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Ein Essay von Dipl.-Ing Firouz Vladi

Brauchen wir einen Öko-Islam in Deutschland?

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Dieser Beitrag wurde als Positionen zur Tagung „Wie ‘grün’ ist der Islam? – Umwelthandeln und Klimaschutz aus muslimischer Perspektive“ in der Evangelischen Akademie Loccum, Niedersachsen, am 5.11.2010 vorgetragen und ist hier für die IZ aktualisiert.

(iz). Als Vorstandsmitglied der Schura Niedersachsen, als Geologe und Muslim, mit der Erfahrung privater Mitwirkung in Umweltgruppen und 30 Jahren beruflicher Tätigkeit im kommunalen Umweltschutz, Umweltverwaltungsrecht und Umweltbildung in Südniedersachsen, erwächst aus dem Thema der Tagung „Wie grün ist der Islam“ unmittelbare Verantwortung. Deshalb gilt besonderer Dank der Evangelischen Akademie Loccum, denn das Thema Umweltschutz und Islam muss in Deutschland noch erweckt werden und in der Tat hat diese Tagung im November 2010 Anstöße gegeben!

Vorweg einige provokante Fragen
Hätte der frühe Homo sapiens – wäre er schon Christ gewesen – das Mammut nicht ausgerottet?
Wären Fischer aus Sansibar nachhaltiger auf Walfang gegangen als Fischer aus Nantucket?
Deutsche Flüsse 1970 – 201; die Gewässergüte wurde von Klasse 3-4 auf 1,5-2 angehoben: Wo ist der religiöse Einfluss?
Wer hat gesagt: „Du bist ein Gast der Natur, benimm Dich!“? Diese Erkenntnis scheint mir ganz ohne Offenbarungsreligion daher zu kommen.
Solardach, Fassadendämmung und Dreifachverglasung am Moscheeneubau in Deutschland: motiviert dazu der Islam, das Einsparen von Energiekosten oder zwingt nicht dazu ganz schlicht das moderne Baurecht mit der Energieeinspar-Verordnung?

Vorweg meine These: Wir brauchen keinen Öko-Islam in Deutschland!
In den islamischen Quellen (Qur’an und Sunna) gibt es zwar zahlreiche Prinzipien und Praktiken, die einen ethischen Umgang mit der Schöpfung und konkretes Umwelthandeln (u.a. Naturschutz, Wasserschutz) berühren und anschlussfähig wären für eine Entwicklung von Öko-Islam.

Umweltschutz in seiner komplexen Ursache-Wirkungsbeziehung – denken wir nur an die globale Erderwärmung und den Klimaschutz – erschließt sich eher kaum aus dem qur’anischen Islam; eher noch punktuell aus dem Vorbild des Propheten. Umweltschutz ist aber vielmehr ein Thema praktischer Vernunft und der Erkenntnis mit dem Ziel des Gemeinwohls. Dessen Wahrung und Entwicklung jedoch ist islamisches Gebot.

Die Bewahrung der Schöpfung ist im Qur’an genau so wenig wie in der Bibel ein Leitthema, denn zur Zeit der Textgenese war die faktische Einwirkung des Menschen auf die Umwelt – im Vergleich zu den heutigen Dimensionen – eher gering. Gleichwohl gab es massive Probleme – aber wohl eher ohne Problembewusstsein: die paläolithische Ausrottung von Mammut, Wollhaarnashorn, Höhlenbär, Riesenhirsch und anderen eiszeitlichen Großsäugern, wie oben in der Frage angedeutet, sowie die römische Entwaldung perimediterraner Räume für (Schiff-)Bauholz; dies aber mit bereits gravierenden regionalen Folgen des Klimawandels und der Agrarbedingungen.

Wir müssen also heute nach Argumenten für die Schöpfungsbewahrung im Qur’an geradezu suchen. Dies ist aber Gebot, denn der Qur’an entfaltet seine Wirkung überzeitlich. Die Entwicklung einer schöpfungsorientierten Blickweise – wenn nach ihr Bedarf besteht – steht weitgehend für den Islam in Deutschland aus. Hier kennt jeder Muslim bereits ein zentrales Hadsch-Gebot: im Ihram, also während des Weihezustandes auf der Pilgerfahrt nach Mekka, darf man keine Pflanzen pflücken oder Tiere jagen. Das Sich-selbst-Zurücknehmen wird jährlich im Ramadan eingeübt. Die Sozialabgabe (Zakat) knüpft begrifflich an die Pflicht an, sein Einkommen als Gottesgabe erst dann sich aneignen zu dürfen, wenn man es durch Teilen zugunsten von Bedürftigen „gereinigt“ hat.

