie doch in öffentlich zugänglichen Medienquellen nachlesen kann: in den Publikationen des Corpus Coranicum ebenso wie auch in weiteren Publikationen. Detaillierte Informationen hierzu finden sich außerdem auf der offiziellen Webseite des Corpus Coranicum Projekts: http://www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/Coran/de/blanko.2009-10-21.7368179641
http://www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/Coran/de/blanko.2009-10-21.9114771895
http://www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/Coran/de/blanko.2009-10-21.6462284406

Es sei hier noch einmal darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse dieser Koranforschung (die ja eigentlich ergebnisoffen sein sollten) schon jetzt feststehen: Wenn es zum Beispiel heißt, der Koran sei ein „in über zwei Jahrzehnten sukzessive gewachsenes Korpus, welches formale, inhaltliche und terminologische Differenzen aufweist und in dem frühere Texte durch spätere Rückbezüge und Ergänzungen vielfach aus- und umgedeutet werden“ (http://www.bbaw.de/forschung/Coran/projektdarstellung), dann lässt das meiner Ansicht nach nur einen Schluss zu: Hier soll etwas bewiesen werden, was die Forscher in Wirklichkeit längst voraussetzen, nämlich dass der Koran angeblich ein Gemeinschaftsprodukt voller Unstimmigkeiten und Widersprüche ist.
Eine Koranforschung mit solch einer Zielsetzung muss sich gefallen lassen, dass ihr politische Motive nachgesagt werden, dass sie eine Art intellektuelle Autorität über die Muslime und den Orient auszuüben versucht. Dies wird insbesondere deutlich, wenn Frau Neuwirth (im Vortrag in Münster) den Muslimen rät, auf einen ontologischen Wahrheitsanspruch zu verzichten. Hier zeigt sich, welches Bild man von den Muslimen hat und wie man sich den Umgang mit ihnen vorstellt.

[9] Die Thesen der „Saarbrücker Forschungsgruppe“ finden in den Arbeiten unseres Projektes nur sehr wenig Zuspruch. Unser Vorhaben hält, im Unterschied zu Ohlig an der Historizität des Propheten fest. Im Unterschied zu Christoph Luxenberg, sehen wir im Koran einen Text, der auf arabisch verkündet wurde. Im Rahmen eines „Spiegel-online Interviews“ habe ich mich zu den Thesen der „Saarbrücker Forschungsgruppe“ geäussert (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,578513,00.html). Angelika Neuwirth, Nicolai Sinai, die anderen Mitarbeiter, sowie die mit uns kooperierenden bzw. im Austausch stehenden Wissenschaftler in England, Frankreich, Iran, Italien, Marokko, Polen, Russland, Tunesien, Türkei lehnen die Thesen von K.-H. Ohlig ebenfalls ab.

Zu 9: Informationen darüber, welchen Einfluss die Arbeiten und Befunde der Saarbrücken Gruppe auf das Corpus Coranicum haben, finden sich u. a. auf der folgenden Webseite unter Punkt 4: http://www.bbaw.de/bbaw/Forschung/Forschungsprojekte/Coran/de/blanko.2009-10-21.6462284406

[10] Ich kann mir nicht vorstellen, dass Angelika Neuwirth in ihrem Vortrag an der Universität Münster die 112. Sure des Korans als (Zitat) „schlechte Kopie“ bezeichnet hat. A. Neuwirth, N. Sinai und ich selbst haben versucht zu zeigen, dass die vier Verse der Surat al-Ikhlas auf das nicänokonstantinopolitanische (vgl. z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Nic%C3%A4no-Konstantinopolitanum) Glaubensbekenntnis der Christen reagiert. Die 112. Sure ist somit keine Kopie der spätantiken christlichen Bekenntnisformel, sondern eine Auseinandersetzung mit der christlichen Lehre, bei der der Koran eine neue, seine eigene Theologie entwickelt. Im Rahmen des „Kommunikationsmodells“ (A. Neuwirth) stellen wir uns eine Gemeinde um den Propheten vor, die mit den jüdischen und christlichen Texten vertraut ist. Der Koran als Text, der durch den Propheten in die Geschichte kommt, setzt sich mit diesen Traditionen der „Zuhörer des Propheten“ auseinander. Vor dem Hintergrund der spätantiken Kenntnisse und Überzeugungen wird das „Neue“ bzw. die neue Theologie des Korans sichtbar. Vgl. zu diesem Thema die 2009 erschienene Publikation A.Neuwirth, N.Sinai, M.Marx, The Qur'an in Context, Leiden 2009.

