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Ein amerikanisches Vorbild

Die Krankenschwester Asma Hanif sorgt für muslimische Frauen und lebt mit ihnen. Von Lorena Ruiz/The Muslim Observer

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Asma Hanif ist eine gut ausgebildete und praktisch veranlagte Krankenschwester, die ihr Leben dem Betrieb und Erhalt des ganzheitlichen Gesundheitszentrums Al-Nissa (Al-Nissa Holistic Health Center) widmet. Dabei handelt es sich um eine freie Klinik für Frauen, die obdachlos, unversichert oder Opfer häuslicher Gewalt sind. Hierzu gehört auch Muslimat Al-Nissa, ein Heim für Musliminnen.

Sie interessierte sich für Medizin, als sie Zeugin werden musste, wie ihre Großmutter an einer eigentlich heilbaren Krankheit starb, da sie keine Krankenversicherung hatte. Später wurde Asma Hanif Krankenschwester und gründete ein Zentrum, in dem alle Frauen – ungeachtet ihrer Mittel – Zugang zu hochwertiger Pflege bekommen. In ihrem Ausbildungskrankenhaus bemerkte sie, dass viele Patientinnen respektlos und ohne Verständnis für ihren kulturellen Hintergrund behandelt werden. Sie hörte auch von Musliminnen, die in Heimen Obdach suchen mussten und dort von freiwilligen HelferInnen zu religiösen Konvertierungen gedrängt wurden. Diese Erfahrungen halfen ihr in der Identifizierung jener Dienstleistungen, die gezielt für Musliminnen abgestimmt werden.

Asma lebt in dem Zufluchtsort gemeinsam mit den Frauen, was ihr eine stärkere Widmung ihrer Ressourcen für ihre Arbeit ermöglicht und sie für Rat und Unterstützung zur Seite stehen lässt. Asmas Vision für ihre Arbeit ist klar: „Es begann mit meiner Großmutter. Aber jedes Mal, wenn ich eine weitere Person finde – oder eine andere Kategorie von Individuen, denen ich helfen kann –, füge ich sie hinzu. Sie werden so ebenfalls zum Teil des Projektes.“

Frage: Wie heißt Ihr Ort? Handelt es sich dabei um ein Gesundheitszentrum oder um ein Obdach?

Asma Hanif: Die Organisation heißt Muslimat Al-Nissa, was so viel wie Muslimische Frauenorganisation bedeutet. Das Zentrum ist das Al-Nissa Holistic Health Center (ganzheitliches Gesundheitszentrum Al-Nissa), und Al-Nissa bedeutet „die Frauen“. In Baltimore fand ich ein Mehrfamilienhaus, mietete es und verwandelte es in eine Zuflucht für Frauen, die solch einen Ort benötigen. Weil ich mir nicht gleichzeitig mein eigenes Haus leisten konnte, entschied ich mich, ebenfalls dort einzuziehen. Es war mir einfach nicht möglich, gleichzeitig zwei Häuser anzumieten. So bin ich gewissermaßen wie die Frauen, die hierherkommen. Hier haben wir es mit Frauen zu tun, die weder ein Wanderleben führen, oder die Obdachlosigkeit zu einem Lebensstil gemacht haben. Unser System hat die Aufgabe, jenen zu helfen, die möglicherweise so aussehen, als ob sie nichts in ihrem Leben erreicht hätten. Aber Obdachlosigkeit ist Obdachlosigkeit. Das gleiche gilt für Opfer häuslicher Gewalt. Beides trifft nicht nur eine bestimmte sozioökonomische Gruppe.

Frage: Welche Dienste werden in diesem Haus angeboten?