In den „modernen“ Gesellschaften dominiert nicht die Erwartung, als höchstes Glück eines jüngsten Tages Gottes Angesicht teilhaftig zu werden; hier stellt sich das „Glück“ durch erfolgreiche Teilhabe am weltlichen Konsum ein. Wie schlimm, dass so viele Muslime im Lande sich auch hier hinein integrieren! Heißt es doch im Qur’an in der Sure Al-Takatur (Das Streben nach Mehr):

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen
Das Streben nach Mehr lenkt euch ab, bis ihr die Gräber besucht.
Aber nein! Ihr werdet es bald erfahren.
Wiederum: Aber nein! Ihr werdet es bald erfahren.
Aber nein! Wenn ihr es nur mit Gewissheit wüsstet! Ihr werdet das Höllenfeuer sehen.
Doch, ihr sollt es noch mit dem Auge der Gewissheit sehen.
Dann werdet ihr, an jenem Tage, nach dem Wohlstand befragt.

Klarer ist aus Qur’an und Sunnah das Gebot der Gerechtigkeit abzuleiten, hier als Anspruch des gleichen allgemeinen Zugangs zu den natürlichen Ressourcen, die wir als Gabe des Schöpfers zu unserem Wohle auffassen dürfen. Dazu gehört horizontale Gerechtigkeit, also zwischen den Menschen heute; mehr noch: Gerechtigkeit in der Zeitachse, also zwischen den Generationen. Im hiesigen Kontext als Nachhaltigkeit bezeichnet, ein frühneuzeitlicher Leitgedanke der deutschen Forstwirtschaft. Generationengerechtigkeit: im Islam lässt sich anknüpfen an das wiederholte qur’anische Verbot des Verbrauchs des Vermögens von Waisenkindern durch Pflegeeltern. Bei näherer Betrachtung finden wir, dass das islamische Familienrecht vorrangig auf die Existenz- und Identitätssicherung der je nachwachsenden Generation, also der Kinder, abstellt. Die Entwicklung der öffentlichen Haushalte lehrt uns, dass unsere Generation jetzt schon auf Kosten der Enkelkinder lebt; die Bankenkrise, eigentlich nur ein Fenster in die Krise der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, hat dies überdeutlich gemacht. Das Zinsverbot im Islam ist ein starkes Argument in der finanzwirtschaftlichen Ausrichtung der Gesellschaft im Hinblick auf mehr Generationengerechtigkeit.

Wenn also der Islam in Deutschland und der „modernen“ Welt etwas zum Umweltschutz beitragen kann, dann ist es vielleicht dieser Gedanke der Generationengerechtigkeit, der als Leitbegriff weiterzuentwickeln wäre. Dies betrifft die nachhaltige Bewirtschaftung erneuerbarer Ressourcen (Holz, Wasser, Landwirtschaft und Fischerei, aber auch Atemluft), aber ebenso die vorausschauende Sicherung der Verfügbarkeit fossiler Ressourcen nach Menge, Wirtschaftlichkeit und Zugang: Öl-Gas-Kohle, Erze, Steine und Erden. Dazu gehört auch die sichere Verwahrung atomarer Hinterlassenschaft.

Gerechte Verteilung knapper Güter
Der Islam nahm seine geschichtlich geographische Entwicklung aus überwiegend ariden Gebieten. Wasser ist Lebenselixier und knapp. Seine Bewirtschaftung, also Gewinnung, gerechte Verteilung, Reinhaltung und sparsame Nutzung als Trinkwasser, besonders aber für die Landwirtschaft stellt stets eine außerordentliche Herausforderung dar. Rechtsgeschichtlich betrachtet, stellt sich das Wasserrecht als das älteste und regional bis heute tradierte Rechtsgebiet der Menschheit dar. Das Wasserrecht wiederum zählt zum Kernbereich des Umweltrechtes. Der Islam hat eigene Rechtselemente mitgebracht und in den Ländern existierende Rechtsordnungen und Technologien übernommen und weiterentwickelt. Zentral ist – neben Reinhaltungsgrundsätzen – die Regelung, wonach Wasser Gemeingut ist und nicht gehandelt werden darf: ein äußerst aktuelles Thema weltweit, aber zur Zeit auch in Impulsen einer diesem zuwider laufenden europäischen Gesetzgebung.

