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Ein Debattenbeitrag in Zeiten des „Islamic Banking“

Wer sind die wirklichen Gelehrten?

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„Wenn der Wolf den Hirten bezahlt, welche Hoffnung besteht dann für die Schafe?“

Wir müssen in logischen Schritten denken: Der Din beruht auf Wissen. Befinden sich die Muslime in der Krise, dann liegt dies entwe­der daran, weil es kein Wissen gibt oder weil es nicht genutzt wird. Wenn wir davon ausgehen dürfen, dass das Wissen das Funda­ment für alles weitere ist, dann müssen wir uns bemühen, uns mindestens so viel aneignen, wie wir für unsere Verpflichtungen in Moscheen, in unseren Familien, auf dem Markt und in der Führung unserer Gemein­schaften brauchen.

Und wir müssen alle anerkennen, denen ein großes Maß davon gegeben wurde. Daher brauchen wir ein Mindestmaß an Wissen, um die Gelehrten verstehen und ihnen ­folgen zu können. Was ist das wichtigste Mittel zur Feststellung, wer diese Menschen – die ­’Ulama – sind? Es ist das Buch von Allah. Es gibt nur eine Stelle im Qur’an, in welcher der Begriff der ‘Ulama benutzt wird. Allah, der Erha­bene, sagt: „Allah fürchten von Seinen Dienern eben nur die Gelehrten. Gewiss, Allah ist Allmächtig und Allvergebend.“ (Al-Fatir, 28)

Der andalusische Qur’ankommentator Ibn Dschuzaij Al-Kalbi aus Granada sagte dazu: „Diejenigen, die Allah, Seine Eigenschaften und die Scharia mit solch einem Wissen kennen, wie nötig ist, dass sie Angst vor Seiner Strafe haben.“ Es gibt ein ähnliches Hadith des Propheten dazu: „Die jenen unter euch mit dem größten Wissen von Allah sind jene, die die größte Furcht vor Ihm haben.“

Imam Al-Qurtubi sagte in seinem Tafsir über den obigen Vers: „Er meint mit den ­’Ulama jene, die Seine Macht fürchten. Denn jeder, der weiß, dass er All-Mächtig ist, weiß ganz genau um Seine Strafe für Handlungen des Ungehorsams [von Allahs Dienern]. So wie ‘Ali ibn Abi Talib es von Ibn ‘Abbas überlie­ferte: ‘Diejenigen, die wissen, dass Allah Macht über alles hat.’ Ar-Rabi’ ibn Anas sagte: ‘Wer Allah nicht fürchtet, ist kein ‘Alim.’ Mu­dscha­hid sagte: ‘Ein ‘Alim ist derjenige, der Allah, den Mächtigen und Majestätischen, ­fürchtet.’ Ibn Mas’ud meinte: ‘Furcht vor ­Allah, erhaben sei Er, ist ausreichendes Wissen. Sich täuschen zu lassen, ist ausreichende Unwissenheit.’“ Hier können wir Imam Maliks berühmte Aussage hinzufügen: „Wissen ist ein Licht, das Allah gibt, wem Er will. Es besteht nicht aus vielen Überlieferungen.“

Allerdings dürfen wir nicht alle unsere Ange­legenheit blind jenen übergeben, die von den Leuten als Gelehrte angesehen werden. Denn wir wissen, dass es immer eine Gruppe gibt, die als „‘Ulama As-Su (die Gelehrten des Üblen)“ bezeichnet werden. Über sie gibt es Äußerungen des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Wehe ­meiner Umma von Seiten der ‘Ulama As-Su’.“ Und in einer anderen Überlieferung heißt es: „Wehe meiner Umma von Seiten der ­’Ulama As-Su’, die das Wissen wie ein Ge­­werbe betreiben. Sie verkaufen es an die Mächtigen ihrer Zeit zu ihrem eigenen Nutzen. Möge Allah ihrem Gewerbe jeden Gewinn verweigern.“

Es setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die wichtigsten Entscheidungen – weder im Westen, noch im Osten – noch in der Politik getroffen werden. Banker, Finanziers und Konzernführer werden immer wichtiger. In Anbetracht dessen, stellt sich die Frage, wer diese vermeintlichen „Gelehr­ten“ heutzutage sind. Könnten es jene sein, die auf dem Gebiet des so genannten „Islami­schen Finanz- und Bankwesens“ arbeiten?

Ein aktueller Artikel über diese ‘Ulama, die in diesem Bereich arbeiten, ergab ­Folgendes: „Es gibt weltweit über 400 Scharia-Gelehrte (!), aber unter ihnen sind nur 15 und 20 prominente und erfahrene. Dies führt dazu, dass diese Gelehrte in mehreren Aufsichtsräten sitzen. Diese führenden 20 Gelehrten halten jeder zwischen 14 und 85 Posten inne. Damit besetzen sie rund 620 Positionen in Aufsichtsräten – oder 55 Prozent der gesamten Industrie. (…) Und dies führt zu schwindelerregenden Gebühren, die an diese Top-Ge­lehrten gezahlt werden. Ein führender Banker eines islamischen Kreditgeber berichtete, dass einigen Gelehrten zwischen 1.000 und 1.500 US-Dollar pro Beratungsstunde ­gezahlt wird – zusätzlich zu jährlichen Honoraren zwischen 10.000 und 20.000 US-Dollar pro Aufsichtsratssitz.“ (Murat Ünal von der Investmentfirma Funds@Work, zitiert nach Reuters) Es geht hier nicht um die Höhe der beteilig­ten Summen, sondern um das Prinzip. Wenn der Wolf den Hirten bezahlt, welche Hoffnung besteht dann für die Schafe? Die Katas­trophe des „Islamic Banking“ und der „Islamic Finance“, die nicht viel mehr sind als Mittel von Superbanken und -firmen, Zugriff auf das Vermögen von Muslimen zu bekommen, wurde durch hilfsbereite Gelehrte befördert. Damit dienen sie Institutionen wie HSBC oder Goldman Sachs, die ihre Plünde­rungszüge auf die islamische Welt und ihre Bewohner ausdehnen.

Jene Gelehrten, die ruhig dabei zusehen und sich nicht zu Wort melden, haben eine Mitverantwortung, da sie diese Aktivitäten durch ihr Schweigen unterstützen. Gelehrte aber, die aktiv an der Schaffung von Halal-Mitteln im Handel mitarbeiten, sind echte ‘Ulama.

Mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt brauchen wir Leute wie in der ersten Gemeinschaft – Menschen des Wissens und seiner Anwendung. Nicht bloß Gelehrte im begrenzten Sinne, wie wir sie heute verstehen. Wie die Prophetengefährten erwarben sie ihr Wissen in der Gesellschaft anderer aktiver Männer und Frauen. (A. Clarke)

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