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Ein kurzer Abriss über die Gebetsstätten unseres Kontinents. Von Prof. Nevzat Yalcintas

Moscheen in Europa (2)

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(iz). Eine der wichtigsten Entwicklungen in europäischen Staaten, die zur Gründung neuer Moscheen führte, war die Einwanderung massiver Arbeitskräfte in diese Länder. Zum Ende des 2. Weltkriegs lag Europa in Ruinen. Insbesondere Frankreich und Deutschland verloren durch Luftangriffe und schwere Kriegsumstände einen Teil ihrer Infrastruktur. Die Städte wurden unbewohnbar, während die Industrie schwer zu leiden hatte. Diese Situation führte zu gemeinsamen Anstrengungen mit Hilfe der USA: Die demokratischen Länder Europas begannen einen aktiven Wiederaufbau und einen Prozess der Neuerrichtung ihrer Industrie. Die Bemühungen um eine Union der Europäer haben diese Entwicklungen befördert.

Diese neue Rekonstruktion wäre nicht möglich gewesen, hätte man einen Teil der Arbeitskraft nicht aus anderen Orten geholt. Wegen der destruktiven Folgen des Weltkriegs verfügten viele europäische Staaten nicht über die notwendige Arbeitskraft zum Wiederaufbau ihrer Industrien. Die Lösung für diese Probleme wurde in Ländern in der Nähe der westeuropäischen Staaten gesucht. Und so wanderten viele Arbeitskräfte aus Nordafrika oder der Türkei nach Europa ein. Die Arbeiter aus diesen Ländern waren Muslime und wollten entsprechend ihres Glaubens und ihrer Traditionen leben.

Türkische Gastarbeiter gingen vor allem nach Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Schweiz. Sie wollten Moscheen als ihre Orte der Anbetung haben. Sie unterstützten den Bau solcher Moscheen mit ihrer D-Mark, ihren Franken und Schillingen, die sie sich von ihren bescheidenen Einkünften ersparten und gründeten die ersten Moscheen in den 60er Jahren, die in europäischen Städten eine nach der anderen eröffnet wurden. Diese beispielhaften Anstrengungen der türkischen Arbeiter wurden von der Türkischen Stiftung für Religiöse Angelegenheiten unterstützt. Wenn notwendig, finanzierte diese direkt den Bau von Moscheen. Die mir vorliegenden Zahlen des Ministeriums für Religiöse Angelegenheiten ergeben, dass sich die Menge solcher Moscheen auf 800 beläuft, von denen 445 in Deutschland errichtet wurden.

Moscheen neuer Muslime

Eine neue Sache ereignete sich in europäischen Ländern, welche die Herzen von vielen Muslimen in aller Welt erfreute: Europäer gehen zurück zu ihren Wurzeln und werden Muslime. Die Kinder dieser neuen Muslime sind gebürtige Europäer, die in Haushalten leben, wo der Islam praktiziert wird. Dies ist die Segnung Allahs für Europa und für die Menschheit. Unsere muslimischen Brüder, die den Islam als ihre Religion gewählt haben, eröffnen neue Wege für den Islam in der heutigen Epoche.

Und so erwachsen an verschiedenen Orten Europas neue muslimische Bevölkerungen. Diese neuen muslimischen Gemeinschaften brauchen Moscheen, in denen sie ihr Gebet verrichten können. Ohne Zweifel liegt die wichtigste dieser Moscheen für die Gebete dieser jungen, neuen muslimischen Bevölkerung im spanischen Granada, die ein leuchtendes Beispiel für die islamische Moscheearchitektur ist. Dieses wunderschöne Gebäude symbolisiert das Wiedererscheinen der islamischen Wurzeln, von denen geglaubt wurde, dass sie 1492 in Spanien zerstört wurden.

Der 10. Juli 2003 war ein unvergessliches historisches Datum für die europäischen Muslime – 511 Jahre, nachdem der Islam in Andalusien ausgelöscht wurde und die Muslime gezwungen waren, Spanien zu verlassen. An diesem Tag wurde die erste Moschee, die von spanischen Muslimen in Granada gebaut wurde, mit Rezitationen des Qur’ans, dem Gebetsruf und vielen wichtigen Ansprachen eröffnet. Dies ist in vielerlei Hinsicht ein neuer Anfang. Die neue Moschee Granadas ist die erste Moschee, die von neuen Muslimen Europas gebaut und geleitet wird. Das von der Moschee kommende Gebet symbolisiert die Wiedergeburt einer muslimischen Gemeinschaft, Zivilisation und Kultur, die einmal viele Jahrhunderte in diesem Land anwesend war.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass die finanziellen Mittel der europäischen Muslime für den Bau von Moscheen begrenzt sind. Im Lichte dieser Tatsache ist es eine unausweichliche Notwendigkeit, dass die anderen Muslime ihnen helfen und sie unterstützen. Einzelpersonen und Institutionen, unabhängig davon, wo sie sind, müssen unseren muslimischen Brüdern in Europa helfen, wie es in Granada der Fall war. Dies könnte es den muslimischen Gemeinschaften ermöglichen, ihre eigenen Moscheen zu erwerben, wo dies notwendig ist.