Überragende Beispiel der orientalischen Wasserwirtschaft sind die zum guten Teil noch heute bewirtschafteten Bewässerungsanlagen im maurischen Andalusien, besonders aber die Qanate im Iran. Diese mit unzähligen Lichtlöchern und ausschließlich mit Schlegel und Eisen bzw. Hacke, Kratze und Trog vorgetriebenen „Wasserläufe“ (bergtechnisch für horizontale Stollen zur Wasserführung) entnehmen natürlich gespeicherte Sickerwässer der Schuttfächer von Gebirgsfüßen und führen das i.d.R. ganzjährig verfügbare Wasser als Trink-, Kraftwasser und für die landwirtschaftliche Bewässerung über oft dutzende von Kilometern unter verflachendem Terrain bis in die Siedlungen bzw. Städte. Die Qanate sind mit z.T. 5.000 Jahren weit älter als der Islam, ihre Technik und Bewirtschaftung wurden übernommen und bis heute unverändert weitergeführt. Ein altes Beispiel ist das Qanat von Gonabad, mit einem Mutterbrunnen von 350 m Tiefe und einem Alter von über 2.500 Jahren. Zum Vergleich: der berühmte Ernst-August-Stollen im Westharz (fertiggestellt 1864) misst samt Flügelörtern gut 30 km, etliche Qanate im Iran messen über 60-100 km!

Hinter Verteilungsgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit steht als Ziel der gute alte deutsche Begriff des Gemeinwohls. Als maslaha kommt es im Kontext des islamischen Rechts vor, ja, es ist hier auch als Handlungsgebot zu verstehen. Dies korrespondiert mit dem qur’anischen Verbot der Verschwendung. Damit hätten wir drei starke islamische Triebfedern eingegrenzt: Schöpfungsbewahrung, Generationengerechtigkeit und Gemeinwohl. Eine reine oder anteilige Orientierung an „Natur“, also Natur als Ersatzreligion, ist Schirk!

Umweltästhetik
Natur, heile Natur, die reine Schöpfung ist uns Menschen mit ihrem Sinn für Ästhetik auch stets ein Ort von Schönheit: Wälder, alte Bäume, Seen, der Strand und die Felsen, Berge und Flussauen, artenreiche Grassteppen, Dünen, der Dschungel und die Wüsten, das ewige Eis, die Farben und der Duft der Blumen und Blüten: all dies bezeugt in ihrer Schönheit, Lieblichkeit und Gewaltigkeit den Schöpfer. Der Mensch bedarf solcher Orte und solcher Momente für die Hygiene seiner Seele. Sie verkommt in der Betonwüste. Natur- und Artenschutz, Landschafts- und Naturdenkmalschutz und damit auch die Vorsorge für die Erholung des Menschen in der Natur fallen zutiefst in die Vorstellungswelt des Islam. Man betrachte nur die Szenerien iranischer oder osmanischer Miniaturmalerei, die Vierzeiler Omar Khayyams, das Mathnawi von Rumi, die Kunst und Tradition der Gärten: realiter oder virtuell – auf Teppichen.

Zurück in den Alltag
Den Muslimen in ihrer Mehrheit in Deutschland fehlen in Bezug auf den Umweltschutz weitgehend identitätsstiftende Vorbilder innerhalb ihrer Community. Solche müssen wachsen. Umweltschutz stand – auch infolge der sozialen Genese der muslimischen Gemeinschaften in Deutschland – nicht auf der Agenda der Verbände oder Ortsmoscheen. Auf die Agenda ist aber im Zuge der Integrationsdebatte und des Nachrückens der nachwachsenden Generation in das Bildungsbürgertum hinein das Gebot der Partizipation in zivilgesellschaftlichen Einrichtungen – mithin auch solcher des Umweltschutzes – getreten. Als gläubige Bürger können sich Muslime in vielen solchen Organisationen beteiligen und gute eigene Ideen und Werte einbringen. Auch soweit sie Migranten sind, sind sie nicht Menschen, die noch an einer Religiosität festhalten; als Gläubige handeln sie in dieser Gesellschaft aus ihrer Verantwortung vor Gott, durchaus im Sinne der Präambel des Grundgesetzes. Hierzu die Muslime und ihre Jugend zu erziehen, das ist eine exzellente Aufgabe im Spannungsfeld zwischen öffentlichen Bildungsträgern, Landesverband und Mitgliedgemeinden.

