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Ein Muslim in seiner Moschee

Die geschlossenen Gebetsreihen verhindern die soziale Erosion der Menschen. Von Hadsch ‘Isa Bryce

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Foto: Khalil Mitchell for Visualaurum

(iz). Der Muslim und die Moschee, ein Mensch und ein Gebäude. Jemand, der sich seinem Schöpfer unterwirft und ein Gebäude, in dem er oder sie sich niederwirft. Die ursprüngliche Handlung des Muslims, und daher des Menschen, ist die Niederwerfung vor seinem Herrn. Das ist der Zeitpunkt und Ort, an dem der Mensch dem Barmherzigen und seiner eigenen Wirklichkeit am nächsten ist.

Unter den Menschen gibt jene, die das anerkennen und solche, die es zurückweisen. Beide leben in der gleichen Welt – aber auf sehr unterschiedliche Weisen. Der Muslim hat ein Buch, ein Vorbild, und strebt danach, sein Leben entsprechend beider zu führen; die in Wirklichkeit eins sind. Derjenige, der einen Schleier zwischen sich und die Wahrheit platziert, glaubt an sein überlegenes Wissen. Genauer gesagt, will er nicht der ver­fügbaren Rechtleitung, sondern seiner Meinung folgen. Natürlich hat jeder Mensch an all diesen Dingen ein bisschen Anteil. Generell überwiegt aber der ­Gehorsam oder die Rebellion bei dem einen oder dem anderen. Allah prüft die einen durch die anderen: den Iman des Muslims und die Zurückweisung des­jenigen, der die Wahrheit verhüllt.

Die Moschee, der Raum der Niederwerfung und der Versammlung, ist der Ort, an den Muslime gehen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Wer sie betritt, verlässt diese Welt. Einer der Gründe, warum nutzloses Gerede zwischen ihren Wänden unbeliebt ist. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte, dass das Gebet (arab. as-salat) der Aufstieg des Muslim (arab. mir’adsch) von dieser Welt in den Himmel ist.

Die gleichnamige Himmelsreise des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, brachte ihn von Mekka nach Jerusalem und dann hinauf durch die sieben Himmel. Das Endziel war die größtmögliche Annäherung an seinen Herren, den jegliches Wesen – Mensch, Dschinn oder Engel – erreicht oder erreichen kann. In diesem Moment wurde uns das Gebet als Geschenk gegeben. Diese Reise des Gesandten war der Punkt, an dem und zu dem er alles erhielt und vollkommen mit Allah zufrieden war. Zur gleichen Zeit erhielt er das Gebet für seine Gemeinschaft; das Fundament für alle guten Handlungen der menschlichen Art.

Der Akt der Salat in der Moschee ist die Basis einer jeden muslimischen ­Gemeinschaft. Die erste Sache, die der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, nach seiner endgültigen Ankunft in der erleuchteten Stadt Medina einrichtete, war der Ort, an dem die Moschee gebaut werden sollte – danach folgte der Markt. Eine Gemeinschaft dreht sich darum, dass die Muslime von ihrer jeweiligen Tätigkeit kommen und sich vor Allah niederwerfen.

Der Mensch ist zu so viel Übel und Zerstörung fähig. Daher ist es nötig, dass er im Dienst an Allah verankert ist. Das Gebet in der Moschee ist Eckstein einer gerechten und barmherzigen Gesellschaft. Ohne sie mag ein Soldat Völkermord begehen, ein Händler betrügen und andere in den Ruin treiben, ein Führer kann durch den Reichen verderben und dabei die Armen strafen und Familien können missbraucht und vernachlässigt werden. Mit dem Gemeinschaftsgebet in der Moschee werden die Herzen auf­geweicht und der Andere beachtet. Ein Muslim in der Moschee, der täglich seine Pflicht aufrichtig in Demut vor Allah erfüllt, bringt die Welt in Ordnung. Allah wird ihn und andere vor seinem niederen Selbst schützen sowie durch ihn Mit­gefühl und Redlichkeit hervorbringen. Allah sagt in Seinem Edlen Qur’an: „Wahrlich, das Gebet hält davon ab, das Schändliche und das Verwerfliche zu tun. Und das Gedenken Allahs ist wahrlich größer.“ (Al-Ankabut, 45)

Traditionell lag die Moschee immer neben dem Marktplatz – diese Welt und die nächste, Seite an Seite. Wenn ein Muslim die Moschee verlässt, den Ort, der nichts mit der weltlichen Existenz zu tun hat, betritt er augenblicklich das Gewühl jener Welt, die nur in Beziehung zu den Bedürfnissen und dem Verlangen der täglichen Existenz steht. Es ist die Bewegung zwischen beiden und was von der einen in die andere gebracht wird, welche den Muslim und seine Gemeinschaft formen.

Lässt er/sie die Welt hinter sich, wenn er/sie die Moschee betritt, oder wird das Gebet mit beziehungslosen Ängsten und Begierden verunreinigt? Bringt er/sie die Ruhe und Klarheit von seinem/ihrem Gebet in die weltlichen Transaktionen, um so Gerechtigkeit und Barmherzigkeit hervorzubringen? Offenkundig ist das eine Erinnerung. Warum sonst sollten wir fünf Mal am Tag beten? In einer Erläuterung der Salat verglich der Gesandte, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, diese mit dem Waschen in einem Fluss in der gleichen Häufigkeit. Er ­fragte, ob die Person danach schmutzig bleiben könne. Darüber hinaus erwähnte der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, dass das Gemeinschaftsgebet in der Moschee 27 mal ­größer ist als jedes andere. Das ist ein Hinweis darauf, dass die fünf mal tägliche Salat hinter dem Imam in einer Gemeinschaftsmoschee eine weitaus größere ­Wirkung hat als das Gebet alleine oder das an einem anderen Ort.

