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Ein Betrachtung über einen “Anschlag”. von Khalil Breuer

Kommentar: Dom in Flammen!

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(iz). Deutschland ist alarmiert über angeblich drohende Attentate. Gebäude werden ­abgesperrt, Polizisten mit Maschinenpistolen patroullieren an unseren Bahnhöfen. Ein herrenloser Koffer kann nicht nur ­Verwunderung, sondern Panik auslösen. Es gibt bereits skurrile Handlungsanweisungen über eine neue Wachsamkeit gegen­über unseren Nachbarn. „Arabisch sprechende Touristen sollten lieber nicht mit Rucksäcken reisen“ ist eine der neuen, „logischen“ ­Empfehlungen.

Gleichzeitig werden in den Medien mögliche Anschlagsziele diskutiert: konkrete Gefahrenlagen sehen „Terror-Experten“, zumeist Journalisten mit Online-Anschluss, am Reichstag oder auf den Weihnachtsmärkten im Lande. Städte wie Berlin, München und Köln werden immer wieder genannt. Manche sagen auch Düsseldorf oder Augsburg wären möglich. Das sind banale Binsenweisheiten. Wir hören sie uns täglich an. Mathematiker rechnen mögliche Opferzahlen hoch, Theoretiker fragen nach der Wirkung des Einsatzes von Atomwaffen.

Dann stockt an einem Mittwoch, inmitten der Kampagne gegen den Terror, jedem besorgten Beobachter wirklich der Atem: der Kölner Dom steht in Flammen! Ein Attentäter hatte inmitten des ehrwürdigen Gebäudes einen Brandsatz auf den Altar geworfen. Einfach so. Nicht nur die Muslime in der Stadt machen sich Sorgen: Der Mann hat lange schwarze Haare, kommt er gar aus dem Iran oder Irak? Haben Muslime mit der Attacke auf eines der Wahrzeichen der Christenheit zu tun? Nein, zum Glück nicht. Der Mann ist ein Ire.

Die Reaktionen sind sofort deeskalierend; nicht nur Ire, der Mann ist auch „irre“, liest man mit kalter Distanz in der Lokalzeitung. Sofort wird der Geisteszustand des Mannes als Entschuldigung präsentiert; da es logisch scheint, weiß man es schon bevor der Mann überhaupt offiziell befragt wurde. „Die Treppe“, die kurz in den Flammen loderte, „kann gar nicht brennen“, lernt man in einer wissenschaftlich begründeten Gefah­renprognose. Nun, der arme Ire ist tatsächlich kein Terrorist; und die möglichen Assoziationen mit den Bildern des irisch-christlichen Terrors der IRA verbietet die Vernunft und der Anstand. Es gibt keine Hintermänner. Es war nur ein bedauerlicher Zwischenfall. Ein Zwischenfall, der, wegen des vernünftigen Umgangs mit ihm, keine weiteren Bilder auslöst. Man fragt sich nur, wäre das genau so logisch und rational abgelaufen, wenn der Mann ein Muslim gewesen wäre? Wir wissen es nicht.

Besser zeigt uns der Fall nur, dass es keinen absoluten Schutz gegen „Verrückte“ gibt, die Altäre abbrennen wollen, gegen Attentäter, die versuchen Videospiele an unseren Schulen umzusetzen oder Ideologen, die unsere Städte angreifen könnten. Schutz gibt es nur gegen allgemeine Paranoia. Der Paranoiker, so beschreibt es Manfred Schneider im „Freitag“, ist jemand, der „die Selbstkritik, die Fähigkeit, eine Vermutung erst einmal auf die Probe zu stellen, verloren hat“. Das Attentat in Köln war so gesehen we­der Teil einer allgemeinen Paranoia noch willkommene Vorlage für die Theorien einiger Paranoiker. Es geht also, wenn man will.

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