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Ein Markt für Frauen und Kinder

Schwerpunkt Menschenhandel: Das Verbrechen ist ein milliardenschweres ­Geschäft geworden. Von Baher Kamal

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Foto: Imagens Evangélicas, flickr

(IPS). Es geschieht in diesem Augenblick. Millionen Menschen sind gezwungen, vor bewaffneten Konflikten, Klimawandel, Ungleichheiten und extremer Armut zu fliehen. Dadurch werden sie leichte Beute für lauernde Menschenhändler. Die Schmuggler unterwerfen andere Menschen der sexuellen Ausbeutung, der Zwangsarbeit und verkaufen sogar ihre Organe.

Ebenso tragisch ist, dass 79 Prozent aller bekannten Opfer der Verbrecher Frauen und Kinder sind. Das geht aus einem aktuellen Bericht des UN-Büros für Drogen und Kriminalität (UNODC) über den weltweiten Menschenhandel hervor.

Das Drama dieser Taten ist enorm. Dieses „riesige Verbrechen“, wie es die UN anlässlich des Welttages gegen den Handel mit Personen am 30. Juli bezeichneten. Während Sie das lesen, findet es auf öffentlichen „Sklavenmärkten“ statt. So ist es heute nicht unmöglich, in Ländern wie Libyen Plätze zu sehen, auf denen afrikanische Migranten „gehandelt“ werden.

Das Kaufen und Verkaufen von Migranten ist ein großes Geschäft. Faktisch ist der Menschenhandel zu einem weltweiten milliardenschweren Geschäft geworden. Beinahe jedes Land sei davon betroffen, meint UNODC-Exekutivdirektor Yury Fedotov. Heute gäbe es Millionen Menschen, deren Freiheit, Würde und grundlegende Menschenrechte gestohlen wurden. Sie würden in sexuelle Ausbeutung, Zwangsarbeit, häusliche Dienste, Banden-Bettelei, Diebstahl und online-Pornografie gedrängt. Von manchen werden sogar die Organe verkauft.

Dieses infame Geschäft ist weit davon entfernt, geringer zu werden. Im Zeitraum von 2012 bis 2014 wurden mehr als 500 unterschiedliche Handelsströme festgestellt. Nach UNODC-Angaben wurden in den Ländern West- und Südeuropas Opfer aus 137 unterschiedlichen Staaten festgestellt. Der UNODC-Bericht fasst es kurz zusammen: „Das Verbrechen des Menschenhandels tritt beinahe überall in Erscheinung.“

So weit die verschiedenen Varianten dieses Verbrechens betroffen sind, käme es am häufigsten zu sexueller Ausbeutung und Zwangsarbeit, heißt es in dem Bericht. Jedoch könne der kriminelle Menschenhandel durchaus auch andere Formen annehmen: Opfer werden gezwungen, betteln zu gehen. Sie werden in Scheinehen gezwungen. Müssen Sozialbetrug begehen. Werden in Pornografie gedrängt etc.

Viele Staaten haben die meisten Formen dieses Verbrechens unter Strafe gestellt. Das wurde im UN-Protokoll für den Menschenhandel vorgesehen. 2016 ist die Zahl der Länder, die dies getan haben, auf 158 gestiegen. Solch ein Zuwachs sei wünschenswert. Er habe auch geholfen, die Opfer zu stärken und Schleuser zu verfolgen, berichtet Fedotov. „Unglücklicherweise bleibt die durchschnittliche Zahl der Verurteilungen gering. UNODC-Erkenntnisse ergeben, dass ein enger Zusammenhang zwischen dem Alter der bestehenden Gesetzgebung in den Gesetzbüchern und der Verurteilungsrate besteht.“

Die Vereinten Nationen definieren Menschenhandel als ein Verbrechen, dass Frauen, Kinder und Männer aus verschiedenen Zwecken, inklusive Zwangsarbeit und Sex, ausbeutet. Die Internationale Arbeitsorganisation  (ILO) schätzt, dass weltweit 21 Millionen Menschen Opfer dieses Deliktes zum Zwecke der Zwangsarbeit und sexuellen Ausbeutung sind.

Nach Angaben des „Globalen Berichts über Menschenschmuggel“ sei beinahe jedes Land der Erde davon betroffen – ob als Ursprung, als Zwischenstation oder als Ziel für die Opfer. Kinder würden beinahe ein Drittel aller Betroffenen ausmachen.

In diesem Jahr hat UNODC beschlossen, den Fokus dieses Welttages dem Schutz und der Hilfe für die Betroffenen zu widmen. Zu den diesjährigen Themen gehörte auch einer der drängendsten Aspekte dieser Frage: die gemischten Bewegungen von Flüchtlingen und Migranten.

Das Thema wirft ein Schlaglicht auf die bedeutenden Folgen von Konflikten und Naturkatastrophen sowie auf die resultierenden, vielfältigen Risiken des Menschenhandels, denen viele ausgesetzt sind. Und es adressiert die Schlüsselfrage in der Antwort auf dieses Verbrechen: Die meisten Menschen würden niemals als Opfer des Menschenhandels identifiziert. Daher können sie auch nicht auf vorhandene Hilfs- und Schutzangebote zurückgreifen.

Im gleichen Kontext erinnerte die führende UN-Agentur für Migration, die Internationale Organisation für Migration (IOM), dass sie seit Mitte der 1990er Jahre gegen den Handel mit Menschen kämpft. Weltweit habe die IOM mehr als 90.000 betroffenen Menschen geholfen. „Sicherstellung von Freiheit und eine Chance auf ein neues Leben. Die IOM hilft bei sicherer Unterkunft, medizinischer und psychosozialer Unterstützung sowie freiwilliger Rückkehr und Reintegration.“

Zu diesem Ziel arbeite die UN-Agentur mit Regierungen, dem Privatsektor, zivilgesellschaftlichen Organisationen und anderen UN-Einrichtungen zusammen. Das Ziel sei der „Schutz von Opfern des Menschenhandels und verwandten Formen von Ausbeutung und Missbrauch“. Außerdem wolle man verhindern, dass es überhaupt zu solchen Verbrechen komme.

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