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Ein Kommentar von Laila Massoudi zum Thema „Anerkennung“

Eigentlich keine Frage

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(iz). In den letzten Wochen diskutierten deutsche Muslime unter anderem engagiert über die Frage, ob und auf welche Weise sich die Community um Anerkennung bemühen müsste. Anlass war eine jüngste Kampagne. Initiiert ­wurde diese vom Berliner Jugendprojekt Juma (Jung, Muslimisch, Aktiv). Der Ansatz fand in den sozialen Netzwerken wie Facebook nicht nur viel Zustimmung, sondern auch teils ­Kritik. Diskutiert wurde unter anderem, ob es für Muslime produktiv oder gar angemessen sei, in der Öffentlich­keit gezielt um „Anerkennung“ zu werben.

Als Menschen – unabhängig unseres Hintergrundes oder unserer Überzeugungen – wollen wir geliebt werden. Wenn wir nicht geliebt werden können, wollen wir gehasst werden. Nichts ist dem Selbst des Menschen so schwer, wie nicht zur Kenntnis genommen zu werden. In die gesell­schaftliche Ebene hinein übersetzt, motiviert dieser Wunsch nach Liebe natürlich auch den Wunsch nach Anerkennung. Problematisch wird der Ansatz, nach Anerkennung zu suchen, wenn er keine innere Entsprechung in seinem Kern mehr hat.

Auch für uns Muslime ist Anerkennung, oder auch Annahme, durchaus von Bedeutung. Es ist bekanntermaßen das Bestreben eines prakti­zierenden Muslims oder Muslima, dass seine oder ihre Handlungen von Allah ­angenommen werden. Allen überspannend ist natürlich die Hoffnung auf die Annahme unseres gesamten Lebens bei unserem Tod und am Tag der Abrechnung. Auch aus diesem Grund war es oft das Bittgebet, selbst der größten Gelehrten wie Maulana Rumi, dass Allah sie im Islam ­halten möge und mit der Schahada – dem doppelten Glaubensbekenntnis ­– sterben lasse.

Offenkundig ist also der Wunsch nach Anerken­nung unseres Lebens und unserer Taten durchaus im Din angelegt. Zu hinterfragen ist aber die nur gesell­schaftliche Form, wenn ­essenzielle Elemente fehlen oder unverstanden bleiben. Dazu gehört , beim wichtigsten anzu­fangen, und das Nötige zu tun, dass die musli­mische Commu­nity in Deutschland als Ganze von ­Allah Aner­kennung findet. Danach – und bevor wir uns an die Öffentlichkeit wenden, die allzu oft der einzige Bezugspunkt ist – sollten wir uns vielleicht vor allem um die innermuslimische Anerkennung bemühen, oder? Hier liegt noch recht viel im Argen. Und, last but not ­least, es braucht am Ende auch eine funktionierende Realität, die Anerkennung beanspruchen kann. Reine PR wird da nicht ausreichen.

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Laila Massoudi

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