Was könnte Schura Niedersachsen für einen grünen Islam in Niedersachsen leisten? Gäbe es etwa Leuchtturmprojekte? Ziel wären vorrangig Bildung und daraus abgeleitet eine Partizipation von Muslimen und ihren Gemeinden mit Umweltverbänden:

Ausloten der Potentiale für einen „Grünen Islam“ im Kontext der derzeit laufenden Verhandlungen der muslimischen Verbände mit dem Land über den Abschluss eines Staatsvertrages.
Entwicklung eines umfassenden Halal-Gedankens in Bezug auf die Ernährung und ihre Produktionsbedingungen: „Jeder Ort ist ein Schlachthaus und jeder Tag ist Ramadan!“ könnte man in Anlehnung an eine andere islamische Parole ausrufen. Das heißt: eine sozial, umwelt- und gesundheitsgerechte Ernährung über das ganze Jahr – auch im Sinne von Enthaltsamkeit – und tierschutz-, flächen- und klimaschutzorientierte Fleischproduktion und ein ebensolcher, durch Zurückhaltung geprägter Fleischkonsum. Strikt halal geschächtet, aber voller Masthormone, Schadstoffe und transportbedingten Leidens? Viel Fleisch – Wohlstand – man ist angekommen! Rund um die Uhr in jedem Supermarkt die viele Meter lange Kühltheke mit billigem Fleisch und z.T. undurchsichtigen Fleischprodukten. So etwas hat es in der ganzen Geschichte der Menschheit noch nie gegeben! Morgens den Schalter mit bismallah umgelegt und zigtausend Hähnchen laufen bis Feierabend durchs nach Mekka ausgerichtete Elektromesser: halalzertifiziert, aber was hat dieser Fleischrausch mit Islam zu tun? Sollten wir nicht – als Vorbild für die ganze Gesellschaft – die Ernährungsweise des Propheten (s.a.s.) vorleben, der auch in guten Zeiten seinen Magen nie ganz füllte: „Ein Drittel Essen, ein Drittel Trinken, ein Drittel Luft“. Wie oft hat unser gesegneter Prophet überhaupt Fleisch gegessen, der uns doch sonst in allem als Vorbild gilt?
Schächtverbote in Deutschland führen zu unnötigen Tiertransporten, deutsche Schafhalter unterliegen der neuseeländischen Konkurrenz, überschüssiges, aber natur- und artenschutzwürdiges Grünland bedarf der Beweidung; hier sollten niedersächsische Schafzüchter und muslimische Verbraucher an einem Strang ziehen; sie haben gemeinsame Interessen!
Verbandsintern kann der Umweltschutzgedanke, auch durch Berufung eines/einer Umweltbeauftragten im Vorstand fest institutionalisiert werden, wie dies schon seit vielen Jahren bei den Kirchen bewährte Praxis ist.
Rahmenvereinbarungen mit Umweltverbänden mit Rückkopplung an die Schura-Mitglieder, also die Moscheevereine, zur Entwicklung von Modellprojekten und zur Umweltbildung.
Dazu kann auch die modellhafte Entwicklung einer „grünen“ Moschee gehören, etwa als zukünftige großstädtische zentrale Haupt- oder Freitagsmoschee. Umweltschutz findet draußen statt: Muslime in der Zuwanderungsgesellschaft leben extrem urban. Exkursionen in die niedersächsische Landschaft, also qualifizierte Führungen zu Natur, Umwelt, Heimat und regionaler Geschichte für alle Generationen sind hilfreich. Wo sie stattfinden, ist das Echo stets positiv.
In der islamischen Tradition hat die Gartenbaukunst hohen Stellenwert; hier ist – gerade auch für Menschen aus agrarischem Milieu – ein weites Betätigungsfeld. Gute Erfolge liegen ja mit internationale Schrebergärten vor: Integration und Umweltinformation beim Plausch überm Gartenzaun.
Schon banal ist die Vermittlung haushaltsnaher Alltagsinformationen: Infos und Beratung etwa über Mülltrennung (Grüner Punkt), Wasser- oder Energieeinsparung (Drosseln, Heizungsventile) kommen besser an, wenn sie mehrsprachig vorgelegt und in die Tiefe der Haushalte – gern auch durch Auslage in Moscheen – verteilt werden.

