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Ein Stück Andalusien für Schottland

Das Al-Andalus Gemeindezentrum in Glasgow ist als Treffpunkt für die ganze Gemeinschaft gedacht

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Foto: Al Andalus Centre

(iz). Von außen betrachtet sieht es unscheinbar aus. Tritt man hinein, eröffnet sich eine Welt des Zusammenkommens. Das Al-Andalus Gemeindezentrum in Glasgow ist als Treffpunkt für die ganze Gemeinschaft gedacht, Jung und Alt, Muslime und Nicht-Muslime, sollen hier zusammenkommen und im ständigen Austausch miteinander sein. Ohne Zwang, ohne Agenda und ohne Berührungsängste. Der Name wurde diesem Zweck gemäß gewählt, in Anlehnung an das muslimische Andalusien, in dem Muslime, Juden und Christen in Harmonie zusammenlebten und eine gemeinsame Kultur bildeten.

Das Innenleben ist mannigfaltiger, als es der erste Blick erwarten lässt. Erst beim Eintreten entfaltet sich seine Größe. Das Gebäude umfasst einen Vorlesungssaal, in dem Vorträge und Events abgehalten werden. An den Wänden sind dezente, andalusisch-islamische Verzierungen zu sehen. Zunächst wollten die GründerInnen des Zentrums alles im ursprünglichen Gebäude verändern, haben aber schließlich einen Weg gefunden, Bestehendes mit Neuem zu verbinden und so den alten Charme des Gebäudes zu erhalten und ihm einen Touch maurischer Kunst zu verleihen.

Es gibt eine Sporthalle, in der unter anderem Judo, Karate und andere Kampfkünste unterrichtet werden. Die Halle wird auch für Events wie den „Eco Friendly Fun Day“ oder die ‘Id-Feierlichkeiten genutzt. Des Weiteren findet man mehrere Klassenräume und einen Gebetsraum. Es gibt verschiedene Kurse, die nach Altersgruppen eingeteilt sind. Das Angebot erstreckt sich auf Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In den Kursen werden unter anderem Arabisch, Qur’anrezitation, Islamwissenschaft und verschiedene Sprachen unterrichtet. Die Gruppengrößen werden überschaubar gehalten und der Unterricht dauert nicht allzu lang, auf dass die Lernenden nicht zu überfordert sind und die Aktivitäten als eine weitere Last im Alltag empfinden. Für SchülerInnen werden die Kurse nach der Schule angeboten.

Ein kleiner Schatz, eine Oase der Ruhe dieses Zentrums ist der Meditationsraum, in dem der Besucher sich erholen, lernen und ein wenig Stille im sonst so hektischen Alltagsleben finden kann. Madinah, eine junge Frau, die hier die Qur’anrezitation für Kinder anbietet, finde es wichtig, Menschen die Möglichkeit zu geben, zuzeiten etwas Ruhe einkehren zu lassen und eine Pause zu machen.

Im Gebetsraum angekommen, verspürt man sogleich die Segnungen des hier stattfindenden Gemeinschaftsgebets. Die spirituelle Kraft des Ortes erfüllt die Atmosphäre. Die islamische Kunst an den Wänden befördert dieses Gefühl. Die Mädchen aus der Gemeinschaft schöpften aus ihrer Kreativität, um den Wänden eine persönliche Note zu verleihen. Die Bilder sind schlicht und stilvoll gehalten. Zweifelsohne ist der Gebetsraum das Herzstück des Gebäudes. Beim Tarawwih und anderen Gemeinschaftsgebeten wird er von den Herzen der Gläubigen ausgefüllt. Kufische Kalligrafie im Mihrab bringt einen Hauch Andalusiens und Afrikas in den Norden Europas. Die Verschmelzung der Kulturen, die im Islam vereinigt werden, scheint gelungen. Der Betende fühlt die Balance, den die Menschen dieses Zentrums zu vermitteln versuchen.

Das Projekt hat auch ökologische Aspekte. Auf Recycling wird pedantisch Wert gelegt und es wird ein bewusster Umgang mit Natur und Konsum gelehrt. Eine Mitarbeiterin verrät, dass viele durch das hier stattfindende Angebot bereichert und aufgeklärt heimkehrten und es reichlich positives Feedback zu den „grünen“ Aktivitäten gäbe.

Die Gründerin des Zentrums sagt, es gehe ihnen um Ganzheitlichkeit. Islam umfasse das gesamte Leben und dies solle das Gebäude widerspiegeln. Alle Aspekte des Lebens sollen darin ihren Platz haben. Selbstverständlich seien alle willkommen und die Macher sehen sich als Ansprechpartner für alles, was Interessierte gerne wissen, hören und sehen wollen. Da Islam eine Einladung sei, wolle man die Umgebung mit Großzügigkeit und Wohlwollen empfangen. Es gebe weder ethnische, nationale noch geschlechtliche Barrieren – alle seien willkommen und wirken mit.

Es ist geplant, das Zentrum so weit zu bringen, dass es sich durch die Einkünfte der verschiedenen Aktivitäten und Events selbst finanzieren kann und keiner Hilfe von außen bedarf.

Ein besonders positiv stimmendes Merkmal dieser Gemeinde ist die selbstverständliche Präsenz und Arbeit der Frauen. Sie haben das Zentrum mitgegründet und waren seit Beginn an der Entwicklung, Führung und Organisation aller Aktivitäten und Pläne beteiligt. Sie sind das Fundament des Zentrums. Der Unterricht wird fast ausschließlich von Frauen geleitet und die Aktivitäten leben von ihrer Energie, ihrem Enthusiasmus und Engagement.
Ein Ort, der zum Nachahmen motiviert und in seiner Wirkung als ein Pionierprojekt in Europa gelten kann. (von Tijana Sarac)

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Tijana Sarac

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