Funktionen der Moscheen

Vor allem anderen sind Moscheen geschützte Orte, in denen Muslime Allah gemeinschaftlich anbeten. Die primäre Funktion von Moscheen dient diesem Zweck. Es ist unpassend, hier profane Themen und Geschäfte zu verhandeln, zu kaufen und zu verkaufen, und ähnliche Themen in Moscheen zu debattieren, die mit ihren Kernaufgaben nichts zu tun haben.

Des Weiteren zählt zu den Aufgaben der Moscheen die Steigerung des Wissens innerhalb der Muslime und sie Qur’an und die Hadithe zu unterrichten. Die Lerntradition der „Suffa“, die von unserem Propheten in seiner Moschee in Medina begründet wurde, haben seine Edlen Gefährten aufgegriffen.

Wir dürfen niemals vergessen, dass Moscheen geschützte Orte sind, unabhängig ihres Ortes in der Welt oder ob sie beeindruckende oder bescheidene Ausmaße haben. Muslime sollten sich immer um ihre Moscheen kümmern. Unser Prophet wies darauf hin, dass die drei folgenden Moscheen von den Muslimen besucht werden sollten:

• Die Masdschid Al-Haram und die Ka’ba in Mekka

• Die Masdschid An-Nabawi in Medina, welche die gesegneten Überreste unseres Propheten beherbergt

• Die Masdschid Al-Aqsa in Al-Quds

Die ersten beiden Moscheen werden von Muslimen besucht, wenn sie ihre Pilgerpflichten erfüllen oder Mekka während einer Umra besuchen. Die Al-Aqsa Moschee hingegen kann derzeit wegen der herrschenden Umstände nur von einer bestimmten Menge Muslime besucht werden.

Wir sollten uns kurz den Dienstleistungen zuwenden, welche von unseren Moscheen – seien sie groß oder klein – der muslimischen Gemeinschaft angeboten werden. Jede Moschee, insbesondere in Europa, sollte die folgenden Aufgaben erfüllen, die derart zusammen gefasst werden können:

Anbetung. Die vorrangige Funktion der Moschee ist die Anbetung Allahs. Unabhängig der Rechtsschule gibt es nur diesen Ort der Anbetung. Alle Moschee sind zur Ka’ba in Mekka ausgerichtet. Im Islam unterscheiden sich die Ausrichtungen der einzelnen Moscheen nicht.

Ort der Begegnung. Moscheen sind Orte, an denen sich alle Muslime ungeachtet ihrer Kultur oder Nationalität begegnen und Solidarität entwickeln können. Muslime begegnen sich in Moscheen, entwickeln dort soziale Beziehungen und heiraten an diesen Orten – dies lässt die muslimischen Gemeinschaften stärker werden. Erwachsene, Jugendliche und Kinder können an gemeinschaftlichen Aktivitäten auf Grundlage ihrer Interessen beteiligt werden. Diese Form der Begegnung muss keinesfalls auf Muslime beschränkt blieben, sondern kann sich auch auf andere soziale Gruppen beziehen.

Erziehung. Zur gleichen Zeit dienen sie als Orte der Ausbildung in verschiedenen Gebieten. Diese Aktivitäten können Religion oder verwandte Themen behandeln.

Bewahrung von Kultur und Traditionen. Die muslimischen Gemeinschaften und Völker haben kulturelle Eigenschaften und Gebräuche, die ihnen eigen sind. Muslime, die eine Gemeinschaft um eine Moschee herum aufbauen, sind viel mehr in der Lage dazu, diese Werte zu bewahren und sie leichter an die kommenden Generationen weiterzugeben. Beförderung des Islam. Als Orte der Anbetung, Erziehung und als Kulturzentren sind Moscheen die geeignetsten Orte, um unseren Din jenen Menschen vorzustellen, welche den Islam und seine Botschaft nicht kennen. Es gibt viele Menschen, die zum Islam fanden, weil sie darüber in einer Moschee informiert wurden. Nach dem Wiederaufbau und der Einweihung der Moschee in Tokio haben viele japanische Besucher der Moschee den Islam angenommen.

Beziehungen zwischen Staaten. In Europa gibt es viele Muslime, die aus unterschiedlichen muslimischen Ländern kamen und die heute als Gemeinschaften in Europa leben. Diese Gemeinschaften und Menschen sammeln sich um die Moschee und helfen durch verschiedene Veranstaltungen bei der Verbesserung der Beziehungen zwischen Europa und ihren Herkunftsländern.

Empfehlungen

Im Lichte dieser Ausführungen und bei Berücksichtigung der Eigenschaften der europäischen muslimischen Gemeinschaften können die folgenden Empfehlungen gegeben werden:

• In Europa sollte jede muslimische Gemeinschaft ab einer bestimmten Größe in Besitz ihrer eigenen Moschee sein. Kleinere Gruppen im Umkreis einer solchen Gemeinde sollte sich näher auf dieses Zentrum zubewegen.

• Große Aufmerksamkeit sollte auf den Unterhalt und die Sauberkeit unserer Moscheen gelegt werden – wir sollten versuchen, sie ästhetisch ansprechend zu gestalten.

• Die Moscheen müssen vollkommen in die sie umgebenden muslimischen Gemeinschaften integriert sein. Es muss dazu Programme geben, die diesem Zweck dienen.

• Moscheen müssen in der Lage sein, als Zentren für Gemeinschaftsaktivitäten in den Bereichen Erziehung, Kultur und Sport zu dienen.

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