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Ein Kommentar Von Khalil Breuer

Ägypten: Terror unter falscher Flagge

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(iz). In Ägypten – und in Tunesien – vollziehen sich im Augenblick enorme Umwälzungen. Dieser gemeinhin als „Revolution“ bezeichnete Hungeraufstand bindet seit Wochen die Aufmerksamkeit vieler, weckt die Hoffnung anderer und lässt westliche Politiker schlecht aussehen. Trotz des permanenten Blicks auf die Vorgänge in Kairo herrscht erstaunliches Desinteresse an einem Skandal im Ägypten, der sich noch unter der Herrschaft Mubaraks abspielte: Drehen wir die Uhr zurück, so dominierten erschütterte Reaktionen auf den Anschlag gegen eine koptische Kirche die Schlagzeilen. Außen­po­litiker warnten – wie immer – vor einem Erstar­ken des ­Extremismus, und die Groß­kirchen setzten sich mit ihren Forderungen nach mehr Rechten für verfolgte Christen medienwirksam in Szene.

So mancher Unionspolitiker nutzte die Verbrechen auch, um schon bisher reaktive muslimische Strukturen weiter in die Defensive zu treiben. Neben der ad nauseum vorgetragenen Forderung, man möge sich doch dis­tanzieren (was von Seiten der Verbände getan wurde), karrten die Konservativen nach: Deutschlands Muslime müssten sich für Rechte von Christen in der muslimischen Welt engagieren. Warum werden wir eigentlich für Vorgänge im Ausland haftbar gemacht, wenn wir doch gleichzeitig die hiesige Leitkultur annehmen sollen?

Jetzt heißt es nun aus mehreren Quellen, dass das blutige Verbrechen nicht von ­“gewaltbereiten Islamisten“ geplant ­wurde, sondern von Vertretern des ägyptischen Geheim­­dienstes – einer „unserer“ bisherigen Ver­­bün­deten im Antiterrorkampf. So kommt ­Ägyptens Übergangspräsident vom Militärgeheimdienst. Menschenrechtler ­gehen davon aus, dass Omar Suleiman auch gerne einmal bei der Folterung von Terrorverdächtigen selbst mit Hand anlegte. Nach Presse­berichten, die sich auf ­britische Geheim­dienstmeldungen beriefen und die durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bestärkt wurden, ermittelt man jetzt gegen den Ex-Innenminister El-Adly. Ziel sei es gewesen, „Islamisten“ zu beschuldi­gen, um einerseits noch drastischer gegen sie vorgehen zu können und andererseits sich weiterhin der Unterstützung des Westens zu versichern. In den letzten Jahren soll sein Ministerium eine Sondergruppe aus „ehemaligen radikalen Islamis­ten“, Dealern und privaten Sicherheits­unter­nehmen aufgebaut haben, deren Aufgabe Sabotageakte unter falscher Flagge ­waren. Demnach habe ein Geheimdienstmajor eine extremistische Splittergruppe dazu angestiftet, das Attentat zu verüben – eine klassische „false flag operation“ also.

Ganz abgesehen vom widrigen Vorgang selbst und der Tatsache, dass das jetzt ­desavouierte Regime Mubarak – trotz oder wegen seiner Foltertechniken – der beste ­Ver­bündete Deutschlands war, wirft diese tat­sächliche Verschwörung einen düsteren Schatten auf diverse Terrorpläne und Terrorakte. So manch investigativer Journalist hegte ­bereits seit Langem den Verdacht, wonach es viele Terrorakte ohne Geheimdienstbeteiligung gar nicht gäbe.

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