Vorweg stand meine These: Wir brauchen keinen Öko-Islam in Deutschland! Damit wollte ich überzogene Hoffnungen dämpfen. Aber wir brauchen Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen. Mir gab dies vor 25 Jahren ein Buch des britischen Paläontologen Dougal Dixon: „After Man“, in dem der Autor die Entwicklung der Stammbäume und Arten nach dem Aussterben der Hominiden recht linear fortschrieb. Damit kommen wir zur Übereinstimmung mit dem Qur’an: Der Mensch ist nur ein Teil, ein austauschbarer Teil der Schöpfung. Vögel, Pflanzen: Alles hat sein Gebet. Damit sagt Gott auch: wir können Sein Schöpfungswerk nicht vernichten, nicht beeinträchtigen. Seine Schöpfung ist größer. Wenn es die Menschen eines Tages nicht mehr gibt: nichts, aber auch gar nichts wird im ganzen Universum davon Notiz nehmen. Der wahre Islam kennt kein anthropozentrisches Weltbild. Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt der Schöpfung und ist nicht Ziel der Schöpfung, ist nicht Gottes Abbild. Gott sagt im Qur’an sinngemäß: Wenn ihr Menschen versagt, ersetze Ich euch durch eine andere Schöpfung. Nur eine Statthalterschaft wird erwähnt, unsere Aufgabe ist es, in dieser die Pflicht zur Verantwortung und zum Respekt vor der Schöpfung zu sehen, aus Liebe zum Schöpfer.

Wir sehen, Islam ist ein Kern von Umweltschutz. Dessen Umsetzung in konkretes Umwelthandeln beruht aber auf den besonderen Geschenk Gottes an die Menschheit: der Vernunft. Deshalb habe ich – um am Beispiel der Bewältigung des sansibarischen Dynamitfischens in tropischen Korallenriffen zu bleiben – „Bauchschmerzen“, das bessere Handeln aus konkreten und im islamischen Recht fixierten Begriffen festzumachen, hier wird aus der Vernunft abgeleitetes Handeln sekundär im Islam eingeordnet. Der Islam wird zum Vehikel; die Umsetzung wird den Ulema als örtlichen Multiplikatoren schmackhaft gemacht, wenn man ihm nur viel islamischen „Stallgeruch“ verleiht. Wenn es der Umwelt zuliebe funktioniert, dann soll es im Einzelfall so sein. Mir scheint der Islam dort vergewaltigt, wo wir das klare Sprechen aus Erkenntnis und Vernunft hintanstellen.

Denken und Handeln aus Vernunft bedarf eines soliden Fundaments aus Wissen, mithin Bildung. Bildung ist die Voraussetzung für eine innere Freiheit im Denken zur Erlangung von Erkenntnis, religiöser wie wissenschaftlicher. Bildung ist ein Menschenrecht. Der Islam aber stellt nicht nur auf Rechte ab, er kennt auch Pflichten. Bildung ist im Islam eine Pflicht, für die Gemeinschaft und jedes Individuum.

Ob das umweltwidrige Handeln haram – oder im Deutschen gar Sünde – ist und wie es im theologischen Diskurs mit Folgen belegt ist, das wäre eine Aufgabe von Forschung. Hier einen Weg umwelttheologischer Rechtfertigung für Deutschland zu finden, das wird eine reizvolle Aufgabe für die neu eingerichteten Lehrstühle für Islamische Studien, etwa in Osnabrück, Münster, Frankfurt oder Tübingen.

„Noch heutigen Tages verlässt der Iranier, sooft er nur kann, die Stadt und lässt sich in der weiten, sandfarbenen Ebene, die für ihn das Land darstellt, mit einem neuen Teppich und einem Samowar an einem Bächlein nieder. Wenn er dann in seinem Garten aus Wolle, dem einzigen farbigen Flecken weit und breit, neben seinem dampfenden Wasser sitzt und Gedicht von Hafiz rezitiert, möchte er mit niemandem auf der Welt tauschen.“ (A. Godard: Die Kunst des Iran.;Berlin 1964; S. 171.)

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