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Ein neues Zuhause für die Hamburger Al-Nour-Moschee

Die ehemals evangelische Kapernaum-Kirche in Hamburg ist zur Moschee umgebaut worden. Am 26. September wird sie offiziell eröffnet. Von Michael Althaus

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Foto: Al-Nour-Moschee | Facebook

Hamburg (KNA). Dass die neue Moschee der islamischen Al-Nour-Gemeinde einmal eine christliches Gotteshaus war, ist besonders von außen noch deutlich zu erkennen. Fast sechs Jahre lang ist die ehemals evangelische Kapernaum-Kirche im Hamburger Osten umgebaut worden. Der Glockenturm mit roten Ziegelsteinen hat wenig Ähnlichkeit mit einem Minarett, das Schiff mit seinen Betonpfeilern erinnert an die typischen Kirchbauten der 1960er-Jahre. „Außen Kirche, innen Moschee – das war immer unser Motto“, sagt der Vorsitzende des Moscheevereins, Daniel Abdin.

Seine als gemäßigt geltende Gemeinde trifft sich derzeit noch in einer umgebauten Tiefgarage im Bahnhofsviertel Sankt Georg. 1993 von sieben Libanesen gegründet, kommen heute zu den Freitagsgebeten regelmäßig 2.500 Muslime verschiedener Nationen; aus Platzmangel wird in zwei Schichten gebetet. Viele Jahre suchte der Vorstand nach einem neuen Gebäude und wurde schließlich fündig, als die ehemalige Kirche im Stadtteil Horn in einer Online-Immobilienbörse zum Verkauf stand. Sie war 2002 entwidmet und 2005 an einen Unternehmer veräußert worden, der sie sieben Jahre später für eine hohe sechsstellige Summe an die Al-Nour-Gemeinde weiterverkaufte.

Die ursprünglich für Oktober 2013 geplante Eröffnung verzögerte sich mehrmals. Der Umbau gestaltete sich schwieriger als gedacht, unter anderem wegen Problemen mit dem Denkmalschutz und bei der Gründung des Fundaments. Die Kosten stiegen von 1,5 Millionen auf rund 5 Millionen Euro. Der Großteil der Summe stammt aus Spenden; 1,1 Millionen Euro steuerte der Staat Kuwait bei, der regelmäßig Moscheebauten im Ausland unterstützt. Die Sanierung des Turms sowie der Bau einer neuen Fassade sind noch nicht abgeschlossen. In einem Nebenraum macht der Gemeinde noch ein Wasserschaden zu schaffen, sodass der Einzug wohl erst gegen Jahresende erfolgen wird.

Der Gebetsraum, in den eine Empore für die Frauen eingezogen wurde, ist jedoch schon fertig. Ein reich verzierter Teppich, eine Predigtkanzel und arabische Schriftzüge an den Wänden verleihen ihm den Charakter einer Moschee. Doch auch hier erinnert ein Relikt an die ehemalige Kirche: Auf den Buntglasfenstern leuchtet bei genauem Hinsehen ein gelbes Kreuz.

Das Projekt hatte bei Bekanntwerden im Jahr 2013 für bundesweites Aufsehen gesorgt. Es handelt sich um das erste Gotteshaus aus dem Bereich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das zu einer Moschee umgewandelt wurde. Der damalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider nannte die Veräußerung der Kirche ein „Missgeschick“ und eine Zumutung für jene Menschen, die sich mit dem Gotteshaus identifiziert hätten. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sagte, eine Austauschbarkeit von Christentum und Islam sei nicht im Sinne eines guten interreligiösen Dialogs.

Daniel Abdin betont, die Moscheegemeinde sei das Projekt mit viel Fingerspitzengefühl angegangen: „Wir wollen den christlichen Brüdern und Schwestern nicht auf den Schlips treten.“ Viele der damaligen Kritiker seien inzwischen verstummt. Einen Anschlag von Anfang September, bei dem Unbekannte die neue Moschee mit fremdenfeindlichen Parolen beschmiert hatten, hält er für einen Einzelfall. „Ich mache mir deshalb keine Sorgen.“

Ganz im Sinne des Symbolcharakters solle das Gotteshaus zu einem Ort interreligiöser Begegnung werden. Führungen und Vorträge für Schulklassen und Gruppen, die die Gemeinde schon jetzt in Sankt Georg anbiete, sollten beibehalten werden. Einmal im Monat würden die Nachbarn zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Zum bevorstehenden „Tag der offenen Moschee“ am 3. Oktober würden die Türen für jedermann „ganz weit offenstehen“.

Auch wenn die neue Moschee künftig Hauptsitz der Al-Nour-Gemeinde werden soll – ihre Tiefgarage im Zentrum will sie vorerst als Treffpunkt behalten. In den neuen Gebetsraum passen laut Abdin nur 400 bis 500 Menschen, sodass das Platzproblem nicht gelöst ist. Zudem sei der Stadtteil Sankt Georg ein sozialer Brennpunkt, aus dem man sich nicht zurückziehen wolle. „Wir werden auch dort weiter nach geeigneten Räumen suchen, um vom Tiefgaragen-Image wegzukommen.“

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