Asma Hanif: H.O.M.E. (engl. für Haus, Heim) ist eine Abkürzung für Wohnraum (Housing), Beschäftigung (Occupational), medizinisch (Medial) und bildend (Educational). Wir bieten Wohnraum. Wir geben den Frauen die Hilfe, die sie benötigen, um eine Arbeit zu ­finden. Damit die Frauen zu uns kommen können, müssen sie ohne eigenes Verschulden obdachlos geworden sein. Und sie müssen sich um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit bemühen. Um jedoch unabhängig zu werden, braucht man eine Adresse. Ohne kann man sich weder um einen Job bewerben, noch Platz in einer Schule finden. Niemand kann etwas ohne Adresse erreichen. Also bieten wir eine solche. Der medizinische Teil der Abkürzung leitet sich aus unserer Klinik ab. Wenn nötig können die Frauen bei uns medizinische Dienste in Anspruch nehmen. Was die Bildung betrifft, so macht niemand, der zu helfen bereit ist und diese Dienste anbietet, dies zu Hause, sondern kommt in die Klinik. Hier haben wir Klassen, wo die Wiederaufnahme eines geregelten Lebens, Selbstvertrauen, Konfliktlösung und alles dazu Nötige im Mittelpunkt stehen. Ich glaube, dass es falsch ist, wenn ich durch die Gemeinschaft ziehe und Leute um Hilfe bitte. So geht man weg und arbeitet, um Spenden zu geben, während die Frauen zu Hause sitzen und nichts tun. Das ist nicht möglich.

Frage: Sowohl ihre Klinik als auch das Heim sind auf die Bedürfnisse muslimischer Frauen und Kinder ausgerichtet. Aber sie sind nicht ausschließlich für Musliminnen und ihre Kinder, richtig?

Asma Hanif: Das Obdach ist exklusiv für muslimische Frauen. Die Klinik ist es nicht. Wird eine Person zum Opfer häuslicher Gewalt, dann ist das einzige, an dem sie sich oft festhalten, ihr Glaube an Gott. Und so bemühen wir uns sicherzustellen, dass sie diesen haben und gleichzeitig mit anderen zusammen sind, die ebenso fühlen. Ich habe dieses Projekt begonnen, da bei muslimischen Frauen, die solche Einrichtungen durchlaufen, oft der Vorwurf zu hören ist, dass die dortigen Leute versuchen, sie vom Islam abzubringen. Also hat mein Heim nicht das Ziel, exklusiv zu sein – im Sinne von: „Wir sind ­besser als ihr.“ Es richtet sich vielmehr an die besonderen Bedürfnisse, die Musliminnen haben. Fragen: Wie viele Frauen leben in dem Haus?

Asma Hanif: Es hat die Kapazität, 50 Frauen und ihre Kinder aufzunehmen. Momentan ist die Zahl geringer, da ich nicht genug Geld habe, um eine volle Auslastung zu gewährleisten, denn es bedeutet mehr Nahrung, mehr Strom, mehr Wasser… Selbst wenn wir ein bisschen Geld auf die Seite geschafft hätten, wüssten wir nicht, was das Morgen bringt. Eines möchte ich noch sagen. Normalerweise gebe ich keine Interviews. Selbst wenn ich diese Sachen mache, wenn die Welt wüsste, dass ich in einem Obdach lebe… Ich fühle mit den anderen Frauen. Es ist demütigend. Macht man dies öffentlich, so ist es, als stünde man nackt vor der Welt. Die Leute fragen mich, warum ich das dauerhaft mache. Und ich antworte, dass ich fürchte, dass mir Gott am Tag des Jüngsten Gericht sagen wird: „Einer Meiner Diener kam zu dir und du hast ihn abgewiesen.“ Das ist mein Antrieb. Weil man nicht weiß, wer es ist, den Gott auf seinem Weg geschickt hat, damit man ihm helfen kann. Wenn ich die Fähigkeit habe, jemandem zu helfen, dann tue ich das. Das ist Erbe meiner Großmutter. Sie hat niemanden abgewiesen.

Webseite von Asma Hanif – Muslimat Al-Nisa:
mnisaa.org

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