Ein Echo der geschlossenen Reihen, von denen Allah im Qur’an spricht, ist der Moment, wenn der Imam zum Schließen etwaiger Lücken in den Gebetsreihen aufruft – dies verhindert die Trennung zwischen den Menschen und schließt den Schaitan aus. Das ist wichtig für eine Gemeinschaft. Dass die Menschen durch die Liebe zu Allah und Seinen Gesandten in einer sozialen Transaktion vereint sind. Das dortige Verhalten strahlt dann auf den Marktplatz aus, sodass die Verbindung der Menschen mit ihrem Herrn nicht durch Gehorsam gegenüber jenen Herren kompromittiert wird, die nicht Allahs Regeln folgen.

Es gibt genauso wenig ein virtuelles Gebet, wie es keine virtuelle Freundschaft gibt. Alles, was in der heutigen Gesellschaft rapide Erfolg hat, führt zu einer Trennung der Menschen. Das Wesen unserer Existenz besteht notwendigerweise in einer Anstrengung. So testet ­Allah uns, um unsere Eigenschaften hervorzubringen. Die moderne Technologie soll alles erleichtern und bequem machen. Wenn man das akzeptiert, hat man anderswo zu kämpfen. Dieser Prüfung können wir nicht entkommen. Sie wird nur in eine andere Arena verlagert, wo sie vielleicht noch schwerer zu überwinden ist. Wir verlieren unsere Energie im ­gleichen Maße, wie sich der Akku unseres Telefons entlädt. So verlieren wir die Energie, rauszukommen und mit an­deren in einen Austausch zu treten.

Die Gemeinschaft, die sich Allah in der Moschee zuwendet, ist eine Heilung und ein Gegenmittel. Das ist keine gute Wahlmöglichkeit, sondern Notwendigkeit. Denn die Welt, in der wir leben, zersetzt sich mithilfe der Technik in ­einem rapiden Maße; eine Leiche, die beinahe vollkommen kompostiert wurde – vorbereitet für neues Wachstum. Und Islam ist die einzige Frucht, deren Pflanzung lohnt. Personifiziert wird sie durch die Muslime, die ihrem Herrn Schulter an Schulter gegenüberstehen.

Jede Moschee ist Teil eines enormen Netzes, das alle durch eine einzige Gebetsrichtung verbindet. In jedem Augenblick wird das Gemeinschaftsgebet ­irgendwo auf dem Globus eingerichtet. Es breitet sich in Wellenform vom Hause Allahs in Mekka aus. Egal, wie groß ­irgendeine Gemeinschaft ist – ob eine ländliche Lehmhütte in Mali oder ein ­risiger osmanischer Bau von Mimar Sinan –, so ist sie Teil eines Gewebes, das niemals damit aufhört, unseren Schöpfer anzubeten. Man kann von Moschee zu Moschee an entlegene Orte reisen, und sich dort wie zu Hause zu fühlen.

Jedoch ist eine Moschee nicht irgendein Gebäude, auch wenn es so bezeichnet wird. Denn Allah warnt uns davor, dass manche am Rande des Feuers gebaut sind. Teil der Definition einer Moschee ist, dass sie mit ihrem eigentlichen Beginn auf dem allumfassenden Respekt vor ­Allah gebaut ist. Das heißt, die Muslime, die sie errichten, müssen Allah fürchten und dürfen dabei keinerlei anderweitige Motive haben, als Allahs Wohlgefallen anzustreben. Außerdem müssen sie Seine Anbetung ihren muslimischen Geschwistern ermöglichen, sowie das Verständnis fördern, dass der alleinige Besitz bei Allah liegt. So wie die Mutter aller Moscheen das Haus Allahs, die Ka’ba, ist, sind alle Moscheen die Häuser Allahs.

Auch wenn es andere Strukturen gibt, die sich auf das Studium und die Erinnerung Allahs spezialisieren, wie es Madrassen und Zawijjas (oder Tekken) tun, so ist die Moschee auch ein Ort des ­Lernens – vielleicht auf einer allgemeineren und grundlegenderen Basis. Die großen Imame hatten dort ihre Orte des Lehrens sowie ihre SchülerInnen. Und diese Praxis hält bis heute an.

Allah hat den Menschen zu seinem Sachwalter (arab. khalif) in dieser ­Moschee gemacht. Er hat uns eine Verantwortlich übertragen, für welche der Mensch sich rechtfertigen muss. Gemeinsam mit dieser Bürde hat er Propheten gesandt. Mit all den Einzelheiten und dem Vorbild dessen, was Er von uns möchte. Die Belohnung dafür ist groß, aber – das liegt an der Wichtigkeit – das Ignorieren der Befehle bringt einen schweren Preis mit sich. Der Muslim in der Moschee legt das Fundament für Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Allahs Zufriedenheit. Möge Allah uns das ­Verlangen, die Stärke und das Durchhaltevermögen geben, unsere Aufgabe zu erfüllen.

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