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Ältester islamischer Friedhof in Deutschland wird 150 Jahre alt

Ein spiritueller Magnet

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Foto: Ömer Sefa

Berlin (KNA) Schiefstehende, verwitterte Grabsteine reihen sich aneinander, viele sind mit Pflanzen überwuchert. Die arabischen und osmanischen Schriftzüge sind unleserlich, nur manchmal kann der Betrachter einen Halbmond erkennen. Im Innenhof der Berliner Sehitlik-Moschee liegt der älteste islamische Friedhof Deutschlands. Am 29. Dezember vor 150 Jahren wurde er eröffnet.

Seiner Gründung ging ein denkwürdiges Ereignis voraus. „Durch Berlin rollt ein großer, von vier Pferden gezogener Leiterwagen. Auf der Ladefläche steht, mit grünem Tuch bedeckt, ein schlichter Holzsarg. Auf dem Wagen sitzen fremdartig gekleidete Gestalten, die von Zeit zu Zeit Geldstücke unter die den Straßenrand säumende Menge werfen“, heißt es in den „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins“ über das Begräbnis des osmanischen Botschafters Ali Aziz Efendi Ende des 18. Jahrhunderts.

Efendi war der erste ständige Gesandte der osmanischen Hohen Pforte am Preußischen Königshof. Einen Ruf machte er sich vor allem als Schriftsteller und Mystiker. Als der Gelehrte 1798 starb, erwarb König Friedrich Wilhelm III. ein auf der Tempelhofer Feldmark gelegenes Areal. Dieses stellte er dem Osmanischen Reich als Begräbnisstätte zur Verfügung. Ein weiterer osmanischer Gesandter wurde dort schon bald nach den Sitten des islamischen Glaubens beerdigt.

1854 mussten die Grabstätten dem Neubau einer Kaserne weichen. Deshalb schenkte König Wilhelm I. dem Osmanischen Reich das heute als Friedhof dienende Gelände am Columbiadamm. Die Überreste der Verstorbenen ließ die muslimische Gemeinde im Dezember 1866 feierlich in einer religiösen Zeremonie überführen.

„Eine Einweihung gibt es bei uns nicht. Nennen wir es einfach die Eröffnung des Friedhofs“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Sehitlik-Gemeinde, Ender Cetin. Er bezeichnet den Friedhof im Innenhof der Moschee aufgrund dessen Geschichte als „eine Art spirituellen Magneten“. Überhaupt spiele der Besuch bei den Toten für gläubige Muslime eine wichtige Rolle. „Die Toten gehören zu uns und sind als Teil der Gemeinde präsent.“

Verschiedene Persönlichkeiten haben ihre letzte Ruhestätte auf dem alten Friedhof gefunden: eine Prinzessin aus dem Iran, ein kasachischer Freiheitskämpfer und ein Anhänger der im Iran verfolgten Bahai-Religion. „Und Familienmitglieder der ersten Gastarbeiter wurden hier bestattet“, erzählt Cetin. 1963 gab die Stadt Berlin der türkischen Gemeinde auf dem benachbarten Garnisonsfriedhof ein Areal auf dem alten Friedhof. Seit den 1980er Jahren gilt auf dem gesamten Gelände wegen Platzmangel eine totale Beisetzungssperre.

Dass die Grabstätte dennoch nicht in Vergessenheit geriet, ist auch der Sehitlik-Moschee zu verdanken, die die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) im klassisch osmanischen Stil errichten ließ. „Sehitlik“ bedeutet auf Türkisch Märtyrer. Der Name erinnert an die gefallenen türkischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg an der Seite Deutschlands und Österreichs kämpften.

Seit 2004 zieht die Moschee zahlreiche gläubige Muslime an. Ausdrücklich möchte sich die Gemeinde auch für andere Besucher öffnen. Moscheeführungen gibt es auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Ungarisch und Französisch. Diese Offenheit dürfte ganz im Sinne von Ali Aziz Efendi sein, der einst festhielt: Jeder findet in sich selbst einen Weg zu Gott, den vor ihm noch niemand beschritten hat.

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