Zu 10: Während des Vortrages von Frau Neuwirth in Münster wurde eine Tabelle verteilt, die angeblich die jüdischen und christlichen Bezugsquellen der 112. Sure zeigte. Anhand der Ungrammatikalität des Wortes Ahad könne man erkennen, dass das Wort Ahad seinen Ursprung in anderen Texten habe. Viel mehr gibt es hier nicht hinzuzufügen. Der Vortrag in Münster wurde von den Veranstaltern auf Video festgehalten. Eine ungeschnittene Veröffentlichung dieses Filmmaterials zum Beispiel auf youtube wäre sicherlich sehr aufschlussreich.

[11] Wenn die Aussage des Autors stimmt, dass „… Thriller und Intrigen ganz bestimmt keine Prädikate [sind], die einem Forschungszweig zur Ehre gereichen.“ dann würde ich mir an dieser Stelle wünschen, dass Artikel über die Koranforschung der vergangenen zwei Jahrhunderte in Europa und im Nahen Osten in Zukunft ausgewogener ausfallen und noch besser die zu einem Bereich erschienen Publikationen berücksichtigen. Der Hinweis auf die Leistungen des türkischen Gelehrten Tayyar Altikulac, der Faksimilie-Bände der ältesten Koranhandschriften veröffentlicht, ist wichtig. Leider ist es in der Tat so, dass die westliche bzw. europäische Forschung am Text des Korans immer noch zu wenig mit türkischen, arabischen und iranischen Wissenschaftlern vernetzt ist.

Zu 11: Diese letzten Worte des Replikverfassers hören sich verheißungsvoll an, wenn er etwa sagt: „Leider ist es in der Tat so, dass die westliche bzw. europäische Forschung am Text des Korans immer noch zu wenig mit türkischen, arabischen und iranischen Wissenschaftlern vernetzt ist.“ Leider wird dies meiner Überzeugung nach aber auch in Zukunft so bleiben, weil es allem Anschein nach gewollt ist.

Zuletzt sei noch erwähnt, dass die deutschsprachige Koranforschung insbesondere im Hinblick auf das vergangene 20. Jahrhundert mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert. Zum Beispiel wird der mysteriöse Tod von Bergsträsser nach der Machtergreifung der Nazis in englischsprachigen Quellen kontrovers diskutiert. In deutschsprachigen Quellen hingegen wird er seit jeher als Unfalltod abgetan. Das verdächtige Schweigen rund um den Tod des erfahrenen Bergsteigers, sowie das Ausbleiben einer anschließenden Autopsie lassen aber nicht ausgeschlossen erscheinen, dass es sich auch um einen Mord gehandelt haben könnte. Die negative Einstellung des einst im militärischen Geheimauftrag reisenden Orientalisten zu den Nazis war kein Geheimnis.
Ein ähnlich mysteriöses Schweigen umgibt auch die Tatsache, dass das Gotthelf-Bergsträsser-Archiv ein halbes Jahrhundert lang totgeschwiegen wurde. Schließlich wechselte dieses Geheimarchiv in den 1990’er Jahren dann doch noch den Besitzer – freilich mit dem Ergebnis, dass Frau Neuwirth weiterhin schwieg, über 18 Jahre lang. Aus diesen und vielen Gründen mehr liest sich die Geschichte der deutschsprachigen Koranforschung wie ein atemberaubender Thriller voller Intrigen.

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