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Ein Kommentar von Khalil Breuer über die Debatte und muslimische Hintergründe zur Doppelten Staatsbürgerschaft

Doppelte Identität?

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„Es ist für die Gemeinschaft der in Deutschland lebenden Muslime wichtig, das die islamischen Grundlagen nicht von kultureller Romantik verdrängt werden.“

(iz). Der SPD-Vorsitzende Gabriel hat ein feines Gespür für Stimmungen. Mit seinem Plädoyer für die Ermöglichung doppelter Staatsbürgerschaft in Deutschland sichert er sich klug die Zustimmung einer bedeutenden Minderheit bei den nächsten Wahlen.

Türkischstämmige MitbürgerInnen fordern schon lange die doppelte Staatsbürgerschaft. Die Motivationen für diese Position sind sehr unterschiedlich. Es geht um rechtliche Vorteile und die Verhinderung von Nachteilen, zum Beispiel im Erbschaftsrecht. Es geht vielleicht auch in dem einen oder anderen Fall um materielle Gesichtspunkte. Das Kalkül ist klar: Jahrzehnte nach dem Export türkischer Arbeiter nach Deutschland floriert die Türkei und könnte die Europäische Union sogar eines Tages wirtschaftlich überholen. Es wäre eine gewisse Ironie, wenn nun „Gastarbeiter“ aus Deutschland, deren Großeltern einst aus Anatolien kamen, nun mit einem fremden Pass in die Türkei immigrieren müssten.

Die Forderung nach doppelter Staatsbürgerschaft steht aber auch für das Unbehagen und das Gefühl, in Deutschland trotz großer Integrationsbemühungen und besten Sprachkenntnisse noch immer nicht willkommen zu sein. Viele Schilderungen, die auch dieser Zeitung vorliegen, erzählen über schmerzliche Erfahrungen des Alltagsrassismus, sei es bei der Wohnungssuche oder am Arbeitsplatz. Diese persönlichen Erfahrungen überlagern manchmal auch die vielfältigen Bemühungen des deutschen Staates, gute Bedingungen für eine erfolgreiche Integration zu schaffen.

Eine besondere Rolle spielen die praktizierenden Muslime in dieser Debatte. Viele Muslime trauen den aktuellen Verhältnissen nicht, wollen ihren Glauben ausüben, ohne dem Gefühl deswegen Verdächtigungen ausgesetzt zu sein. Darüber hinaus ist die islamische Position, dass nicht die Herkunft eines Menschen, sondern das Sprachvermögen entscheidend für die Identität eines Menschen ist. Als Muslim akzeptiert man das Schicksal einer neuen Heimat – mit natürlichen Herausforderungen, Vor- und Nachteilen – gefunden zu haben. Dieser neuen Aufgabe muss mit ganzem Herzen nachgegangen werden.

Gerade die Forderung muslimischer Verbände nach der doppelten Staatsbürgerschaft – Organisationen, die selbst praktisch noch immer nur aus einer Ethnie bestehen – können in der Öffentlichkeit missverstanden werden. Insbesondere sie müssten doch klarstellen, dass eine neue Generation von Muslimen Teil von Deutschland sein wollen und dass das Kriterium der Herkunft gerade auch für sie immer unwichtiger wird.

Nach Jahrzehnten islamischer Arbeit in Deutschland sollte an Visionen des Islam in diesem Land auch kein Zweifel mehr bestehen. Es ist für die Gemeinschaft der in Deutschland lebenden Muslime wichtig, das die islamischen Grundlagen nicht von kultureller Romantik verdrängt werden.

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