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Ein Debattenbeitrag von Kashif ul-Huda

Medien lieben „Fatwas“

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Jeder liebt eine schlechte „Fatwa“. Warum auch nicht? Das füllt den leeren Platz der Zeitungen und garantiert dem Fernseher viele Zuschauer. Dies spielt jenen in die Hände, die Muslime als zurückgeblieben darstellen möchten. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Fatwa in der Regel das Leben von Abermillionen Muslimen nicht verändern wird oder dass ihr Text möglicherweise einen ganz anderen Inhalt haben könnte.

Eine „Fatwa“ ist die religiöse Meinung eines Gelehrten zu einer Frage, die ihm von einem Muslim über eine bestimmte Situation gestellt wird, der sie oder er sich gegenübersieht und in der unklar ist, wie man sich im Angesicht der islamischen Lehre hier angemessen verhalten sollte.

Der befragte Gelehrte oder Mufti äußert dann seine eigene Meinung auf Grundlage seines Verständnisses des Islam. Das gleiche macht übrigens auch ein Arzt, wenn er eine Diagnose und eine Therapie auf Grundlage seines medizinischen Wissens äußert.

Beinahe in regelmäßigen Abständen, insbesondere in nachrichtenarmen Zeiten, findet manch umtriebiger Journalist irgendwo auf der Welt eine Fatwa, die dem Stereotyp der zurückgebliebenen Muslime entspricht. Eine Fatwa, die manchmal nur einen Satz lang sein kann, erzeugt unzählige Zeitungsspalten und Unmengen an Sendezeit in Radio und Fernsehen. Oft genug entscheiden die Medienmacher über die Wichtigkeit einer „Fatwa“, wenn sie über die richtigen Schlüsselworte verfügt und die Aufmerksamkeit der Zuschauer beziehungsweise Leser fesseln kann. Viele Zuschauer und Leser garantieren entsprechende Käuferzahlen und dadurch gestiegene Werbeeinnahmen.

Sicher ist, dass Muslime dabei keinen Einfluss auf die Aktionen von Medien haben, aber es bedeutet nicht, dass sie passiv bleiben sollten. Höfliche, aber bestimmte Leserbriefe sollten an die Autoren und ihre Redakteure geschickt werden. Organisationen der muslimischen Gemeinschaften können offizielle Briefe an Chefredaktionen absenden, in denen sie um persönliche Treffen bitten.

Medien sind keine Einbahnstraßen, und sie bewegen sich nicht in einem Vakuum. Heute haben Leser und Zuschauer mehr Einfluss als gemeinhin zugegeben wird. Dieser potenzielle Einfluss sollte genutzt werden, um eine faktentreue Berichterstattung einzufordern. Zu gleichen Zeit können Muslime derartige Episoden als Gelegenheit nutzen, um ihren nichtmuslimischen Kollegen oder Freunden ihre Religion und islamische Lebensweisen zu erklären.

Unsere religiösen Autoritäten sind natürlich nicht vor Kritik gefeit. Aber unsere Gelehrten müssen vielmehr Lösungen anbieten, die im Zusammenhang mit dem modernen Leben stehen, ohne die gesamte Gemeinschaft in eine mittelalterliche Sicht der Religion und der Welt zu ziehen.

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