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Ein Kommentar von Sulaiman Wilms

Am Ende nur noch Glaubensfragen?

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(iz). Blicken wir in die Welt hinaus, sehen wir uns mit monumentalen Schicksalsfragen für die menschliche Gattung konfrontiert. Der angekündigte Klimawandel, Artensterben, die Zukunft unserer Ressourcen und das tektonische Finanzbeben; all dies stellt unsere Art – unabhängig unseres jeweiligen „Glaubens“ – vor gewaltige Herausforderungen. Ob wir diese insgesamt (auf)lösen können, bleibt offen.

Vis-à-vis der Probleme, die durch das technologische Projekt hervorgerufen wurden, sollte man meinen, dass es ein Segen wäre, wenn wir „Glauben“ oder „Religion“, hinter uns ließen. Dies ist zumindest die permanente Botschaft an uns Muslime. Rationalität, so eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf, müsste doch das geeignete Werkzeug sein, jenen Herausforderungen zu begegnen, denen wir uns gegenüber sehen. Ironischerweise sind es gerade die grundlegenden Probleme unserer Zeit, die mittlerweile die Gestalt von „Glaubensfragen“ angenommen haben.

In einem Zeitalter, in dem es auch Berufspolitikern schwer fällt, sich angesichts von Aktenflut und zu wenig Zeit eine fundierte Meinung zu bilden, bevor sie in eine wichtige Abstimmung gehen, stehen wir absurderweise oft vor der irrationalen Grundfrage: „Bin ich dafür oder dagegen?“ Informationsflut und unfundierte Meinungen, verstärkt durch die virtuelle Welt des Internets, haben mit Sicherheit nicht zu unserer Ermächtigung geführt.

Unsere komplexe und strukturelle Ordnung erlaubt es gar nicht mehr, dass die vielbeschworene „Rationalität“ noch zum Einsatz kommen kann. Ein Beispiel (unter vielen) ist das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan. Bekanntermaßen ist die Mehrheit der Deutschen gegen die Beteiligung am Krieg. Aber selbst kritische Experten warnen, dass ein sofortiger bedingungsloser Abzug der westlichen Armeen vergleichbare oder gar noch schlimmere Folgen haben könnte. Und so wundert es nicht, dass unsere Politiker, die ja handlungsfähig sein wollen, nur zu reagie­ren scheinen – anstatt zu agieren. Aber wider­spricht dies nicht der Doktrin, wonach der Mensch im Zeitalter jener „Ratio­nalität“ der Handelnde sein will?

Wie rational – im wohlverstandenen Sinne – ist dagegen der Mensch, der sich fünf Mal täglich vor seinem Schöpfer, dem Herrn der Welten, niederwirft. Ein Mensch, der weiß, dass er Teil der Schöpfung ist und nicht ihr Herr. Der Anfang des Islam ist Glauben, dann folgt Gewiss­heit und an seinem Ende steht echtes Wissen. Bemerkenswerterweise erwächst aus diesem uranfänglichen Glauben ein Verhaltensmuster, das uns lehrt, wie wir uns in der Welt bewegen müssen, um sie nicht zu zerstören und um den Zweck unserer Existenz zu erfüllen.

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